Familienglück und Liebesschmalz zum Abschied

Der Schweizer Regisseur Fredi M. Murer, bekannt durch Klassiker wie «Höhenfeuer» und «Vitus», bringt mit 74 Jahren seinen letzten Film ins Kino: «Liebe und Zufall». Ein Drama übers Älterwerden, unerfüllte und verdrängte Wünsche. Inspiriert wurde Murer von seiner Mutter und deren Jugendliebe.

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Keine 3 Minuten: «Liebe und Zufall»

2:40 min, vom 29.10.2014

Elise und Paul Altmann wissen genau, wie sie die letzten Jahre ihres Lebens verbringen wollen: Zusammen in ihrer Villa am Zürichberg, liebevoll umsorgt von ihrer Haushälterin Angela. Doch dann schafft Angela den Sprung von der Küche auf die Bühne: Sie wird als Theaterschauspielerin engagiert. Paul fährt mit seinem Oldtimer einen Mann an. Elise küsst einen jungen Tierarzt, da er ihrer Jugendliebe zum Verwechseln ähnlich sieht. Der Zufall führt alle drei Handlungsstränge zusammen – und wirbelt die Pläne des Ehepaars mächtig durcheinander.

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      Bildlegende: x Vega Film

      Das stärkste Zitat

      Paul und sein Freund Enrique werkeln in der Garage. Elise bringt Kaffee vorbei und wundert sich über Enriques flinke Hände: «Gibt es eigentlich etwas, das Sie nicht können?» «Nein, ich habe auf mindestens zehn Fachgebieten den ‹Master of AD›», kontert Enrique. «Was bedeutet ‹AD› nochmal?», fragt Elise. «Autodidakt», lacht Enrique stolz.

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      Der Regisseur

      Fredi M. Murer prägte die Schweizer Filmlandschaft mit seinen preisgekrönten Publikumshits «Höhenfeuer» und «Vitus». Nach fast zwanzig Filmen zieht sich der 74-Jährige nun zurück. Mit seinem Abschlussfilm «Liebe und Zufall» hat sich Murer einen Herzenswunsch erfüllt: «Ich wollte schon immer einen Spielfilm mit vier Hauptcharakteren machen, mit einem Quartett.» Sibylle Brunner, Werner Rehm, Ueli Bichsel und Silvana Gargiulo tragen darum zu gleichen Teilen Murers neues Drama. Nach «Liebe und Zufall» kommt für Murer der grosse Schnitt: «Mein Leben am Schreibtisch und hinter der Kamera ist relativ langweilig, jetzt muss ich die Hauptrolle übernehmen.»

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      Fakten, die man wissen sollte

      «Liebe und Zufall» ist ein Spielfilm mit autobiografischen Elementen. Die Entstehungsgeschichte des Films geht bis ins Jahr 1991 zurück: «Meine Mutter reichte mir ihren Roman ‹Zufall und Liebe› und eine Autobiografie. Sie sagte mir, ich solle mal eine Geschichte von ihr verfilmen», erinnert sich der Regisseur. Das Drehbuch, welches später entstand, ist jedoch mehr Fiktion als Biographie. Doch der Titel und einige Anekdoten wurden übernommen. Eine zusätzliche Parallele zur Realität bieten Ueli Bichsel und Silvana Gargiulo. Seit zehn Jahren sind sie ein gefeiertes Theaterduo. Das Bühnenstück «Knacks», das sie im Film proben, gibt es wirklich. Es feierte 2013 Premiere und wird immer noch aufgeführt.

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      Das Urteil

      Welche Wünsche möchte ich mir noch erfüllen? Welche Bekanntschaften ein letztes Mal wiedersehen? Wer sich mit solchen Fragen beschäftigt, dem könnte «Liebe und Zufall» gefallen. Der Erzählton ist zunächst nachdenklich, die Konflikte realitätsnah. Doch dann meint es das Schicksal, sprich Murer, etwas gar gut mit seinen Figuren: Die italienische Haushälterin wird zur gefeierten Theaterschauspielerin. Unbekannte aus drei verschiedenen Generationen finden zusammen. Jeder unerfüllte Wunsch wird bis zum Filmende doch noch wahr. «Liebe und Zufall» ist ein humorvolles Drama, das statt echter Dramatik viel Familienglück, Gefühlsschmalz und Nostalgie bietet. Murers letzter Film ist sicher nicht sein bester: zwar wunderbar verträumt, aber leider auch etwas altbacken und seicht.