Film-Tipp des Tages: «Ali G Indahouse»

Als Ali G. hat Sacha Baron Cohen in Fernsehinterviews Würdenträger veräppelt. Mit «Ali G Indahouse» überführt er das Grossmaul vom Reality-Format in den Spielfilm: Als der Freizeittreff geschlossen wird, in dem Ali G. Kinder auf das «harte Gangsterleben» vorbereitet, steigt er in die Politik ein.

Ein Mann mit orangem Anzug, Schmuck und Sonnenbrille steht neben einem Politiker.

Bildlegende: Sacha Baron Cohen als Ali G, Michael Gambon als der Premierminister . SRF/Kalima Productions/Universal

Ali G. (Sacha Baron Cohen) ist der mit allen Wassern gewaschene Kopf einer Gang, die täglich ums nackte Überleben kämpft und ganz nebenbei das musikalische Genre des Hip-Hops mit Talent und Geschick immer wieder neu erfindet. So jedenfalls sieht Ali G. seine Lebenssituation. In Tat und Wahrheit handelt es sich bei diesem jungen Herrn um einen harmlosen Aufschneider in Hip-Hop-Kluft und in seinem Wohnort, dem verschnarchten englischen Nest Staines, ist von Gangstern keine Spur.

Als der Freizeittreff abgerissen werden soll, in dem Ali G. Kinder auf das «harte Gangsterleben» auf der Strasse vorbereitet, will der überzeugte Arbeitslose etwas unternehmen. Davon bekommt Minister David Carlton (Charles Dance) Wind. Carlton spannt das freche Grossmaul für seine Zwecke ein: Ali G. soll bei den anstehenden Wahlen für die Partei des Premierministers kandidieren - um das Staatsoberhaupt zu blamieren und dessen Posten für David Carlton freizumachen. Doch wer auf dem harten Pflaster von Staines überlebt, ist auch auf der staatspolitischen Bühne ein ernstzunehmender Kontrahent - Ali G. schlägt sich besser als erwartet.

Verbale Fallen und derbe Pointen

In seiner Fernsehserie «Da Ali G Show» hat Sacha Baron Cohen zuerst in Grossbritannien und später auch in den USA Experten und Würdenträger veräppelt. Als Hip-Hop-Möchtegern Ali G. verleitete er sie mit einer eigenwilligen Mischung aus penetranter Vulgarität und entwaffnender Ignoranz in Interviews dazu, die Geistesgegenwart des Interviewers zu unterschätzen und in seine geschickt ausgelegten verbalen Fallen zu tappen. Mit «Ali G Indahouse» unternahm der britische Komiker den Versuch, Ali G. vom Reality-Format in einen Spielfilm zu überführen - was der Derbheit seiner Pointen keinerlei Abbruch getan hat.

Aufs Konto des wandelbaren Sacha Baron Cohen geht auch die Figur des naiven kasachischen TV-Korrespondenten Borat, als der er in der «Ali G Show» sowie im Kinofilm nichts ahnende Zeitgenossen veräppelte. Später liess er den schwulen österreichischen Fashionreporter «Brüno» im gleichnamigen Film auch aufs Schweizer Kinopublikum los. 2016 wird Sacha Baron Cohen in «Grimsby» als Fussball-Hooligan mit seinem Bruder, einem Geheimagenten, zusammenspannen.

Sendeplatz

Dienstagnacht um 00:00 Uhr auf SRF zwei