Film-Tipp des Tages: Cheyenne - This Must Be the Place

Ein alternder Rock-Star macht sich auf die Suche nach dem Nazi, der seinen Vater im KZ gequält hat. Sean Penn fasziniert als skurriler Cheyenne, für den die Rache zu einem neuen Ziel im Leben wird.

Ein Mann mti Lippenstift und langen schwarzen Haaren.

Bildlegende: Sean Penn als Cheyenne. SRF/Frenetic Films

Schwarzer Eyeliner, rote Lippen, ein Wuschelkopf wie ein Vogelnest - der abgehalfterte Rock-Star Cheyenne (Sean Penn) stylt sich mit 50 noch gleich wie mit 20, als er erfolgreich auf Konzerttournee durch die Städte zog, an der Seite von Mick Jagger und anderen spielte, zu viel Drogen konsumierte und Frauen vernaschte.

Doch das wilde Äussere trügt: Der stets sanft, ja fast kindlich wirkende Cheyenne lebt schon lange ruhig und zurückgezogen mit seiner Ehefrau, einer resoluten Feuerwehrfrau (Frances McDormand), in einem stattlichen Anwesen in Irland. Die Karriere, die ihn reich gemacht hat, scheint ihn nicht mehr zu interessieren. Lieber schlurft der Exzentriker nun ins nahe Einkaufscenter und verbringt seine Tage ziellos. Erst als Cheyenne erfährt, dass sein Vater im Sterben liegt, schafft er es sich aus seinem Alltagstrott aufzuraffen, um sich mit seinem Vater, den er 30 Jahre nicht gesehen hat, auszusöhnen. Doch als er in New York ankommt, ist es bereits zu spät.

Er weiss, sein Vater war zeitlebens besessen von einem einzigen Gedanken: den ehemaligen SS-Offzier, der ihn im KZ Ausschwitz quälte, aufzuspüren und zu töten. Und plötzlich hat der lethargische Cheyenne ein neues Ziel im Leben: Er beschliesst, die Suche seines Vaters fortzusetzen und das Unrecht, das diesem angetan wurde, zu rächen. Es beginnt eine Reise durch die USA und die Vergangenheit, die Cheyenne mit den verschiedensten Menschen zusammenführt und ihm sein eigenes Leben neu vor Augen führt.

Ungewöhnlicher Roadmovie

Der kürzlich verstorbene Kritikerpapst Ebert schrieb einen Lobgesang auf das ungewöhnliche Roadmovie ebenso wie viele seiner Kritikerkollegen. Auch im deutschen «Film-Dienst» wird die Faszination, die von dem Film ausgeht - manchmal geradezu blumig, manchmal pointiert -, zum Ausdruck gebracht: «Cheyenne ist ein Produkt der Unterhaltungsindustrie, wandelndes Abbild einer bestimmten Musik- und Popkultur, und trotzdem ein glaubwürdig-liebenswerter, lebensvoller Charakter.

Darin ähnelt der Film mit all seinen ausgeklügelten Totalen und Plansequenzen seiner Hauptfigur: Ihre Künstlichkeit wirkt nicht seelenlos, vielmehr erfüllen sie Regisseur wie Hauptdarsteller mit Leben. Viele Bilder dieses skurrilen Road Movies fühlen sich als Verweise vertraut an; so rührend und zugleich expansiv ist der Soundtrack von David Byrne, dass man sich im uramerikanischsten aller Genres sofort zu Hause fühlt.

Das erzählt aber nichts von der Weite der Landschaft, sondern von den kleinen Gesten ihrer Bewohner und vom Staunen angesichts der schieren Schönheit oder aber Seltsamkeit der Welt. Wohlig möchte man sich in diese Bilderdecke einkuscheln. Friedlich legt sich diese Decke über die Geschichte einer Rache, die nicht von Hass befeuert wird, sondern von der Sehnsucht und Neugier eines erwachsenen Kindes, das die Welt nicht mehr zu verstehen scheint und doch alle in seinen Bann zieht.»

Sendeplatz

Donnerstagnacht um 00:20 Uhr auf SRF 1.