Film-Tipp des Tages: «Ginger & Rosa»

Während der Kubakrise durchlebt die Freundschaft zweier Teenager im London der 1960er-Jahre turbulente Zeiten. Berührendes Pubertätsdrama der britischen Autorenfilmerin Sally Potter («Orlando») mit Elle Fanning, Alice Englert und Alessandro Nivola.

Zwei Mädchen sitzen in einem Auto und sehen aus dem Fenster.

Bildlegende: Alice Englert als Rosa, Elle Fanning als Ginger. SRF/Concorde Filmverleih GmbH

Freundinnen sind die Teenager Ginger (Elle Fanning) und Rosa (Alice Englert) schon ihr junges Leben lang. Sie erblickten das Licht der Welt im August 1945 gleichzeitig, als die Atombombe Hiroshima in Schutt und Asche legte. 1962 verbreitet die Kubakrise Angst vor einer atomaren Auseinandersetzung der Grossmächte USA und UdSSR. Ginger entdeckt ihr politisches Gewissen und geht gegen die nukleare Bedrohung auf die Strasse.

Ein Mann rudert ein Boot, in welchem noch zwei Mädchen sitzen.

Bildlegende: Da bahnt sich etwas an. SRF/Concorde Filmverleih GmbH

Auch Rosa verspürt ein inneres Drängen, doch treibt dieses sie in die Arme der Männer - in jene auch von Gingers Vater (Alessandro Nivola), der als Pazifist hinter Gittern Zeit verbüsste und nun mit bürgerlichen Konventionen bricht. Ginger erkennt: Die Bombe tickt auch in den eigenen vier Wänden.

Sally Potter, die eigenwillige Regisseurin feministischer Filme wie «Orlando» und «The Tango Lesson», überrascht mit diesem direkten, zugänglichen Coming-of-Age-Drama, das gleichwohl emotionale Tiefe hat. Potter siedelt ihre Geschichte um eine persönliche Verunsicherung in den 1960er-Jahren an, die sie selbst als eine Zeit der Angst empfand.

Mit ihrer Kamera geht die Filmemacherin ganz nah an ihre Figuren heran, wie das «St. Galler Tagblatt» bewunderte: «Insbesondere Alice Englert (der Tochter von Jane Campion) und Elle Fanning gilt der intime Blick. Und was es in Fannings Gesicht zu sehen gibt, ist umwerfend. Dreizehn Jahre jung war sie bei den Dreharbeiten, hat aber bereits in 30 Filmen gespielt. Man kann nur staunen, was Potter herausholt aus den zwei jungen Darstellerinnen in ihrer ersten Hauptrolle.»

Stand Elle Fanning einst im Schatten ihrer älteren Schwester, hat sie Dakota Fanning mittlerweile den Rang abgelaufen. An nicht weniger als neun hängigen Filmprojekten ist die junge US-Amerikanerin dieses und nächstes Jahr beteiligt, darunter auch dem neuen Film von Enfant terrible Nicolas Winding Refn («Drive»), dem für 2016 angekündigten Horrorfilm «The Neon Demon». Gemächlicher lässt es Alice Englert angehen, die für die BBC-Fantasyserie «Jonathan Strange & Mr Norell» vor der Kamera steht.

Sendeplatz

Donnerstagnacht um 00:15 Uhr auf SRF 1