Film-Tipp des Tages: «Martha Marcy May Marlene»

Nach ihrem Ausstieg aus einer totalitären Sekte kämpft eine junge Frau mit der Rückkehr in ein normales Leben. Rätselhaft angelegtes Psychodrama mit Jungtalent Elizabeth Olsen, Indie-Star John Hawkes als charismatischem Sektenführer sowie in Nebenrollen Sarah Paulson und dem Briten Hugh Dancy.

Ein Mann hilft einer Frau mit der Waffe zu zielen.

Bildlegende: John Hawkes als Patrick (l.), Elizabeth Olsen als Martha (M.). SRF/ Twentieth Century Fox

Auf den ersten Blick könnte das Leben von Martha (Elizabeth Olsen) idyllischer kaum sein, teilt sie es doch mit gleichaltrigen Gleichgesinnten in einem Landhaus in den Catskill Mountains. Ein Zufluchtsort ist die Lebensgemeinschaft für die junge Frau indes längst nicht mehr, trägt sie

doch Züge einer totalitären Sekte. Die Unterwerfung unter den charismatischen Anführer Patrick (John Hawkes) ist nicht nur eine des Willens, sondern auch eine sexuelle.

Martha flieht aus der Sekte und kommt bei ihrer älteren Schwester Lucy (Sarah Paulson) und deren Ehemann Ted (Hugh Dancy) unter. An eine Rückkehr ins normale Leben ist jedoch nicht zu denken. Martha ist das dekadente Leben der Schwester und des überheblichen britischen Architekten fremd. Mehr noch zeigt sich aber, wie tiefgreifend ihre Gehirnwäsche gewesen ist: Martha steckt zwar nicht mehr in der Sekte, die Sekte aber noch in ihr.

Kontroverses Psychodrama mit Thrillerelementen

Im Rahmen eines Förderprogramms durch das «Sundance»-Filminstitut liess der junge Kanadier Sean Durkin auf seinen thematisch verwandten Kurzfilm «Mary Last Seen» dieses kontroverse Psychodrama mit Thrillerelementen folgen. Der Regisseur und Drehbuchautor macht es dem Publikum nicht einfach. «Martha Marcy May Marlene» springt wie im Traum zwischen Schauplätzen sowie Zeitebenen und vermittelt dem verunsicherten Publikum mit formalen Mitteln einen Eindruck von Marthas Gemütszustand. Dabei zieht er stets die Beobachtung einer verbalen Erklärung vor. Das Psychodrama, das in der Schweiz nicht den Weg ins Kino fand, ist gemäss dem deutschen «Filmdienst» «ein nachhaltig verstörender Film über die Verletzbarkeit der Seele - und den Wankelmut der psychisch Gesunden, die Grenzen ihrer Geduld.»

In der Hauptrolle gibt die jüngere Schwester der «Olsen Twins», in den USA von Kindsbeinen Film- und Fernsehstars, eine Probe ihres Könnens ab. Filme wie «Godzilla» und der für April 2015 «Avengers: Age of Ultron» zeugen davon, dass Elizabeth Olsen mittlerweile in Hollywood angekommen ist. Schon länger ein sicherer Wert ist John Hawkes («The Sessions») der mit Präsenz und Charisma Marthas Faszination für den Sektenführer überhaupt glaubhaft macht. Sein Bergsteigerdrama «Everest» mit Jake Gyllenhaal und Keira Knightley ist für September 2015 angekündigt. Das nächste Projekt von Regisseur Sean Durkin, ein Drama um Janis Joplin, steckt derweil noch in der Vorbereitung.

Sendeplatz

Donnerstagnacht um 00:15 Uhr auf SRF 1