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Filmschatz: «They Shoot Horses, Dont They?»
Aus Kultur Webvideos vom 06.02.2020.
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Filmklassiker Ein Tanz-Marathon wird zur Reise in die Hölle

Sydney Pollacks «They Shoot Horses, Don’t They?» kritisierte bereits vor 50 Jahren die Vorläufer heutiger Reality-Shows.

Oscar-Verleihung 1970: Keine hat bis heute höhere Einschaltquoten in den USA gehabt. «Midnight Cowboy» wurde als bester Film gekrönt. Die meisten Preise erhielt der Western «Butch Cassidy and the Sundance Kid».

Die Gewinner: Oscargeschichte, Vergangenheit. Einem anderen Film gelang etwas, was bis heute keinem weiteren gelungen ist.

Rekordhalter

Mann und Frau tanzen Arm in Arm.
Legende: Jane Fonda erhielt für diese Performance ihre erste Oscar-Nominierung als «Beste Hauptdarstellerin». Filmstill aus «They Shoot Horses, Don't They?»

«They Shoot Horses, Don't They» hält einen bis heute gültigen Rekord: Keine Produktion, die nicht als Bester Film nominiert war, erhielt je mehr Oscarnominierungen als Sydney Pollacks Drama.

Der Film basiert auf der gleichnamigen Pulp-Novelle von Horace McCoy. Er war in den 1920ern ein erfolgloser Schauspieler, der als Rausschmeisser sein Geld verdiente.

In dem Club, für den er arbeitete, fanden Tanz-Marathons statt. Basierend auf diesen Erfahrungen schrieb er seinen Roman.

Zeitreise in Elend

Zwei Männer links und recht und die Frau in der Mitte sprechen miteinander.
Legende: Jung und oscarnominiert: Regisseur Sydney Pollack (rechts), hier auf dem Set mit Michael Sarrazin und Jane Fonda. Getty Images

Regielegende Sydney Pollack verfilmte die Geschichte 1969. Sie nimmt uns mit zurück in die Zeit der amerikanischen Wirtschaftskrise.

Hungrig, verzweifelt und arbeitslos nahmen viele Menschen an zermürbenden Tanz-Marathons teil, die bis zu einem Monat dauern konnten.

Tanzen für eine Mahlzeit

Ein Tanzpaar ist erschöpft und die Frau sinkt zu Boden
Legende: Die Tanz-Marathons der 1930er Jahre trieben die Teilnehmer an ihre körperlichen und psychischen Grenzen. imago images

Keine Nachtruhe und nur 15 Minuten Mittagsschlaf gab es für die Tänzerinnen und Tänzer. Aber dafür immerhin sieben Mahlzeiten am Tag.

Für viele waren die Mahlzeiten der einzige Grund, um teilzunehmen. Andere hofften, von einem Hollywood-Produzenten entdeckt zu werden.

Die Paare, die bis zum Schluss durchhielten, gewannen nur eine bescheidene Summe. Aber die Zeiten waren nun mal schlecht.

Gefangen mit den Tanzenden

Regisseur Pollack schuf in diesem historischen Setting ein fesselndes Drama, das zeigt, wie sehr die Teilnehmer von ihrer Verzweiflung getrieben wurden. Und welch hohen Tribut ihre Ausbeutung als Spektakel für zahlende Kunden forderte.

Das Filmpublikum leidet mit: Weil die Kamera nie den Tanzsaal verlässt, ist man als Zuschauer mit den Kandidaten gefangen.

Gut gealtert

Zwei Tanzpäärchen rennen und sind erschöpft.
Legende: Grausamer Rennwettbewerb: Jane Fonda, Red Buttons, Susannah York und Michael Sarrazin. imago images

Entertainment Weekly schrieb Jahre später, dass der Film besser gealtert sei, als jeder anderer seiner Zeit. Warum das stimmt, ist leicht zu erkennen.

Menschen, die für eine Karriere oder aus rein finanziellen Gründen Strapazen und Erniedrigungen auf sich nehmen, sieht man heute in Reality-Formaten wie «Big Brother», «Survivor» oder «Ich bin ein Star, holt mich hier raus!».

Dank seiner treffenden Darstellung der konkurrenzbesessenen, unterhaltungsgeilen US-Gesellschaft ist der Film heute relevanter denn je.

Die grosse Jane Fonda

Die Zeitlosigkeit des Films fusst aber auch auf den schauspielerischen Leistungen. Sie machen die Erfahrung der Tänzerinnen und Tänzer greifbar.

Jane Fonda spielt die erfolglose Schauspielerin Gloria. Ihr Spiel ist so realistisch, dass man die jahrelange Not und Enttäuschung ihrer Figur in jeder Bewegung spüren kann.

Der Film läutete eine Wende in ihrer Karriere ein. Zuvor war sie bloss als sexy Blondine wahrgenommen worden. Erst nach ihrer Oscar-Nominierung für «They Shoot Horses, Don’t They?» nahm man sie als Schauspielerin ernst.

Gig Youngs Sternstunde

Links und rechts Männer im Anzug. In der Mitte eine Frau.
Legende: Gig Young (rechts) mit dem Oscar als «Bester Nebendarsteller», neben Fred Astaire und Raquel Welch. imago images

Bei der Preisverleihung anno 1970 ging Jane Fonda allerdings leer aus. Ihr Schauspielkollege Gig Young, ein bekanntes Gesicht im Kino und Fernsehen der 1950er und 1960er, hatte mehr Glück.

Wie er den zynischen Zeremonienmeister des Tanzmarathons verkörperte, beeindruckt bis heute: Nicht zuletzt, weil sich im abgehalfterten Entertainer, der Mitleid für die Tanzenden heuchelt, viele TV-Folterknechte der Gegenwart spiegeln.

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