Der Sittlichkeitsverbrecher (1963)

In der Altstadt von Zürich verschwindet am helllichten Tag ein kleines Mädchen. Stunden später findet die Polizei das verstörte Kind, das einem Vergewaltiger zum Opfer fiel.

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Der Sittlichkeitsverbrecher

82 min, vom 5.3.2010

Inhalt

Ein fünfjähriges Mädchen wird mitten in Zürich entführt. Die Mutter informiert sofort die Polizei, die alle umstehenden Gebäude durchsucht. Nach einigen Stunden findet man das Kind in einem Keller, wo der Täter es vergewaltigt hat. Unter Zuhilfenahme modernster wissenschaftlicher Mittel beginnt die intensive Suche nach dem Täter. Dank akribischer Spurensicherung wird er schliesslich gefunden und überführt.

In einem zweiten Fall wird geschildert, wie ein von seiner Mutter (Ellen Widmann) bevormundeter Bauernsohn (Franz Matter) sich zuerst an einem Nachbarkind und dann an Claudia, einem Ferienkind aus der Stadt, vergeht. Er kann nur gefasst werden, weil sich eine Magd getraut, der Mutter zu sagen, was das ganze Dorf schon längst weiss: Ihr Sohn ist ein Mädchenschänder.

Fall drei verfolgt die Gerichtsverhandlung gegen einen nicht geständigen homosexuellen Täter, der sich am Sohn eines Hauswarts vergangen haben soll. Der traumatisierte Junge muss nun vor dem Richter die Tat schildern, und nur dank seiner Erinnerung an ein spezielles körperliches Merkmal des Mannes kann dieser schliesslich verurteilt werden. Der letzte Fall erzählt von sexuellem Missbrauch innerhalb der Familie und rekonstruiert die Geschichte der 14-jährigen Karin, die von ihrem Stiefvater geschwängert wird.

Hintergrundinformationen

Generationen von Kino- und Fernsehzuschauern erinnern sich mit Schaudern an die «Schoggi-Igeli», mit denen Gert Fröbe 1958 im Klassiker «Es geschah am hellichten Tag» blonde Mädchen in den Wald lockte, um sie zu missbrauchen. Der Erfolg dieses Kriminalfilms veranlasste die Praesens-Film, das brennende Thema Kindsmissbrauch (zwischen 1945 und 1962 waren in der Schweiz mehr als 100'000 Sittlichkeitsdelikte an Kindern registriert worden) in der Form eines dokumentarischen Spielfilms auf die Leinwand zu bringen. Die Produzenten wollten damit auch an ihre früheren Erfolge mit der Darstellung heikler Themen wie «Frauennot - Frauenglück» (1929) oder «Feind im Blut» (1931) anknüpfen.

Ausgehend von realen Fällen, unterstützt durch Akten der Strafbehörden und mit einem besonderen Augenmerk auf die damals modernen Methoden forensischer Forschung, schrieben Richard Schweizer und Franz Schnyder das Drehbuch, das auf einer Idee von Schnyder basierte. Der Film beginnt denn auch mit folgendem Text: «Sie sehen die Wirklichkeit. Akten, Krankengeschichten und Geständnisse von Betroffenen sind die Grundlage dieses Berichtes. Nur die Namen von Personen und Orten wurden verändert.» Die Rechnung ging allerdings nicht auf, wie Hervé Dumont in seiner «Geschichte des Schweizerfilms» schildert: «Die einseitige Typologie der Kriminellen (Homosexuelle sind reich und / oder künstlerisch tätig) gibt direkt die Vorurteile der Drehbuchautoren und ihres Publikums wieder.

Der «Sittlichkeitsverbrecher» bleibt erfolglos, obwohl er in der BRD (Prädikat: wertvoll) und auch in den Vereinigten Staaten (als dort geschnittene Kopie) verliehen wird.»

Zahlen und Fakten

  • Produktion: Praesens-Film AG
  • Produzent: Lazar Wechsler
  • Uraufführung: 27.04.1963 im Kino Urban in Zürich
  • Drehzeit: Ende Oktober bis Dezember 1962
  • Innen: «Gesellenhaus» Wolfbach in Zürich
  • Aussen: Zürich (Stüssihofstatt, Bezirksgericht, Stadtpolizei), St. Gallen, Regensdorf, Etschwil, Luzern

Quelle: «Geschichte des Schweizerfilms» (Hervé Dumont, Lausanne 1987)

Cast

  • Peter Arens als Kommissar
  • Franz Matter als Fritz Stamm
  • Ellen Widmann als Mutter Stamm
  • Fred Tanner als Inspektor
  • Peter Markus
  • Margrit Winter als Frau Hofer
  • Hans Gaugler als Herr Hofer
  • Beat Mayer als Stefan
  • Eva Kotthaus
  • Gaby Kaufmann
  • Maximilian Wolters
  • Kurt Mächler

u.v.a.

Crew

  • Regie: Franz Schnyder
  • Drehbuchautor: Richard Schweizer und Wolfgang Menge nach einer Idee von Franz Schnyder
  • Komponist: Walter Baumgartner
  • Kameramann: Emil Berna