Gaunerkomödie «Hunting Elephants»: Panzerknacker im Rentenalter

Freunde des jüdischen Humors aufgepasst! ist eine Gaunerkomödie aus Jerusalem, in der ein paar alte Herren eine Bank stürmen. Dieses «Rentner's Eleven» ist grob gestrickt und etwas zu geschwätzig. Aber dank gepfeffertem Wortwitz höchst vergnüglich.

Die Rentnertruppe mit jugendlicher Unterstützung.

Bildlegende: Die Rentnertruppe mit jugendlicher Unterstützung. Praesens Film

Der hochbetagte Eliyahu (Sasson Gabay) ist erzürnt: Sein Sohn, der in einer Bank für die Sicherheit zuständig war, ist am Arbeitsplatz einem tödlichen Epilepsieanfall erlegen. Und die Bank weigert sich nun, der hinterbliebenen Familie eine vernünftige Entschädigung zu zahlen. Deshalb will er gemeinsam mit seinem minderjährigen Enkel, der den Sicherheitscode zum Tresor kennt, diese Bank nun bewaffnet plündern. Mit von der Partie sind zudem ein weiterer Altersheiminsasse (Moni Moshonov) sowie Eliyahus Schwager, ein adretter britischer Lord mit Geldsorgen (Patrick Stewart). Dieser ergreift als verhinderter Schauspieler die Gelegenheit des Bankraubs, um sich dabei theatralisch in Szene zu setzen.

Die Handlung ist weit hergeholt und nicht einmal ansatzweise plausibel, aber sie ist ohnehin nicht viel mehr als der Vorwand für einen geschwätzigen, unbeschwerten Rentnerschwank, der hauptsächlich von schwarzem Humor, derben Spässen, Slapstick und turbulenter Situationskomik lebt. Vieles davon ist hart an der Grenze zum guten Geschmack: bitterböse Scherze über Terrorismus und über Euthanasie wechseln sich ab mit plumpen Zoten und kruden Beschimpfungen.

Lieber eine Pointe zuviel

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Trailer «Hunting Elephants»

2:20 min, vom 25.4.2014

Drehbuchautor und Regisseur Reshef Levi arbeitet erfolgreich als Stand-up-Comedian und Gagschreiber für das israelische Fernsehen. Das merkt man seinem Spielfilm «Hunting Elephants» an: Lieber setzt er in einem Wortgefecht drei Pointen zu viel, als dass er auf einen missratenen Kalauer verzichtet. Und er vergisst manchmal, dass politisch inkorrekte Sprüche nicht automatisch lustig sind.

Dieses ständige Witzeln sorgt zwar für Kurzweil auf der verbalen Ebene, aber sie schadet der Tiefe der Figuren, die hie und da um der reinen Komik willen Dinge sagen, die nur bedingt zu ihrem Charakter passen. Andererseits zieht diese Geschwätzigkeit den Film auch in die Länge: Der Zuschauer hat bereits alles verstanden, was er für den Fortlauf der – ziemlich berechenbaren – Handlung wissen muss, aber die Figuren plappern munter auf Hebräisch weiter, weil dem Drehbuchautor noch ein zusätzliches Wortspiel eingefallen ist, das er sich nicht verkneifen kann.

Zum Brüllen komisch

Zwei Rentner und ein Jugendlicher werden von der Polizei festgehalten.

Bildlegende: Die Gaunerkomödie ist zum Brüllen komisch, wenn auch höchst unglaubwürdig. Praesens Film

Nein, hochstehende Unterhaltung ist «Hunting Elephants» sicher nicht. Die Liste der Mängel, die man diesem Film ankreiden kann, ist lang: Vom hanebüchenen Plot über die unironische sexistische Macho-Grundhaltung dieser Altherrenriege bis zum Unwillen des Autoren, die ernsteren Themen der Geschichte über ihr Gag-Potenzial hinaus zu entwickeln oder die weiblichen Figuren etwas weniger oberflächlich zu gestalten.

Aber irgendwie bringt es nichts, einem Filmemacher solche Versäumnisse vorzuhalten, wenn er sein Publikum doch einfach nur zum Lachen bringen will und dies auch mühelos schafft. «Hunting Elephants» ist stellenweise zum Brüllen komisch, und für Freunde des jüdischen Humors, wie ihn einst Ephraim Kishon und Georg Kreisler im deutschsprachigen Raum populär machten, ist er sogar ein richtiges Freudenfest.