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Film & Serien Heisser Boden – auf der Suche nach einem Endlager für Atommüll

Nüchtern, aber kritisch dokumentiert der Basler Regisseur Edgar Hagen in «Die Reise zum sichersten Ort der Welt» den bis heute gescheiterten Versuch, einen sicheren Ort zu finden, um atomaren Abfall zu lagern.

Legende: Video Die Reise zum sichersten Ort der Erde - wohin mit dem Atommüll abspielen. Laufzeit 99:00 Minuten.
Aus CH:Filmszene vom 21.04.2016.

Gleich zu Filmbeginn wird der Endlagerexperte Charles McCombie gefragt, ob er Angst vor dem Aussterben der Atomindustrie habe. Ja, sagt McCombie, die habe er.

«Die Reise zum sichersten Ort der Welt» ist eine Dokumentation über den problematischen Umgang mit Atommüll weltweit – und ein Stück Schweizer Wissenschaftsgeschichte. Der 68-jährige Nuklearphysiker Charles McCombie führt Regisseur Edgar Hagen nicht nur in die entlegensten Winkel der Erde, sondern auch auf Spurensuche nach einer Schweizer Lösung, die es bis heute nicht gibt.

Ein Mann mit Schutzhelm blickt durch ein Fenster auf ein hell beleuchtetes Gerät
Legende: «Die Reise zum sichersten Ort der Welt» fragt nach der Endlagerung radioaktiver Abfälle. Look Now!

Sohn des Atoms

Charles McCombie ist mit dem Atom gross geworden. Der Schotte wurde 1945 in Aberdeen geboren, im selben Jahr, als die ersten Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki fielen. Seit 35 Jahren beschäftigt sich McCombie mit den Folgen der zivilen Atomenergie: Wiederaufbereitungsanlagen wie das britische Sellafield hatten in den Siebzigerjahren begonnen, strahlende Abfälle in ihre Herkunftsländer zurückzuschicken.

Seither wird der Atommüll weltweit zwischengelagert. 1978 betraute die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) McCombie mit der Aufgabe, ein Endlagerprogramm für hochradioaktiven Abfall in der Schweiz zu entwickeln. Das Nagra-Projekt «Gewähr» sollte auch über die Zukunft der heimischen Atomindustrie entscheiden. Doch es kam anders.

Der Granit der Alpen erwies sich als ungenügender Schutz gegen radioaktive Strahlung, die Atomkraftwerke blieben dennoch am Netz. McCombie, der den Beweis für die Machbarkeit eines Endlagers weder in der Schweiz noch anderswo erbracht hat, initiiert heute von Baden aus multinationale Projekte in Europa, Afrika, Asien und Südamerika.

Wegschauen gilt nicht

Der Basler Filmemacher Edgar Hagen legt es in «Die Reise zum sichersten Ort der Welt» nicht darauf an, den Physiker mit seinem unerschütterlichen Glauben an die Notwendigkeit der Atomindustrie zu dämonisieren.

Immerhin verdrängt McCombie das Problem nicht. Aber die Fakten und Bilder, die der Film zusammenträgt, sprechen für sich: In den USA etwa werden Endlager auf Erdölfeldern geplant oder in unmittelbarer Nähe von Vulkanen. Und natürlich würde es niemand erstaunen, wenn das erste Endlager überhaupt in einem Land entstünde, das unseren Sicherheits-Standards noch weniger entspricht: in China.

Doch das ist kein Grund für Häme oder gar Erleichterung. Der Film führt aus der weiten Welt immer wieder zurück in die gemütliche Schweiz, zu bröseligen Gipsgruben und seichten Baggerseen. Keine geeigneten Orte für Endlager, vermutlich, und direkt unter unseren Füssen.

3 Kommentare

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  • Kommentar von M.Müller, Zürich
    Als Bürgerlicher kriege ich bei diesem Thema einen dicken Hals. Eigenverantwortung, liberal und Vollkosten - das sind die Sprüche von SVP und FDP. Wenn es um den billigen Atomstrom geht sind diese Sprüche nur noch miese Worthülsen welche durch unversicherte Risiken, sozialisieren von Risiken und Generationenbetrug ersetzt werden können. SVP und FDP habt Ihr auch noch einen Funken Anstand und Moral gegenüber den kommenden Generationen? Wer sollen wir als Bürgerliche noch wählen?
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  • Kommentar von Marianne Roe, Gwatt
    Nicht irgendwo unter die Erde sondern eher bei den heutigen AKWs erhöhte und stabile Plattformen bauen und darüber "Berge" wie Pyramiden bauen, aus optimalem Baustoff damit darin der Atommüll eingebaut werden kann. Es wird irgend einmal möglich sein, diesen Müll zu "entstrahlen". Dann wäre es mit den Pyramiden viel besser möglich, wieder an den Müll zu kommen, um ihn zu bearbeiten. Man sollte nicht den Müll von den heutigen Standorten weit weg führen + damit weitere Gebiete unsicher machen.
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    1. Antwort von Martin Brunner, Schweiz
      @Roe, ihre Idee mit den Pyramiden erscheint mir als ein verzweifelter Versuch die Atomkraft in der Schweiz doch noch zu retten, und die Pharaonen von Ägypten würden sich im Grab wälzen wenn Sie von solch einem Vorhaben hören würden. Und dass es einmal möglich sein wird den Atommüll zu entstrahlen glauben Sie ja selber nicht. Nein am besten ist es gar kein Müll mehr zu produzieren! Fukushima lässt grüssen!
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