«Himmelfahrts-Kommando» – ein explosiver Walensee-Western

Wie bringt man Beat Schlatter, Andrea Zogg und Walter Andreas Müller dazu, gratis in einem Film mitzuspielen? Mit einem raffinierten Drehbuch. Dennis Ledergerbers «Himmelfahrtskommando» erinnert trotz Geldmangel an die Kultfilme seiner Vorbilder: Quentin Tarantino, Guy Ritchie und die Coen-Brüder.

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Neustart der Woche: «Himmelfahrtskommando» (CH 2013)

5:46 min, aus Box Office vom 17.3.2013

«Himmelfahrtskommando» beginnt mit einem Paukenschlag: Der vollbesetzte VW-Bus einer amerikanischen Hippie-Sekte fliegt nach einem Unfall am malerischen Walensee in die Luft. Die Explosion ist 20 Meter hoch und erinnert eher an Hollywood als ans einheimische Kino.

Und doch steckt ein St. Galler hinter diesem unschweizerisch wilden Film, der gerade einmal 100‘000 Franken gekostet hat: Dennis Ledergerber. Dem erst 25jährigen Regisseur ist es trotz Missachtung von Konventionen und Verzicht auf Subventionen gelungen, eine effektvolle schwarze Komödie ins Kino zu bringen.

Private Geldgeber und Crowdfunding

Walter Andreas Müller in einem Boot

Bildlegende: Walter Andreas Müller spielte für «Himmelfahrtskommando» ohne Gage. MovieBizFilms

Finanziert wurde der Low-Budget-Film von privaten Sponsoren und mit dem Geld, das via Spende-Aufruf im Netz gesammelt wurde. Für solche Sammelaktionen gibt es mittlerweile einen Fachbegriff: Crowdfunding. Für 200 Franken konnten sich Freunde und Sympathisanten eine Erwähnung im Abspann, zwei Tickets für die Vorpremiere und den Soundtrack sichern.

Der unbezahlbare Goodwill von prominenten Schauspielern wie Beat Schlatter, Walter Andreas Müller und Andrea Zogg half, die Kosten tief zu halten. Sie spielten gratis – für den Film war ihr Engagement dennoch alles andere als umsonst. Sie heben das Schauspiel von Ledergerbers zweitem Spielfilm deutlich über das Niveau seines Regiedebüts «ZuFallBringen». Und das war 2009 immerhin in zwei Darsteller-Kategorien für den Schweizer Filmpreis nominiert.

Wer wach im Geist bleibt, wird belohnt

Die Handlung von «Himmelfahrtskommando» berührt aktuelle Themen wie Fremdenangst, Religion und Geldgier, ohne inhaltlich allzu tief in die Materie einzudringen. Formal ist der Film dagegen ein Husarenstück. Wie es zum tödlichen Unfall kam, erfahren wir nicht der Reihe nach, sondern in fünf fragmentarischen Kapiteln, die man erst einmal auf die Reihe kriegen muss. Nur wer geistig wach bleibt, kann gegen Filmende alle Episoden zu einem Ganzen verweben.

Die Erzählstruktur, die Gewalt, die Ästhetik – all das lässt an Ledergerbers grosse Vorbilder denken: Quentin Tarantino, die Coen-Brüder und deren Epigonen. Am stärksten erinnert «Himmelfahrtskommando» an Guy Ritchies «Lock, Stock and Two Smoking Barrels».

Überraschende Kino-Knaller

Explosion in Dorf am Walensee.

Bildlegende: Viel «Action» und schöne Kontraste, die Vorbilder des Regisseurs sind spürbar: Tarantino, Ritchie und die Coen-Brüder. MovieBizFilms

Ledergerbers Walensee-Western spielt fast genauso gekonnt mit Genre-Konventionen und Erwartungshaltungen, ohne die rohe Brillanz von Ritchies Kino-Erstling zu erreichen. Was «Young Gun» Dennis Ledergerber mit knappen Mitteln und überbordendem Enthusiasmus auf die Leinwand gezaubert hat, ist dennoch höchst beachtlich. Der Schweizer Film braucht mehr solch überraschende Kino-Knaller, um nicht in Lethargie zu verfallen.