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Filmredaktor Enno Reins über Dwayne Johnson
Aus Audio Aktuell SRF 3 vom 29.07.2021.
abspielen. Laufzeit 03:38 Minuten.
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Neu im Kino In «Jungle Cruise» packt Dwayne Johnson wieder die Zitatwut

Hollywoodstar Dwayne Johnson: supererfolgreich durch Zitatorgien. Eine neue davon gibt es gerade im Kino: «Jungle Cruise».

Warum sind die Filme von Dwayne «The Rock» Johnson so erfolgreich? Warum machen sie Spass?  Weil sie ein Streifzug durch die Filmgeschichte sind.

Jedes seiner Spektakel ist ein Cocktail aus bekannten Ideen und Figuren, die zu etwas Neuem verarbeitet werden. Die Vorlagen muss das Publikum nicht kennen, aber es erhöht den Fun-Faktor. Ein Wissenschaftler würde sagen, dass die Intertextualität von Dwayne Johnsons Popcornkino extrem hoch ist. 

Keiner verdient mehr als Dwayne Johnson

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Legende: Disney

Laut Forbes war Dwayne Johnson 2020 der bestbezahlte Schauspieler Hollywoods. Über 87 Millionen Dollar soll er da verdient haben. Mit 254 Millionen Followern ist er der meistgefolgte amerikanische Mann auf Instagram.

Der ehemalige Wrestler ist ein Garant für Kinohits. Die Filme des 49-Jährigen sind aktionsgeladen, bunt und meistens familienfreundlich.

Abenteuer im Computerspiel

Bestes Beispiel für Dwayne Johnsons Kopierfreude: Die beiden «Jumanji»-Filme von 2017 und 2019, die er auch mitproduziert hat.

Story: Jugendliche werden in ein altes Computerspiel hineingezogen und landen in den Körpern der Spielfiguren. Jede ausgestattet mit drei Leben.

Im Game müssen sie einen Fluch brechen, der auf dem Land Jumanji lastet. Ein fieser Professor hat ein magisches Juwel gestohlen. Mit dem kontrolliert er die Tiere des Dschungels.

Legende: Dwayne Johnson und Emily Blunt in dem Abenteuerfilm «Jungle Cruise». Disney

Lara Croft trifft Indiana Jones

Das Ganze ist eine wahre Zitatorgie. Nicht nur weil der alte «Jumanji»-Film von 1995 mit Robin Williams fortgesetzt wird.

Der Film feiert die Computerspiele der 1990er, insbesondere Action-Adventure-Games wie «Tomb Raider», die weibliche Hauptfigur in «Jumanji» ist ähnlich gekleidet wie Spielheldin Lara Croft und genauso schlagfertig.

Die junge Archäologin Lara Croft wurde wiederum von Kinoheld Indiana Jones inspiriert. Der Jäger des verlorenen Schatzes ist seinerseits eine Hommage. Nämlich an die Abenteuerhelden des Hollywoods der 1930er.

Legende: Der Indiana Jones und die Lara Croft des 21. Jahrhunderts. Dwayne Johnson und Karen Gillan in «Jumanji – Welcome to the Jungle». Sony

Zeitgemässes Blockbuster-Kino

Der Geist beider Popkultur-Ikonen ist in Dwayne Johnsons «Jumanji»-Filmen zu spüren. Er selbst spielt einen Archäologen und nimmt damit klar Bezug auf die Vorbilder.

Die Spektakel sind ein kreativer Mischmasch aus Game-Elementen, Abenteuerfilm und einer Dosis Körpertauschkomödie, wie «Freaky Friday».

Entstanden ist nicht sentimentales, retrospektives, sondern modernes Popcornkino, dass sich in Sachen Diversität und Gleichberechtigung nicht verstecken muss, das Geschlechterrollen auf den Kopf stellt, weil Frauen in männlichen und Männer in weiblichen Spielfiguren landen.

Zitate in den Filmen von Dwayne Johnson

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Vorlagen aus der Filmgeschichte hat Dwayne Johnson nicht nur in «Jumanji» und «Jungle Cruise» benutzt. Sondern auch in

  • «Hercules»
    Mit «Hercules» (2014) verbeugte er sich vor den Sandalenfilme. So nannte man B-Movies aus den späten 1950ern und frühen 1960er über antike und biblische Kraftmeier.
  • «San Andreas»
    Ein gewaltiges Erdbeben in Kalifornien und Dwayne Johnson ist als Rettungsflieger mittendrin. Mit «San Andreas» 2016 lieferte er eine Hommage an die populären Katastrophenfilme der 1970er ab.
  • «Baywatch»
    Ein Jahr später brachte er «Baywatch» raus, eine Persiflage auf die Badehosen-Kult-Serie der 1990er.
  • «Skyscraper»
    Mit «Skyscraper» ehrte Dwayne Johnson den Bruce-Willis-Kultfilm «Die Hard», als er sich alleine in einem Hochhaus mit einer Gruppe Gangster anlegt.
  • «Rampage»
    Zitierlust auch bei «Rampage», ein Spektakel über einen Gorilla, einen Wolf und ein Krokodil, die durch eine Genmanipulation aggressiv und riesig werden. Das Spektakel zitierte King Kong, Hollywoods Creature-Feature-Filme der 1950er, genauso wie die populären japanischen Kaiju-Filme der 1960er, also Streifen, in denen Riesenmonster wie Godzilla Städte plattwalzten.

Die Fahrt durch den Dschungel

Das gleiche Mashup-Prinzip wie bei «Jumanji» wird auch bei Dwayne Johnsons neuem, 200 Millionen Dollar teuren Blockbuster «Jungle Cruise» angewendet. Er basiert auf der gleichnamigen 65 Jahre alten Attraktion in Disneyland.

Legende: Weltpremiere von «Jungle Cruise» im Juli 2021 in Disneyland. Disney

Hollywood-Klassiker

Die wiederum wurde vom oscarprämierten Hollywood-Klassiker «African Queen» (1951) mit den damaligen Superstars Humphrey Bogart und Katherine Hepburn inspiriert.

Legende: Ein weiteres Zitat: Auf dem Kinoplakat, und auch im Film, schwingen Emily Blunt und Dwayne Johnson wie Tarzan an einer Liane durch den Urwald. Disney

Ein Schiff, ein Fluss und fiese Deutsche

«African Queen» ist klar in «Jungle Cruise» wiederzuerkennen.

Beide Filmen spielen während des Ersten Weltkriegs. In beiden Fällen steht ein gegensätzliches Paar im Mittelpunkt, das sich ständig streitet. Sie müssen einen gefährlichen Fluss hinunterfahren und sich mit fiesen Deutschen herumschlagen.

Video
Trailer von «Jungle Cruise»
Aus Kultur Extras vom 22.07.2021.
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Natürlich ist die Geschichte in «Jungle Cruise» anders: Emily Blunt als toughe britische Wissenschaftlerin sucht am Amazonas einen magischen Baum, der Heilkräfte besitzt.

Legende: Emily Blunt als Dr. Lily Houghton, die ihren hilflosen Bruder in die unmöglichsten Abenteuer verwickelt. Disney

Dabei trifft sie auf den notorischen Lügner und Flusskapitän Frank (Dwayne Johnson). Neben den deutschen Schurken tauchen dann noch über 400 Jahre alte Konquistadoren auf. Was einen sofort an «Pirates of the Caribbean» denken lässt.

Das Spiel mit den Zitaten ist in «Jungle Cruise» nicht so originell, nicht so witzig und viel kindlicher als in «Jumanji». Aber das Mashup-Abenteuer bleibt launiges Popcornkino über eine Frau, die sich in der männerbestimmten Welt des frühen 20. Jahrhunderts durchschlagen muss.

Legende: Dwayne Johnson (links) hat 2012 die Firma Seven Bucks Productions gegründet, mit der er viele seiner Filme koproduziert hat. Disney

Es ist ziemlich sicher, das auch «Jungle Cruise», den Dwayne Johnson wieder mitproduziert hat, ein weiteres Mal beweisen wird, dass sich aus bekannten Versatzstücken ein gelungener Kassenerfolg für den Hollywoodstar basteln lässt.

Kinostart: 29.07.2021

Radio SRF 3, 29.07.2021, 10.45 Uhr

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Klein  (HansKlein)
    Wunderbäume? 400 Jahre alte Konquistadoren…?
    Ich bin immer noch und immer mehr überzeugt, dass die tatsächliche Menschheitsgeschichte weit mehr spannende Geschichten bietet, die ohne Wunder und technische Tricks auskommen. Aber vermutlich möchte das Publikum tatsächlich vor allem der tristen Realität entfliehen und auch nicht mit historischer Realität konfrontiert werden – schon gar nicht, wenn diese in ideologischer Absicht "korrigiert" wird. Also lieber Superhelden mit Superkräften … traurig
  • Kommentar von Ernst U. Haensler  (ErnstU)
    Wir haben verstanden : Ab jetzt muss jeder Film politisch korrekt sein u dieser D. Johnson ist natürlich weder männlich noch Macho.......