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Film & Serien Nur im Film germanophob: Martin Rapold empfiehlt deutsche Filme

In der Komödie «Plötzlich deutsch» spielt Martin Rapold einen deutschfeindlichen Schweizer, der nach einem Schlag auf den Kopf nur noch Berliner Dialekt spricht. Die Abneigung gegen unsere Nachbarn hat er aber nur im Film: Zur Verständigung über die Grenzen empfiehlt er sechs deutsche Filme.

Legende: Video Trailer zu «Plötzlich deutsch» abspielen. Laufzeit 00:30 Minuten.
Aus Programmhinweis vom 01.06.2014.

1. «Alles auf Zucker» von Dani Levy

Ein Schweizer der deutsche Filmgeschichte schrieb: Dani Levy ist mit «Alles auf Zucker» eine sehr schnelle und raffinierte Komödie gelungen, die in der Art von Ernst Lubitsch mit jüdischem Humor Traditionen, religiösen Fanatismus und menschliche Schwächen mit Schalk durchleuchtet. Henry Hübchen als saufender und zockender Jaeckie Zucker ist ein Augen- und Ohrenschmaus.

2. «Gespenster» von Christian Petzold

Ein Mann tröstet eine Frau.
Legende: Pierre (Aurélien Recoing) und Françoise (Marianne Basler) suchen nach ihrem Kind. Alles auf Zucker / Offizielle Seite

Für mich der stärkste Petzold-Film. Die Realität der Figuren und ihre Wahrheit werden ständig in einem gespenstischen Schwebezustand gehalten. Der Plot wird zwar durch die Frage nach der Identität der Hauptfigur vorangetrieben, der Film lebt aber sehr von seiner Atmosphäre. Eine Atmosphäre, die einen ständig sein eigenes Konzept von Normalität hinterfragen lässt. In Erinnerung blieben mir vor allem die Momente, in denen ein Ehepaar sein vermisstes Kind sucht und dabei ständig die gleiche Bach-Kantate im Auto hört.

3. «Der Totmacher» von Romuald Karmakar

«Das Schweigen der Lämmer»? Das geht intensiver. Das Kammerspiel «Der Totmacher» reduziert die Banalität des Grauens auf die dramatisierten Verhörprotokolle des Serien-Mörders Fritz Haarmann. Götz George als Haarmann und Jürgen Hentsch als Psychiater Ernst Schultze brillieren und nehmen einem bis zum letzten Schnaufer des Triebtäters den Atem.

4. «Liebe ist kälter als der Tod» von Rainer Werner Fassbinder

Fassbinders Vorbilder für diesen ersten abendfüllenden Spielfilm waren die Regisseure der Nouvelle Vague, Rohmer und Chabrol. Die Kompromisslosigkeit seiner Vorbilder hat Fassbinder vor allem stilistisch noch übertroffen. Nackte Wände, weisse Räume und zu grelles Licht geben dem Film eine zugleich unterkühlte und überhitzte Stimmung. Was Fassbinder in dieser Gangster-Studie treibt mit Kamera-Einstellungen und Dialogen ist elektrisierend. Der Film ist ein sehr faszinierendes, aber für heutige Sehgewohnheiten auch anstrengendes Film-Erlebnis.

5. «Rossini, oder die mörderische Frage wer mit wem schlief» von Helmut Dietl

Im Gegensatz zu vielen deutschen Komödien neueren Datums ist dieser Film ausgesprochen komisch. Selten wurde die deutsche Film-, Medien- und Literatur-Landschaft so erbarmungslos aber mit Herz aufs Korn genommen wie in «Rossini». Kommerziell, aber saugut, könnte man sagen. Die ganze deutsche Star-Liga ist mit an Bord. Und von jedem Sternchen bleibt einem ein Satz oder eine Szene.

Helmut Dietl auf dem roten Teppich.
Legende: Gleich zwei Filme von Regisseur Helmut Dietl als Tipp. Reuters

Götz George, der Regisseur, ist eifersüchtig auf seinen Gärtner («Wer hat denn die gepflanzt?»), der Produzent Heiner Lauterbach verachtet seinen Financier («Sparkasse...»), Edgar Selge als Financier seinerseites hat «ein gutes Gefühl», der Restaurant-Chef Mario Adorf nimmt zuviel Viagra («Ich bin ein Tiger...») und Gudrun Landgrebe, die Muse, hat Verstopfung, weil sich zwei Männer um sie streiten («Ich will endlich wieder richtig scheissen können!»). Wunderbar.

6. «Schtonk», auch von Helmut Dietl

Der Hitler-Tagebuch-Fälscher Knobel (Uwe Ochsenknecht) wird während seiner Fälschungs-Karriere immer mehr zu Hitler, während der Skandalreporter Willie (Götz George) immer mehr zu Hermann Göring wird. Sehr amüsant. Mit diesem freien Humor sollte mit dem grossen Schatten des Adolf H. umgegangen werden. Nur lachen hilft Geschichte zu verdauen.

Sendehinweis

«Plötzlich deutsch» läuft am Sonntag, 1. Juni, um 20.05 Uhr auf SRF 1.

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