Schöne neue Dinowelt: mit Indominus Rex und dem Raptorenflüsterer

22 Jahre nach «Jurassic Park» stampfen Steven Spielbergs Saurier wieder um die Wette. Doch wie zugkräftig sind Kino-Dinos anno 2015? Im Kampf gegen den Zahn der Zeit hat Hollywood seine Saurier gepimpt. Kein oller T-Rex sorgt in «Jurassic World» für Schrecken, sondern ein genmanipulierter Mischling.

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Keine 3 Minuten: «Jurassic World»

2:01 min, vom 10.6.2015

Neue Dinos braucht der Park! «Jurassic World» spielt zehn Jahre nach der Eröffnung des Dino-Zoos. Dessen Betreiber fürchten sich längst nicht mehr vor den Sauriern. Stattdessen machen ihnen die sinkenden Zuschauerzahlen Angst. Im Bestreben, dem Publikum frische Attraktionen zu bieten, loten Wissenschaftler die Grenzen des Machbaren aus. So wird durch die Vermischung der DNA mehrerer Saurier eine völlig neue Dino-Gattung geschaffen: Indominus Rex. Man muss kein Lateiner sein, um zu ahnen, dass sich der «unzähmbare König» als solcher erweist. Kaum ausgebüxt, benimmt sich das Filmmonster so, als wäre der ganze Park sein Reich. Paroli bieten kann ihm nur ein anderes, charismatisches Alphatier: Verhaltensforscher Owen, dem es gelungen ist, Velociraptoren zu dressieren.

    • Hauptdarsteller Chris Pratt in amerikanischer Einstellung an der Seite von Bryce Dallas Howard.

      Bildlegende: Owen (Chris Pratt) steht für den Instinkt, Claire (Bryce Dallas Howard) für den Intellekt. Universal

      Das stärkste Zitat

      Wissenschaftlerin Claire erklärt, warum es für ihre Firma Sinn macht, das Erbgut von Sauriern zu verändern: «Genetische Modifikationen erhöhen beim Publikum den Wow-Faktor.» – «Es sind Dinosaurier – das allein reicht für ein Wow!» kontert Raptorenflüsterer Owen. Ein herrlich selbstironischer Hollywood-Dialog: Schliesslich basiert nicht nur der Erfolg des fiktiven Dinoparks auf der ständigen Vergrösserung des Spektakels.

    • Regisseur Colin Trevorrow in halbnaher Einstellung.

      Bildlegende: Mit der Wahl von Regisseur Colin Trevorrow hat Produzent Steven Spielberg viele überrascht. Universal

      Der Regisseur

      Colin Trevorrow? Selbst die allermeisten Branchen-Insider zucken da mit den Schultern. «Jurassic World» ist erst sein zweiter Langspielfilm. Die Aufmerksamkeit von Steven Spielberg gewann der 38-Jährige Kalifornier 2012 mit der romantischen Zeitreise-Komödie «Safety Not Guaranteed». Als Spielberg den Independent-Film sah, war er von dessen effektstarkem Ende sofort begeistert. Als er dann auch noch erfuhr, dass die Produktion mit einem Mini-Budget von 750‘000 Dollar realisiert wurde, war ihm klar: Regisseur Colin Trevorrow ist mein Mann! Wer mit wenig Geld zu Grossem fähig ist, wird mit viel Geld Gigantisches erschaffen. Die Rechnung dürfte aufgehen für Spielberg, der diesmal nur als Produzent wirkte. Zumal Trevorrow für «Jurassic World» gleich 200 Mal so viel ausgeben konnte: 150 Millionen Dollar.

    • Hauptdarsteller Chris Pratt schiebt sein Motorrad durch die Natur.

      Bildlegende: Chris Pratt startet durch: Nach der Hauptrolle im letztjährigen Kassenhit «Guardians of the Galaxy» steht der kräftig... Universal

      Fakten, die man wissen sollte

      Die bisherigen drei Filme der Marke «Jurassic Park» haben weltweit insgesamt 1.9 Milliarden Dollar eingespielt. Anders als bei den meisten Blockbuster-Reihen nahm der Erfolg jedoch kontinuierlich ab. Das Original war dreimal so erfolgreich wie der dritte Teil, der 2001 in den Kinos lief. Danach wurde schärfer kalkuliert, was einen deutlich längeren Produktionsprozess für Teil 4 zur Folge hatte – mit unzähligen Drehbuchfassungen. Eine davon kursierte bereits 2004 auf der Klatsch-Site «Ain’t It Cool». In dieser spielte – im Unterschied zur Endfassung, die nun in die Kinos kommt – sogar ein Schweizer Unternehmen eine Rolle. Die Hauptrolle wurde immer wieder neu besetzt: Ursprünglich sollte Jeremy Piven («Entourage») den Helden spielen; doch das Rennen machte schliesslich Chris Pratt («Guardians of the Galaxy»).

    • Chris Pratt und Bryce Dallas Howard neben einer zerstörten Besichtigungskugel.

      Bildlegende: Der ausgebüxte Indominus Rex hinterlässt überall im Park seine Spuren. Universal

      Das Urteil

      Velociraptoren, die unter menschlicher Führung gegen einen genmanipulierten Supersaurier kämpfen: Blockbuster-Herz, was willst du mehr? Colin Trevorrow ist die Reanimierung der Spielberg’schen Urechsen-Reihe geglückt. Mit einem rasanten Stück Dino-Kino, das die anderen beiden «Jurassic Park»-Nachfolger alt aussehen lässt. Indominus Rex ist auch für Special-Effects-gesättigte Augen ein Blickfang. Sympathiebolzen Chris Pratt überzeugt als Raptoren-Flüsterer. Und das 3D wurde so dezent eingesetzt, dass es niemanden nerven dürfte. Einen neuen Saurier-Boom auslösen wird «Jurassic World» dennoch kaum. 1993 waren Dinos im Kino etwas Neues. Inzwischen ist das Thema im Grunde gegessen. Doch wer wird schon nein sagen zu einem Dessert, das so schmeckt, als ob Meister Spielberg höchstpersönlich in der Regie-Küche gestanden wäre?

«Jurassic World» startet am 11. Juni in den Schweizer Kinos.