«Ich bin nicht auf dem Höhepunkt»: Fünf Fragen an Ursina Lardi

«Beim Theater herrschen die Musen, beim Film die Busen.» Ursina Lardi verrät uns in Solothurn, was sie von diesem Zitat von Mario Adorf hält. Und: Wie es ist, sich zwischen der Theater- und Filmwelt zu bewegen.

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5 Fragen an Ursina Lardi

3:45 min, vom 26.1.2016

Ursina Ladi lebt für Theater und Film – und sie lebt auf in Theater und Film. Eine Auswahl ihrer besten Film-Rollen zeigt die Schauspielerin in bekannten Film-Höhepunkten und Filmen, die eine Entdeckung wert sind.

    • 1.
      Mein langsames Leben (2001), Angela Schanelec
      Ursina Lardi und Andreas Patton in «Mein langsames Leben».

      Bildlegende: Ursina Lardi und Andreas Patton in «Mein langsames Leben». Schramm Film Koerner & Weber

      Dieses Werk war Ursina Lardis Einstand in die Filmwelt, und es war wohl kein einfacher: Die Regisseurin Angela Schanelec gehört zu den Filmemacherinnen, die sich nur sekundär für Geschichten, sondern vor allem für Andeutungen, Lücken, Zwischenräume und die daraus enstehende Poesie interessieren. «Mein langsames Leben» ist ein Film mit wenig Dialogen und Handlung. Aber gerade weil hier die ganzen Emotionen über diskrete Mimik und halbfertige Gesten erzeugt werden, sieht man Lardi hier in einem ganz besonderen Licht.

    • 2.
      Der Kameramörder (2010), Robert-Adrian Pejo
      Ursina Lardi (links) im Vier-Kopf-Kammerspiel «Der Kameramörder».

      Bildlegende: Ursina Lardi (links) im Vier-Kopf-Kammerspiel «Der Kameramörder». Lotus Film/Laszlo Bolyki

      Ein sexuell aufgeladener Thriller; ein Vier-Kopf-Kammerspiel in einem Haus am Seeufer: Die Verfilmung des Bestsellers des österreichischen Star-Autors Thomas Glavinic weicht zwar inhaltlich und formal grob von der literarischen Vorlage ab, was beim Filmstart für teils ablehnende Kritiken sorgte. Doch unter dem Strich bleiben vier ausserordentliche schauspielerische Leistungen – darunter auch Lardi, die in diesem Quartett – wie alle Beteiligten – eine etwas undursichtige Rolle spielt.

    • 3.
      Traumland (2013), Petra Volpe
      Ursina Lardi in «Traumland».

      Bildlegende: Ursina Lardi in «Traumland». Farbfilm

      Für ihren Part in diesem düsteren Drama gewann Ursina Lardi den Schweizer Filmpreis Quartz – sie spielte darin eine schwangere Ehefrau, die zur Kenntnis nehmen musste, dass ihr Mann sich mit Prostituierten vergnügte. Ganz im Gegensatz zur ernsten Rolle erschien Lardi zur Preisübergabe kichernd und in Bestlaune auf der Bühne, gab eine Anekdote preis, klammerte ihr Fäuste kurz an die Richtmikrofone, rief «Viva la Grischa!» ins Publikum und sorgte damit für einen der Höhepunkte der Veranstaltung.

    • 4.
      Die Lügen der Sieger (2014), Christoph Hochhäusler
      Ursina Lardi in «Die Lügen der Sieger».

      Bildlegende: Ursina Lardi in «Die Lügen der Sieger». NFP (Warner)

      Ursina Lardi ist in diesem Politthriller nur in einer Nebenrolle als dubiose, eiskalte PR-Agentin (sprich: Lobbyistin) zu sehen. Aber sie beweist in «Die Lügen der Sieger» eindrücklich, dass sie auch in einem eher effektgesteuerten und psychologisch wenig feinsinnigen Film glaubwürdig und präzise zu agieren vermag. Hier ist eine Schauspielerin am Werk, die man ruhig öfters und ohne zu Zögern als weiblichen Bösewicht besetzen könnte – und sollte.

    • 5.
      Unter der Haut (2015), Claudia Lorenz
      Dominique Jann und Ursina Lardi in «Unter der Haut».

      Bildlegende: Dominique Jann und Ursina Lardi in «Unter der Haut». Pro-Fun

      Lardi füllt grob geschnitzte aber – wie hier – auch fein ziselierte Rollen überzeugend aus: Im Schweizer Film «Unter der Haut» spielt sie eine dreifache Mutter, die merkt, dass sich ihr langjähriger Lebenspartner (Dominique Jann) für andere Männer interessiert. So aufgeschrieben erinnert das an Lardis Rolle in «Traumland»: Schon wieder eine Ehefrau, deren Familienglück wegen einem untreuen Gemahl bachab geht? Das mag sein. Aber Ursina Lardi zieht diverseste Register – von Verdrängung über Verzweiflung bis zu Akzeptanzversuchen – und erweckt in keiner Sekunde den Eindruck, sie würde sich wiederholen.

Die Filme «Der Kameramörder», «Traumland» und «Unter der Haut» wurden von SRF koproduziert.