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Filmfestivals werden zu Streaming-Festivals
Aus Kultur-Aktualität vom 06.03.2020.
abspielen. Laufzeit 03:48 Minuten.
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Streaming und Verschiebungen Coronavirus zwingt Filmfestivals in Plan-B-Modus

Abgesagt! Und was passiert nun mit all den Filmen? Festivals suchen nach Wegen, ihr Programm trotzdem zu zeigen.

«Zuerst war es ein Schock, als der Entscheid der Gesundheitsbehörde nur wenige Tage vor dem Festival eintraf», sagt Isabelle Gattiker, die Leiterin des Filmfestivals und Forums für Menschenrechte FIFDH in Genf. Dessen 18. Ausgabe hätte am 6. März 2020 starten sollen. Sie drohte komplett ins Wasser zu fallen.

«Das Programm war längst fertig, die Kataloge gedruckt, die Hotelzimmer gebucht. Uns war daher schnell klar: Wir geben jetzt nicht auf. Unsere Kernthemen – Migrationsfragen, Klimafragen, weltweite Ungerechtigkeit – gehen im Moment in der öffentlichen Debatte wegen diesem Coronavirus völlig unter. Daher wollten wir keinen Aufschub für unsere Botschaft.»

Mitreden per Chat

Innert 48 Stunden stellten Isabelle Gattiker und ihr Team eine Notlösung auf die Beine. Das Filmfestival führt seine Podiumsdiskussionen unter Ausschluss der Öffentlichkeit als Livestreams durch. Vor Ort zugelassen ist die akkreditierte Presse – wer hingegen aus der Distanz mitreden oder Fragen stellen will, kann sich schriftlich in das Gespräch einklinken.

Bis hierhin ist das nichts Neues: Überall in der Berufswelt, wo normalerweise Konferenzen und Sitzungen stattfinden, wird zurzeit auf Videoschaltungen und Online-Chats zurückgegriffen. Aber Filmfestivals sind ja zuallererst da, um Filme zu zeigen – vor möglichst vielen Leuten und mit möglichst starkem Event-Charakter. Was tun mit all den selektionierten Werken, wenn man sie nicht wie geplant in Kinosälen zeigen kann?

Kein Ausverkauf

Von fast allen Festivalfilmen existieren passwortgeschützte Visionierungs-Versionen in hoher Bildqualität. Aber diese öffentlich freizuschalten – selbst gegen Bezahlung – wäre ein Verstoss gegen die urheberrechtlichen Abmachungen, welche die Festivals mit den Produktionsfirmen getroffen haben.

Es ist zwar gang und gäbe, dass Filmfestivals ihre älteren Filme auf Videoplattformen unter ihrem Label anbieten – aber für die Filme einer aktuellen Ausgabe war das bis hierhin tabu: ein Ausverkauf, an dem niemand interessiert sein kann.

Beim FIFDH in Genf ergaben sich diesbezüglich mehrere Lösungen: Drei Filme waren bereits vom Westschweizer Fernsehen RTS eingekauft. Das zieht die Ausstrahlung nun vor und zeigt die Filme während der angedachten Festivalwoche.

Andere Filme starten kurz nach dem Festival ohnehin regulär in den Kinos – hier schliesst sich das Festival an Vorpremieren der Verleiher an, die vom Publikumsandrang her unproblematisch sind. In einem dritten Fall werden andere Festivals wie Visions du Réel in Nyon oder Locarno FIFDH-Filme zu einem späteren Zeitpunkt unter diesem Label zeigen.

Neuverhandlungen nötig

An einem Plan B arbeitet zurzeit auch das Internationale Filmfestival Freiburg FIFF, welches in der zweiten Märzhälfte hätte stattfinden sollen. Auch hier gilt: Vereinzelte Vorführungen können stattfinden, aber als Grossanlass muss die diesjährige Ausgabe ausfallen. Insbesondere weil die Kinobesuche für Schulklassen nicht bewilligt wurden, die das FIFF stark gewichtet.

Programm FIFDH und FIFF

Das Festival du film et forum international sur les droits humains de Genève (FIFDH, 6. - 15.3.2020) und das Festival International de Films de Fribourg (FIFF, 20. - 28.3.2020) wurden abgesagt.

Informationen zu Alternativprogramm und Streaming-Angeobten finden Sie auf den Webseiten:

«Wir arbeiten an digitalen Lösungen», sagt der Leiter Thierry Jobin. «Wir haben Partnerschaften mit Online-Plattformen wie festivalscope.com, und wir handeln zurzeit die Rechte für eine digitale Auswertung unserer Filme neu aus. Einzelne Filme können wir vergessen, aber bei rund einem Drittel des Programms bin ich zuversichtlich, dass wir es später einmal online zeigen können.»

Ansonsten arbeitet das FIFF an einer Strategie, seine geplanten Programmpunkte auf das spätere Jahr zu verteilen und während der Festivalwoche im März im erlaubten Rahmen punktuell in Erscheinung zu treten.

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