«The Butler»: Zu viel Geschichte für einen Film

Zu viele Zutaten verderben den Film: «The Butler» erzählt vom Afroamerikaner Cecil Gaines, der als Diener im Weissen Haus acht Präsidenten bediente. Und von sechs Jahrzehnten US-Geschichte – vom Beginn der Bürgerrechtsbewegung bis zur Wahl von Barack Obama.

Der afroamerikansiche Butler steht mit einem Serviertablett in der Tür eines Schlafzimmers.

Bildlegende: 34 Jahre im Weissen Haus: Forest Whitaker als Butler Cecil Gaines. Frenetic

Das Drama «The Butler» basiert auf dem Leben von Eugene Allen, einem afroamerikanischen Butler, der in 34 Jahren für acht Präsidenten im Weissen Haus gearbeitet hat. Regisseur Lee Daniels, der 2010 für «Precious» eine Oscar-Nominierung erhielt, will gleichzeitig den Aufstieg eines mittellosen Afroamerikaners, ein Familiendrama und sechs Jahrzehnte US-amerikanischer Geschichte in zwei Stunden erzählen – und scheitert.

Amerikanische Geschichte im Schnelldurchlauf

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Trailer zu «The Butler»

2:26 min, vom 17.10.2013

Der Film rast durch die US-Geschichte – von den 1950er-Jahren bis zum Amtsantritt von Barack Obama. Der Ku Klux Klan, Martin Luther King und der Kampf gegen die Rassentrennung, die Ermordung John F. Kennedys sowie Präsident Nixon und die Watergate-Affäre – sie alle finden irgendwo ihren Platz im Film.

Die Geschichtskunde erschöpft sich in einer oberflächlichen Auflistung von Ereignissen und Jahreszahlen. Die amerikanischen Präsidenten dienen als Gag-Lieferanten. Beispielsweise erfährt der Zuschauer, dass sich US-Präsident Lyndon B. Johnson aufgrund von Verstopfungsproblemen während wichtiger Sitzungen auf dem Klo aufhielt. Faszinierend.

Familiendramen

Filmszene mit Oprah Wonfrey auf einem Wohnzimmersessel.

Bildlegende: Publikumsliebling Oprah Winfrey als alkoholkranke Hausfrau. Frenetic

Lee Daniels hat den Film leider mit geschichtlichen Fakten überladen. Die Geschichte des Butlers Cecil Gaines alleine hätte das Drama getragen. Weil er mehr Zeit im Weissen Haus verbringt als bei seiner Frau Gloria, wird diese depressiv und alkoholkrank.

Dazu kommt der Konflikt mit Sohn Louis, der als Bürgerrechtler für die Rechte der Schwarzen kämpft. Als Gefolgsmann von Martin Luther King schämt er sich für seinen unterwürfigen Vater, der in seinen Augen die Weissen wie ein Sklave bedient.

Starke Leistung von Whitaker und Winfrey

Trotz Schwächen im Drehbuch: Mit Forest Whitaker als demütigem Butler und Talk-Ikone Oprah Winfrey als unzufriedener Ehefrau hat Regisseur Lee Daniels die Hauptrollen perfekt besetzt. Ein Grund für den Erfolg in den USA. Seit dem Kinostart im August hat «The Butler» mehr als 100 Millionen Dollar eingespielt. Whitaker und Winfrey werden in den USA bereits als Oscar-Favoriten gehandelt.