Tim Burtons «Frankenweenie»: ein Horror-Märchen

Der Junge Victor Frankenstein erweckt seinen toten Hund zum Leben. Was folgt sind Chaos und Zerstörung. Tim Burton gelingt mit «Frankenweenie» eine wunderbar komische und herzzerreissend melancholische Version des Frankenstein-Themas.

Trickfiguren: Victor streichelt seinen Hund Sparky.

Bildlegende: Die Nähte verraten es: Victors treuer Hund Sparky weilte schon mal unter den Toten. Disney

Tim Burtons Helden sind Aussenseiter. Ob Edward Scissorhands oder Ichabod Crane aus «Sleepy Hollow» (beide von Johnny Depp gespielt), sie alle sind sympathische, weltfremde Sonderlinge. Burtons Antihelden haben immer den Drang, Neues und Fremdartiges zu erkunden und zu entdecken. So auch Victor in «Frankenweenie». Hier setzt Burton seine Erzähltradition fort. Diesmal natürlich mit dem Frankenstein-Thema.

Horror-Party mit Haustieren

Victor verliert seinen geliebten Hund Sparky. Die beiden waren unzertrennlich. Da zeigt der Physiklehrer im Unterricht wie Elektrizität funktioniert – und mit Hilfe eines selbstgebastelten Blitzableiters erweckt Victor seinen geliebten Sparky wieder zum Leben.

Abgesehen von ein paar Nähten und zwei Bolzen am Hals ist Sparky ganz der Alte und Victor wieder ein glücklicher Junge. Doch sein Geheimnis bleibt nicht lange verborgen. Seine Schulkollegen erfahren davon. Nun wollen auch sie ihre begrabenen Hamster und Schildkröten zum Leben erwecken. Das Resultat: Eine Monster-Party mit bösem Ende.

Bild um Bild werden die Bewegungen der kleinen Figürchen fotografiert und zu einem bewegten Film zusammengefügt. Das ist Handarbeit vom Feinsten und das sieht man auch. Tim Burton blieb zudem seinen Vorbildern, den alten Horrorfilmen, treu und filmte alles in kontrastreichem Schwarz-Weiss.

Zu düster für Disney

Tim Burton hält eine Figur aus dem Film «Frankenweenie» in den Händen, auf dem Pult stehen weitere Figuren aus dem Film.

Bildlegende: Tim Burton mit dem Figuren-Arsenal aus «Frankenweenie». Disney

Tim Burton hat diesen Film schon einmal gemacht. Kurz nach der Kunstschule wurde er von Disney angestellt. Er schuf den erfolgreichen Trickfilm «Vincent» (1982) und zwei Jahre später einen weiteren Kurzfilm mit dem Titel «Frankenweenie». Kein Trickfilm, sondern mit echten Schauspielern. Dieser Film war Disney aber etwas zu düster und der Regisseur und das Filmstudio trennten sich.

Inzwischen hat sich Burton nicht nur zum Kult-, sondern auch zum Erfolgsregisseur gemausert. In den fast 30 Jahren zwischen dem ersten und dem jetzigen «Frankenweenie» ist viel passiert: Das heutige Massenpublikum fürchtet sich längst nicht mehr vor Schauergeschichten – und Disney anscheinend auch nicht. Zeit also für eine weitere Kollaboration.

«Frankenweenie» könnte man aber trotzdem einen Zwitter nennen. Er  ist zwar erst ab 12 Jahren zugelassen, doch ab und an kommt kindlich-kitschiges «Disney-Feeling» auf. Dennoch: Dieser Film ist eindeutig ein Burton: Viel schwarzer Humor vermischt mit Melancholie und liebevoll gezeichneten Charakteren.

DVD-Tipp

Tim Burtons «Frankenweenie» erscheint am 16. Mai bei Disney auf DVD und Blu-Ray.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Box Office-Club: «Frankenweenie»

    Aus Box Office vom 12.5.2013

    Kult-Regisseur und Meister der Stopmotion-Animation Tim Burton nimmt sich seines Lieblingsthemas an: die Geschichte von Frankenstein. In "Frankenweenie" geht es um den jungen Victor, der seinen geliebten Hund wieder zum Leben erweckt und damit ein monsterhaftes Chaos anrichtet. Der Box Office Club hat diesen Film zu Hause auf DVD geschaut. Die Mitglieder verraten, wie ihnen der Film gefallen hat. Regie: Tim Burton (USA 2012)

    Anita Egger

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