Wachgeküsst im Serien-Zeitalter

In der Populärkultur wird immer wieder auf die Märchen der Gebrüder Grimm zurückgegriffen: Zahlreiche Spielfilme nutzen die bekannten Geschichten als Grundlage. Aktuell zeigen gleich zwei US-Fernsehserien die Stoffe in einem zeitgenössischen Gewand – mit Erfolg.

Eine junge Frau beugt sich in einem Spital über einen jungen, der mit geschlossenen Augen auf dem Bett liegt, und küsst ihn auf die Stirn.

Bildlegende: Märchen fürs Serienzeitalter: Jennifer Morrison als Emma Swan in der Serie «Once Upon a Time» des US-Senders ABC. ABC

Der Alltag der 28-jährigen Emma Swan wird ziemlich durcheinandergewirbelt, als sie unverhofft Besuch von einem kleinen Jungen erhält: Nicht nur entpuppt er sich als ihr eigener Sohn, den sie einst zur Adoption freigegeben hat, der kleine Henry erzählt auch sonst viel Überraschendes. Märchen seien nämlich wahr, sagt er – ihre Protagonisten lebten allesamt in einem Ort namens Storybrooke. Und Emma sei in Wahrheit die Tochter von Schneewittchen.

Reduktion auf den Kern

Das ist die Ausgangslage der Serie «Once Upon a Time – Es war einmal...», von der in den USA demnächst die dritte Staffel anläuft. Die Macher reduzieren die Grimmschen Märchen auf ihre zentralen Figuren und transportieren die Geschichten dann in die Gegenwart. So waltet die böse Königin nun als Bürgermeisterin des tristen US-Städtchens Storybrooke, in dem die verfluchten Märchenfiguren auf ihre Rettung warten. Mit der Serie ist den Autoren Edward Kitsis und Adam Horowitz, die auch für die Mystery-Serie «Lost» verantwortlich zeichneten, ein wahrer Coup gelungen. Die Serie bleibt beim Publikum erfolgreich, auch wenn die Story nach der ersten Staffel im Grunde bereits erschöpft ist.

Und gleich noch eine US-Serie behauptet, die Geschichten der Gebrüder Grimm seien keineswegs nur Märchen, sondern hätten sich tatsächlich ereignet: In «Grimm» erfährt der Polizist Nick Burkhardt, dass er der letzte Nachfahre der Grimms sei. Diese sind keine Geschichtensammler, sondern eine Familie von Monsterjägern. Fortan löst Burkhardt Folge für Folge ein anderes Märchen aus kriminalistischer Perspektive auf. Die Grimmschen Stoffe bieten dem Fantasy-Krimi dabei viel Material für blutige Horror-Szenen.

Wiederbelebung in Film und Fernsehen

Dass die Grimmschen Märchen zeitgemäss aufpoliert werden, ist zumindest im Kino nichts Neues: Regisseur Terry Gilliam etwa machte aus den deutschen Märchensammlern in seinem Fantasy-Abenteuer «Brothers Grimm» ein Hochstapler-Duo, das plötzlich mit echten Märchen-Figuren konfrontiert wird. Und sowohl «Hänsel und Gretel» als auch «Schneewittchen» waren erst kürzlich als düstere Actionfilme im Kino zu sehen. Mit «Once Upon a Time – Es war einmal...» und «Grimm» erleben die klassischen Märchen nun auch auf dem TV-Schirm eine Neubelebung. Damit sind im Grimm-Jahr 2013 die bekannten Märchen endgültig auch im Serien-Zeitalter angekommen.

Märchen im TV

«Grimm» ist momentan auf Vox zu sehen. Die erste Staffel von «Once Upon a Time - Es war einmal...» ist auf DVD erhältlich, Super RTL zeigt die zweite Staffel ab dem kommenden Herbst.