«We're the Millers» – eine Familie spielt Komödie

Auf den ersten Blick liefert «We're the Millers» die gewohnte Dosis an konfektioniertem Komödienstoff à la Hollywood. Doch wenn man genauer hinschaut, sieht alles ein wenig anders aus: Der Gag-Rhythmus ist von Anfang bis Ende hoch und die 120 Filmminuten vergehen wie im Flug.

Eine Familie sitzt verschreckt in einem Wohnmobil.

Bildlegende: Ein heiterer Familienausflug nach Mexiko mit den Millers. Warner Bros.

David Clark (Jason Sudeikis) ist bald 40 und hat es im Leben nicht weit gebracht. Seit der High-School verdient er sein Geld als kleiner Drogendealer, der die Nachbarschaft mit Marihuana versorgt. Als ihm Geld und Drogen geklaut werden, hat David ein Problem: Er schuldet seinem Boss (Ed Helms) einen Haufen Geld. Um seine Schulden zu begleichen, wird David nach Mexiko geschickt, um eine riesige Ladung Marihuana über die Grenze zu schmuggeln.

Die Komödie einer Familie

Doch wie schafft man das, ohne an der streng bewachten Grenze aufzufliegen? Ganz einfach: Man tut so, als hätte man eine Familie. Aus Dealer David, der Stripperin Rose (Jennifer Aniston), der Ausreisserin (Emma Roberts) und dem Naivling Kenny (Will Poulter) wird die Familie Miller. Der Ärger ist vorprogrammiert.

Komödien mit Jennifer Aniston verheissen, seien wir mal ehrlich, nichts Gutes. «The Bounty Hunter» (2010), «The Switch» (2010) und «Just Go with It» (2011) waren flache Hollywood-Konfektionsware, enttäuschende, langweilige Filme und so gar nicht zum Lachen.

Lacher sind garantiert

«We're the Millers» stellt, obwohl kein Meisterwerk, die glückliche Ausnahme dar. Der Film ist witziger und erfrischender als alle Komödien, in denen Aniston in den letzten Jahren zu sehen war. Das liegt in erster Linie an einem gelungenen Drehbuch und am gut inszenierten Zusammenspiel der Hautdarsteller. Man spürt, dass Regisseur Rawson Marshall Thuber seinen Stars Aniston und Sudeikis dennoch viel Raum zur kreativen Entfaltung gelassen hat. Wenn die zwei alten «Saturday Night Live» Kämpen Jason Sudeikis und Ed Helms aufeinander prallen, sind die Lacher garantiert.

Aniston, auch als Stripperin das Nachbarsmädchen

Eine Stripperin schaut über ein Geländer und ballt eine Hand zur Faust.

Bildlegende: Jennifer Aniston als Stripperin in «We’re the Millers». Warner Bros.

Regisseur Thuber profitiert natürlich davon, dass Jennifer Aniston mit 44 Jahren wild entschlossen zu sein scheint, ihren Ruf als amerikanische Durchschnittsbraut loszuwerden. Abgezeichnet hat sich der Wille zur Karrierekorrektur bereits vor zwei Jahren, als sie in der Komödie «Kill the Boss» eine nymphomanische Zahnärztin spielte, eine Nebenrolle.

In «We’re the Millers» ist Aniston nun als resolute Stripperin zu sehen. Erstaunlich dabei: Egal in welche (Komödien-) Rolle man Jennifer Aniston steckt, sie ist und bleibt das Mädchen von nebenan.

Wie Doris Day

Das erinnert an Doris Day, deren Äusseres und Art ähnlich burschikos waren. Mit einem Unterschied: Day spielte in ihren Filmen immer die selbständige Frau, wenngleich meist eine, die sich ihre Jungfräulichkeit erhalten hat – Jennifer Aniston hingegen lässt sich immer auf die Rolle des Mädchens ein, das verzweifelt versucht, ihrem Junggesellen-Dasein zu entkommen. Ob Aniston allerdings gut beraten ist, vom heiratswilligen Mädchen zum Lustobjekt zu mutieren, ist fraglich.

Doris Day war 45, als man ihr die Rolle der Mrs. Robinson in «The Graduate» anbot, die Day ablehnen sollte. In ihren Memoiren schreibt die Schauspielerin: «Ich konnte mir nicht vorstellen, mich mit einem Mann in den Laken zu wälzen, halb so alt wie ich, den ich verführt habe.» Im Gegensatz zu Aniston ahnte Doris Day, dass man in der Karriere irgendwann den Punkt erreicht hat, an dem es verzweifelt wirken kann, eine Verzweifelte zu spielen.

Was Aniston dringend braucht, um der Komödien-Arena zu entkommen, ist eine ernsthafte Rolle in einem ernsthaften Film. Doris Day übrigens hatte solche Rollen, als Ruth Etting im Biopic «Love Me Or Leave Me» und an der Seite von James Stewart in Hitchcocks «The Man Who Knew Too Much».

Vater-Mutter-Kind-Geschichte

Zurück zu «We're the Millers». Die zentrale Rolle in diesem Film spielt eines der Heiligtümer der amerikanischen Gesellschaft: Die traditionelle Familie, bestehend aus Vater, Mutter und zwei Kindern. Spiessige Familienkonstellationen sind für eine amerikanische Komödie allerdings nichts Ungewöhnliches. Doch «We're the Millers» ist erfrischend anders.

Der Film stellt die These auf, dass eine weisse, amerikanische Familie, die in einem Wohnwagen unterwegs ist, die mexikanisch-amerikanische Grenze passieren kann, ohne kontrolliert zu werden. Dem kleinen Drogendealer David gelingt es, drei andere Verzweifelte von dieser These zu überzeugen und so zu Komplizen und Familienangehörigen auf Zeit zu machen, um mit Drogenschmuggel richtig viel Geld zu verdienen.

Blowjob statt Bestechungsgeld

Zwei bewaffnete Typen stehen bewaffnet in einem Keller hintereinander.

Bildlegende: Szenenbild aus dem Film «We’re the Millers». Warner Bros.

Wirklich böse ist die Komödie nicht, dafür ganz schön unmoralisch. Wenn «Mutter» und «Tochter» dem jungfräulichen «Sohn» Nachhilfeunterricht in Sachen Zungenküssen geben und jemand dabei zusieht, der im Gegensatz zum Zuschauer, die «Familienverhältnisse» nicht kennt, oder ein mexikanischer Polizist, genial besetzt mit Luis Guzman, von David einen Blowjob alternativ zu Bestechungsgeld einfordert, dann ist das schon sehr witzig.

Wenn die Nachbarn auf dem Campingplatz Rose und David Millers nächtliches Eindringen in ihr Zelt als Einladung zum Partnertausch missverstehen oder Zollbeamte einen Spät-Hippie wegen eines Joints niederknüppeln, um dann die Millers mit ihrer Tonne Gras durchzuwinken, lacht man Tränen. «We're the Millers» ist dann am besten, wenn er «politically incorrect» ist und das amerikanische Wertesystem auf die Schippe nimmt.

100 Millionen Zuschauer-Grenze geknackt

«We're the Millers» ist eine Komödie über die Familie aber keine Familienkomödie, zumindest nicht in den USA, wo der Film ein «R»-Rating hat, was bedeutet, dass unter 17-Jährige nur in Begleitung Erwachsener in den Film dürfen. Dem Erfolg des Filmes tut dies keinen Abbruch, in den USA ist die 100 Millionen Grenze bereits geknackt.

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