Wie Kevin Smith «Star Wars» und Sex zusammenbrachte

Als Indie-Filmer und Blogger seziert Kevin Smith seit mehr als 20 Jahren die globale Popkultur. Die Kids in seinen Filmen reden hauptsächlich über populäre Phänomene wie Sex und «Star Wars». Und zwar so, wie wir es auch im richtigen Leben tun: irgendwo zwischen Alltag, Kommerz und Fankultur.

Smith schaut mit weit aufgerissenen Augen in die Kamera

Bildlegende: Vor 20 Jahren drehte Kevin Smith «Clerks». Die Themen dieses Slacker-Films beschäftigen ihn bis heute. Reuters

«Clerks» machte Smith vor 20 Jahren zum Star-Regisseur der Indie-Szene. In der schwarz-weissen Komödie diskutieren zwei kiffende Quartierladen-Verkäufer, Jay und Silent Bob, über Alltägliches.

Wobei das sprechen vor allem Jay übernimmt – Silent Bob, der von Kevin Smith selbst gespielt wird und auch in zahlreichen seiner späteren Filmen immer wieder auftaucht, ist seinem Namen entsprechend ein eher schweigsamer Typ. Jay und Silent Bob wurden zu alternativen Identifikationsfiguren der sogenannten Slacker-Generation. Und Kevin Smith, damals erst 24 Jahre alt, schuf mit dem Film ein Referenzsystem der globalen Popkultur.

Schwarzweissfoto: Zwei junge Männer stehen neben einem Ghettoblaster vor einer Hauswand.

Bildlegende: Kevin Smith als Silent Bob in «Clerks» mit seinen Markenzeichen Mantel, verkehrte Baseball-Mütze und Zigarette. Miramax

Der grosse Gleichmacher

Sex und «Star Wars» waren zwei der zentralen Themen von «Clerks». Es sind Themen, die Smith auch heute noch beschäftigen. «Sex ist ein grosser Gleichmacher: Alle haben Sex, wollen Sex, denken an Sex. Das Thema verbindet die Amerikaner», sagt er. «Sex ist das Epizentrum, er steht im Zentrum der Unterhaltungsindustrie.» Sex war 1994, im Erscheinungsjahr von «Clerks», gesellschaftlich ein weit verbreitetes Thema. Innerhalb der Popkultur aber wurde er zu jener Zeit kaum reflektiert.

Heute sieht es anders aus. Im Horrorfilm zum Beispiel ist Sex ein viel verwendeter Topos der Unterhaltungsindustrie. Ein Genre, in dem sich Smith gut auskennt: Sein neuster Film «Tusk» ist ein Horrorfilm mit komödiantischen Elementen.

Sex steht im Horrorfilm meist in einem moralischen Kontext, sagt Smith: «Ich glaube, die Verbindung von Sex und Horror stammt aus einer Zeit, die sich noch sehr stark an der christlichen Moral orientierte. Sex, und vor allem Sex unter Teenagern, konnte nie ungestraft erfolgen.» Smiths Film «Red State» von 2011 macht genau das zum Thema: Jugendliche, die sich für Gruppensex interessieren, werden von einer christlich fundamentalistischen Sekte eingesperrt.

Vom Bedürfnis, über «Strar Wars» zu sprechen

Während Sex in der Popkultur in den 90er-Jahren wenig reflektiert wurde, war «Star Wars» allgegenwärtig. Nicht nur 1977, als «Krieg der Sterne» in die Kinos kam. «Auch 1994, als wir ‹Clerks› drehten, redeten meine Kumpels und ich konstant über ‹Star Wars›», sagt Smith – deshalb machte er ihn auch in seinem Film zum Thema. Jay und Silent Bob reden ganz ernsthaft über versteckte Implikationen der intergalaktischen Politik. Auf diese Referenzen wurde Smith auch später noch oft angesprochen. Das zeigte ihm, dass er mit dem Bedürfnis, über diesen bahnbrechenden Film zu sprechen, nicht alleine dastand.

Das Universum der «Star Wars»-Filme von George Lucas wurden ab 1977 für Millionen von Jugendlichen zu einer gemeinsamen Sprache. Zu einem künstlichen, aber wohl gerade darum umso wirkungsvolleren Mythen-System im Alltag.

Sex für Geeks

Kevin Smith wollte in «Clerks» dem Klischee entgegenwirken, dass «Star Wars»-Geeks wie Jay und Silent Bob nie zu Sex kämen. Und so liess er sie auch über Sex sprechen. «Wir mischten Sex und ‹Star Wars›, was George Lucas nicht konnte – seine Filme waren ja für Kinder freigegeben.»

Vielleicht ist das der Grund, warum auch die heutigen Teenager noch auf «Clerks» reagieren. Der Film behandelt Sex als Topos der Unterhaltungsindustrie – und steht damit nicht alleine. Aber er ist nah am Leben. An seiner Person kann es jedenfalls nicht liegen, findet Smith: «Sie haben sie ja eigentlich keinen Grund, sich mit mir zu identifizieren. Ich bin ja heute selbst ein Mann mittleren Alters.»

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