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100 Jahre Hodler Immer ist alles schön parallel

Am 19. Mai jährt sich Ferdinand Hodlers Todestag zum 100. Mal. Eine neue Ausstellung in Genf und Bern rückt das Welterklärungsmodell des Künstlers ins Zentrum.

Porträt von Hodler
Legende: Ferdinand Hodler: Selbstbildnis (1916) Hodler neu sehen und erleben: Das verspricht die Ausstellung in Genf und Bern. © Musée d'art et d'histoire de Genève / Foto: Y. Siza

Das Auffälligste an der Ausstellung im Musée Rath ist die Beleuchtung. Riesige weisse Lampen hängen wie dicke Wolken unter der Decke. Das Licht, das sie verbreiten, wechselt in Intervallen von einem kalten, hellen Leuchten zu einem warmen, gedimmten Glühen.

Spazieren mit Hodler

Die Besucherinnen und Besucher sollen gleichsam mit Hodler spazieren gehen, die Welt durch seine Augen sehen – so wünscht es Laurence Madeline, die die Ausstellung in Genf eingerichtet hat. Und dazu gehört für die Genfer Kuratorin auch das Erlebnis verschiedener Lichtstimmungen, die an Morgenfrische, Mittagshelle und Abenddämmerung denken lassen.

Ferdinand Hodler: Spaziergänger im Wald (1885)
Legende: Ferdinand Hodler: Spaziergänger im Wald (1885) Beim Spazieren kamen Hodler Ideen, in der Natur entdeckte er Muster. Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte, Winterthur / © SIK-ISEA, Zürich

«Hodler war ein Spaziergänger», sagt sie. Viele Motive fand er in der Landschaft. Mehr noch: In der Auseinandersetzung mit der Natur entwickelte er eine eigene Kulturtheorie, den Parallelismus.

Einer, über den man alles weiss

Die Ausstellung, die jetzt in Genf gezeigt wird und die – in leicht geänderter Form – ab September auch in Bern zu sehen ist, stützt sich auf Hodlers Parallelismus.

Die Kuratorinnen Laurence Madeline (Genf) und Nina Zimmer (Bern) glauben damit einen Weg gefunden zu haben, Hodler ganz neu zu präsentieren. Denn, wie Madeline vor der Presse sagte: «In der Schweiz wissen ja schon alle alles über Hodler.»

Die Ausstellung

Die Genfer Ausstellung im Musée Rath, Link öffnet in einem neuen Fenster ist bis 19. August zu sehen. Ab 13. September übernimmt das Kunstmuseum Bern, Link öffnet in einem neuen Fenster die Ausstellung, in leicht modifizierter Form.

Mit dem Begriff Parallelismus umschreibt Hodler seinen Eindruck, dass die Natur von Symmetrien geprägt sei. Im Wald sieht er zahlreiche vertikale Parallelen, die Baumstämme. Am Ufer eines Sees erscheinen ihm Wolken, Wellen und Wasserspiegelungen als horizontale Parallelen.

Ferdinand Hodler: Thunersee mit symmetrischen Spiegelungen (1905)
Legende: Der Thunersee mit symmetrischen Spiegelungen (1905) Wellen? Parallelen! Sie sind zentral für Hodlers Werk, behaupten die Kuratorinnen. © Musée d'art et d'histoire de Genève / Foto: B. Jacot-Descombes

Aus diesen Beobachtungen leitete Hodler die Überzeugung, Symmetrie sei die Grundformel alles Seins. Mit dem Parallelismus glaubt er des Pudels Kern entdeckt zu haben. Damit war er nicht allein.

Um 1900 geisterten diverse halb künstlerisch, halb naturwissenschaftlich inspirierte Welterklärungstheorien durchs Bildungsbürgertum. Zu den bekanntesten zählen die «Kunstformen der Natur» des Zoologen Ernst Haeckel.

Baum zu Baum, Mensch zu Mensch

Hodler machte sich das von ihm entdeckte Prinzip des Parallelismus zu eigen und wandte es in all seinen Gemälden an. Das will die vom Musée Rath in Genf und dem Kunstmuseum Bern gemeinsam aufgegleiste Schau zeigen.

Also wurden die Gemälde nach bestimmten gestalterischen Prinzipien sortiert: alle Baumgruppen zusammen, alle Thuner- und Genfersee-Ansichten zusammen, alle stehenden Menschengruppen, alle liegenden.

Das Ergebnis ist eine sehenswerte Ausstellung. Überwältigend anders als andere Hodler-Retrospektiven ist sie allerdings nicht.

Berühmte Bilder

Rund 100 Gemälde versammelt die Ausstellung. Es ist alles dabei, was man von einer Hodler-Schau erwartet: Landschaften, Porträts, Selbstbildnisse und symbolistische Figurengruppen. Darunter Highlights wie «Die Nacht».

Ferdinand Hodler: Die Nacht (1889/90)
Legende: Ausschnitt aus Ferdinand Hodler: Die Nacht (1889/90) Ein Verweis auf Hodlers Angst vor dem Tod? © Kunstmuseum Bern

Das 1889/90 gemalte Bild gilt als eines der Schlüsselwerke des Malers und machte ihn berühmt. Das Gemälde ist Teil der Sammlung des Kunstmuseums Bern und wird praktisch nie auf Reisen geschickt. Für das Genfer Publikum ist diese Leihgabe also eine echte Sensation.

Das Bild zeigt eine Gruppe Schlafender, in der Mitte einen Mann mit Hodlers Zügen, der von einem dunklen Wesen geweckt wird. Das wird meist als Symbol für Hodlers Todesangst gedeutet. Und ja, auch hier findet sich der Parallelismus: In Form der gleichmässig angeordneten, liegenden Figuren.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur aktuell, 19.4.18, 17.10 Uhr

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