Ai Weiwei: Eindrückliches Musikvideo zu seiner Gefangenschaft

Gefesselt und gedemütigt: Ai Weiwei verarbeitet seine Zeit im Gefängnis in einem Musikvideo mit unmissverständlicher Bildsprache. Er will damit das Sicherheitssystem Chinas vorführen und hofft auf Veränderungen.

Porträtaufnahme von Ai Weiwei aus dem Jahr 2009.

Bildlegende: Unermüdlich provokant: Der chinesische Künstler Ai Weiwei in einer Aufnahme aus dem Jahr 2009. Keystone

Ai Weiwei ist ein Künstler, der sich nicht auf eine Disziplin beschränkt: Er ist Architekt, Bildhauer und Fotograf, er ist aber auch Blogger, Twitterer, Konzeptkünstler. Und immer wird seine künstlerische Äusserung auch zu einer politischen.

In seinen Arbeiten setzt er sich unermüdlich mit China und der chinesischen Regierung auseinander, zum Beispiel in seiner Fotoserie «Perspektivstudien»: Bilder von Wahrzeichen oder Sehenswürdigkeiten, postkartenartig, aber man sieht nicht nur diese Wahrzeichen, sondern davor auch seinen ausgestreckten Mittelfinger –  beispielsweise auf die Chinesische Botschaft in Deutschland zeigend.

Neu auch Heavy Metal-Musiker

Ai Weiwei gehört zu den prominentesten Dissidenten seiner Heimat. Wenn von ihm die Rede ist, redet man vor allem über seine Probleme mit der chinesischen Regierung. Im Jahr 2011 hatte Ai unter internationalen Protesten 81 Tage in Gefangenschaft verbracht, vorgeworfen wurden ihm Steuervergehen.

Darüber berichtet er nun auch als Heavy Metal Musiker. Er verarbeitet seine Zeit in Gefangenschaft in einem Musikvideo: Zum Song «Dumbass» («Blödmann») zeigt sich der 55-Jährige gefesselt und von Polizisten bedrängt. Zu Beginn des Videos trägt er einen Sack über dem Kopf mit der  Aufschrift «Verdächtiger». Dann wird der Künstler in einer Zelle gezeigt, beim Duschen, beim Verhör und beim Essen. Am Ende des Videos wird Ai Weiwei mit rasiertem Kopf und Bart gefilmt.

Video «Ai Weiwei mit Musikclip gegen die Staatsmacht (Ausschnitt).» abspielen

Ai Weiwei mit Musikclip gegen die Staatsmacht (Ausschnitt).

0:19 min, vom 22.5.2013

Für Urs Stahel, den Direktor des Fotomuseums Winterthur, ist in der Bildsprache des Videos klar zu erkennen, wie der Gefängnisaufenthalt für Ai Weiwei gewesen sein muss: «Er wurde in einem kleinen Zimmer so eng bewacht, dass er 24 Stunden und 80 Tage lang von zwei Personen angeschaut wurde. Das heisst, wenn er im Bett lag, standen die beiden links und rechts neben ihm und haben ihn die ganze Nacht beobachtet. Ebenso brannte die ganze Nacht eine Lampe. Wenn er gehen wollte, sind die beiden Bewachenden links und rechts neben ihm mitgegangen.» Das Video zeige auch, wie er anfange zu phantasieren und wie es ihm zuviel werde.

Ai Weiwei ist auch seit seiner Verhaftung in einer schwierigen Situation. Er wird im Hausarrest festgehalten und darf Peking nicht verlassen, obwohl er weltweit immer noch als Künstler tätig ist.

Gemäss seiner Aussage will Ai Weiwei mit dem Video einige Dinge zum Ausdruck bringen: «Den Wert der Menschen, die Beziehungen zwischen Individuen und Macht sowie die Möglichkeit der freien Meinungsäusserung.» Musik sei ein gutes Mittel, um sich auszudrücken. «China verändert sich, aber es ist noch nicht klar, in welche Richtung.» Die Single «Dumbass» ist ein Vorgeschmack zu Ais Debütalbum «The Divine Comedy», das am 22. Juni erscheinen soll.