«Blick in die Feuilletons»: Kunst ausgestellt und als heisse Ware

«Venezianisch schön in eine bessere Zukunft» will heute die Frankfurter Allgemeine Zeitung und stellt das neue Kunstmuseum nach venezianischem Vorbild in Ravensburg vor. Um Kunst geht es heute auch in der Neuen Zürcher Zeitung, allerdings um gestohlene.

Fassade des neuen Kunstmuseums in Ravensburg.

Bildlegende: Das weltweit erste Museum als Passivhaus vom Stuttgarter Architekturbüro Lederer+Ragnarsdóttir+Oei. Roland Halbe

In Ravensburg gibt es ein neues Kunstmuseum, das es der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sehr angetan hat und in dessen Aussenwänden und Konturen sie das Vorbild der venezianischen Accademia wiedererkennt. Überhaupt sei die freie Reichs- und Kaufmanns- und heutige Kreisstadt Ravensburg eine der reichsten Regionen Oberschwabens und im Bodenseeraum, eine «Wohlfühlregion» in der Republik Deutschland, schreibt die FAZ.

Das neue Kunstmuseum nun, ein Deal zwischen einem Sammler, welcher ein Forum suchte, und der «ehrgeizige(n), auf publikumswirksame Institutionen bedachte(n)» Stadt, lobt die Zeitung über den grünen Klee. «Keine brutale Beton-, Glas- und Flachdachorgie» sei das, wie man sie allerorten antreffe, sondern ein «diskreter, introvertierter Bestandteil der gewachsenen urbanen Strukturen». Ausserdem ökonomisch und ökologisch vorbildlich: das erste weltweit zertifizierte Museum in Passivhaus-Bauweise.

Kunstdiebstähle in der Schweiz

Die NZZ hat Philippe Morel getroffen, den Kunstsachbearbeiter im Zürcher Polizeikorps und sich mit ihm über Kunstraub unterhalten. Der Kanton Zürich war in den letzten Jahren mehrmals Schauplatz spektakulärer Kunstdiebstähle. Die Kriminellen hätten es aber meist nicht auf Museen und Galerien abgesehen, sagt der oberste Zürcher Kunstpolizist, sondern auf Privathaushalte. Denn bekannte Werke sind auf dem Kunstmarkt wertlos, sie lassen sich nicht verkaufen, weil man ihre Provenienz sofort feststellen kann. Dies bestätigt in der NZZ auch ein Kunstversicherer und fügt an: Das Diebesgut lasse sich allenfalls zwischen Banden austauschen, etwa gegen Drogen oder Waffen.

Auch Lösegeldforderungen sind ein Motiv, das offiziell allerdings meist bestritten wird. Aber auch simpler Machismo spiele eine Rolle und der Reiz des aufsehenerregenden Coups. Meist allerdings, so schliesst die NZZ, überlegten die Diebe zunächst gar nicht, wie sie die heisse Ware später wieder loswerden wollen.

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