Colmar hat sein Glanzstück wieder

Das Unterlinden-Museum im französischen Colmar wird renoviert und erweitert. Am Wochenende wurde der erste Teil eröffnet. Ein Neubau von Herzog & de Meuron gibt nun der Moderne mit Picasso und Monet gebührend Platz. Glanzstück bleibt aber der Isenheimer Altar von Matthias Grünewald.

Ein Gemälde, das den gekreuzigten Jesus zeigt.

Bildlegende: Das Herzstück des Museums: der weltberühmte Isenheimer Altar von Matthias Grünewald. Musée Unterlinden / Ruedi Walti

Am Wochenende wurde ein erster Teil des neuen Unterlinden-Museums in Colmar eröffnet. Nach zehnjähriger Planung und mehrjähriger Bauzeit erstrahlt der mittelalterliche Klostertrakt des Museums in neuem Glanz. Jetzt ist dort wieder der weltberühmte Isenheimer Altar von Matthias Grünewald aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts zu bewundern. Er bildet zusammen mit den Altarbildern des oberrheinischen Künstlers Martin Schongauer die Hauptattraktion des Elsässer Museums.

Blick auf das Museum.

Bildlegende: Frisch renoviert und erweitert: das Museum Unterlinden. Musée Unterlinden / Ruedi Walti

Ein Rekordmuseum

Mit über 200'000 Gästen jährlich ist Unterlinden eines der meist besuchten Museen Frankreichs. Chefkuratorin Pantxika de Paepe rechnet jetzt mit noch höheren Besucherzahlen – mit 360'000 Menschen pro Jahr.

Dies wäre ganz im Interesse von Stadt und Staat. Colmar, das Departement und der französische Staat gaben den Löwenanteil der 40 Millionen Euro, die Um- und Neubau kosteten.

Ein Guckkasten soll locken

Wer durch Colmars Innenstadt schlendert, stösst jetzt auf ein dunkles Häuschen mit spitzem Dach. Es lässt Passanten neugierig näher treten und durch Schaufenster hinunter auf Gemälde blicken. Diese hängen im unterirdischen Verbindungstrakt zwischen dem alten gotischen Museumsteil und den neuen Gebäuden.

Neu ist das umgebaute städtische Bad von 1906, die «Piscine». Daran anschliessend steht der Neubau von Herzog & de Meuron. Seine spitz zulaufenden Fenstergiebel erinnern wieder an den gotischen Altbau gegenüber.

Mittelalter und Moderne architektonisch verbunden

Architektur und Ausstellungskonzept harmonieren. Mittelalter und Moderne sollen verbunden sein. Beide kommen jetzt erst so richtig zur Geltung. Die Renovierung des alten Trakts brachte alte Holzdecken, teils mit Blümchenbemalung zum Vorschein. Und: Die Architekten legten die zugemauerten Klosterfenster frei, sodass jetzt viel Licht ins Innere des ehemaligen Kreuzgangs dringt.

Eine Skulptur und Bilder in einem Ausstellungsraum.

Bildlegende: Im neuen Gebäude «Ackerhof» wird moderne Kunst gezeigt. Musée Unterlinden / Ruedi Walti

Profitiert hat auch die Colmarer Sammlung klassischer Moderne. Sie habe früher zu wenig Ausstellungsplatz gehabt, klagt Chefkuratorin de Paepe. Das häufige Herausnehmen und wieder Versorgen im Depot habe die Bilder von Picasso, Monet oder Dubuffet zudem strapaziert. Jetzt darf etwa der weltbekannte Teppich «Guernica», entworfen von Picasso, in perfekten Luft- und Lichtverhältnissen hängen bleiben.

Geduld lohnt sich

Die Neueröffnung findet etappenweise statt. So ist der wichtigste Teil des Neubaus, der Dachstuhl, derzeit noch gar nicht «bespielt».

Daher unser Tipp: Falls Sie sich gedulden können, dann warten Sie mit ihrer Reise nach Colmar noch bis zum Oktober 2016. Dann eröffnet im fixfertigen Neubau die Schau «Otto Dix und der Isenheimer Altar». Sie scheint genau das zu versprechen, was das neue Unterlinden-Museum anstrebt: einen Dialog der mittelalterlichen mit den modernen Meistern.

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