Der Fotograf, für den die Monroe in die Luft sprang

Eine Staffelei, ein Künstler, ein Stuhl, drei Katzen und ein Eimer Wasser. Das alles lässt der Fotograf Philippe Halsman für das perfekte Bild 26 Mal durch ein Zimmer werfen. Seinem Ideenreichtum und den daraus resultierenden Bildern widmet das Musée de l'Elysée in Lausanne eine Ausstellung.

«Étonnez-moi!», der Name der Ausstellung im Musée de l’Elysée verspricht einiges an Überraschung. Der Ausspruch stammt von Sergei Diaghilev, dem Gründer des Russischen Balletts, als er vom jungen Jean Cocteau gefragt wurde, was er tun müsse, um für ihn arbeiten zu dürfe. «Étonnez-moi!», «Überraschen Sie mich!», soll dieser gesagt haben.

«Diese beiden Worte können als eine Art Motto betrachtet werden, ein Slogan für die Entwicklung der modernen Kunst», fand Philippe Halsman, als er von der Geschichte hörte. Die Überraschung ist ein wiederkehrendes Moment in seiner Arbeit als Fotograf. Er hegte immer den Anspruch, die Grenzen des Mediums Fotografie aufzuweichen und Bilder sichtbar zu machen, die es eigentlich nur in der Phantasie gibt.

Halsman und Dalí – ein wahnsinniges Paar

Vor allem in der Zusammenarbeit mit dem surrealistischen Künstler Salvador Dalí konnte Halsman seiner Vorstellungskraft freien Lauf lassen. Gemeinsam schaffen sie Bilder, die eher an Filmstills erinnern, Bilder, in denen Dinge durch den Raum fliegen oder Dalís Kopf körperlos aus einer Tischplatte ragt. Dalí greift in Halsmans Fotos ein, indem er Dinge aufmalt. Halsman wirkt als Regisseur, baut Szenen nach Dalís Gemälden. So zum Beispiel beim berühmten Foto «Dalí Atomicus» von 1948, das von Dalís Werk «Leda Atomica» inspiriert ist.

Minutiös inszenieren die beiden Momente und Ausdrücke, wobei Dalís theatralisches Wesen wunderbar mit Halsmans beeindruckendem Erfindungsreichtum korrespondiert. «Jedes Mal, wenn ich einen markanten oder berühmten Protagonisten für meine wahnsinnigen Ideen brauchte, hat Dalí grosszügig akzeptiert. Und jedes Mal, wenn Dalí sich eine Fotografie ausdachte, die so bizarr war, dass sie unmöglich schien, versuchte ich eine Lösung zu finden», erzählt Halsman über ihre fruchtbare Zusammenarbeit, die 37 Jahre lang andauerte.

Monroe und Nixon sprangen für Halsman

Halsman, geboren 1906 in Riga, begann seine Karriere in Paris in den 1930er-Jahren. Zehn Jahre später wanderte er mit seiner Familie nach New York aus. Dort stieg er zu einem der erfolgreichsten amerikanischen Fotokünstler auf. Halsman wurde vor allem bekannt für seine Porträts von Filmstars, Politikern und Künstlern.

Vor allem seine «Jump-Bilder» gehören heute zu den bekanntesten Aufnahmen des letzten Jahrhunderts. Marilyn Monroe, Grace Kelly, Richard Nixon, sie alle sprangen auf vor Halsmans Kamera. Er war überzeugt, dass die «Jumpology», wie er sie nannte, in der Lage sei, etwas über den Charakter der Springenden auszusagen.

Wirken die Bilder für uns heute heiter und leicht, für Halsman stellten sie auch ein neues, wissenschaftliches Mittel der Psychologie dar. Denn im Moment des Aufspringens ist der Porträtierte nur auf den Sprung konzentriert, er vergisst zu posieren, sein Image zu kontrollieren.

Als Halsman 1954 Marilyn Monroe vor der Linse hat und ihr das Konzept seines Projekts erklärt, weigert sie sich mitzumachen, aus Angst, aus ihrer Rolle zu fallen. Erst fünf Jahre später springt auch sie vor Halsmans Kamera, dann gleich über 200 Mal.

Der Weihnachtsmann mit der Pistole

Die Ausstellung in Lausanne zeigt viele Fotos aus dem privaten Archiv der Familie Halsman. Fotos, die Halsman aussortierte, Fotos von Filmsets, Collagen, Fotomontagen. Und: Wir bekommen die Grusskarten zu sehen, die die Familie Halsman jedes Jahr verschickte.

Darauf sehen wir zum Beispiel eine in die Ecke gedrängte Familie Halsman, von hinten, Pistole in der Hand, den Weihnachtsmann. Darunter steht: «Merry Christmas and sorry for the delay. We were held back by Santa».