Grand Prix Kunst 2017 Kunst, die keine Grenzen kennt: Das sind die Gewinner

Das Bundesamt für Kultur zeichnet zum 17. Mal herausragende Schweizer Kulturschaffende aus. Die Gewinner: Daniela Keiser, Peter Märkli und Philip Ursprung.

Der Schweizer Grand Prix Kunst / Prix Meret Oppenheim wird seit 2001 auf Empfehlung der Eidgenössischen Kunstkommission an Persönlichkeiten der Kunst, Kunstvermittlung und Architektur verliehen, deren Arbeit von besonderer Aktualität und Relevanz für die Schweizerische Kunst- und Architekturpraxis ist. Die Auszeichnungen sind mit je 40'000 Schweizer Franken dotiert.

Konzept- und Installationskünstlerin Daniela Keiser

Porträt von Daniela Keiser.

Bildlegende: Mag's gerne in Wort und Bild: Installations- und Konzeptkünstlerin Daniela Keiser. Katalin Déer / BAK, 2017

Werdegang: Daniela Keiser (geboren 1963 in Neuhausen, lebt in Zürich) arbeitet als Konzept- und Installationskünstlerin mit Fotografie und Sprache, die sie in unterschiedlichen Ausstellungs- und Präsentationsformate übersetzt.

Nach ihrem Studium an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel sowie an der Hochschule der Künste Zürich lehrt sie seit 2008 an der Hochschule der Künste Bern.

Reizt in ihrem Werk gerne die Wahrnehmungsgrenzen der Betrachter aus. (Werktitel: «Out of the Blue» Daniela Keiser / Foto: Daniela Keiser

Werk: Ihr Werk ist in diversen öffentlichen Sammlungen vertreten – im Fotomuseum Winterthur, im Museum für Gegenwartskunst Basel und in der Schweizerischen Nationalbibliothek.

Blick auf «Out of the Blue».

Bildlegende: Reizt in ihrem Werk gerne die Wahrnehmungsgrenzen der Betrachter aus. (Werktitel: «Out of the Blue» Daniela Keiser / Foto: Daniela Keiser

Gerade hat die Künstlerin unter dem Titel «In and Out of Translation» eine Zusammenkunft von Übersetzern initiiert. Verschiedene über Jahre entstandene Textarbeiten werden aus der Sicht ihrer Übersetzerinnen und Übersetzer diskutiert und in einer Publikation zusammengefasst.

Neben dem Wort nimmt das fotografische Bild einen entscheidenden Platz in ihrem künstlerischen Werk ein. In meist umfangreichen Installationen, Gruppen und Serien reizt Daniela Keiser dabei die Wahrnehmungsgrenzen der Betrachter und Betrachterinnen aus.

Architekt Peter Märkli

Peter Märkli im Porträt.

Bildlegende: Sein Spektrum an Gebäuden ist breit: Architekt Peter Märkli. Katalin Déer / BAK, 2017

Werdegang: Peter Märkli (geboren 1953 in Zürich, lebt in Zürich) ist einer der prägenden Architekten unserer Zeit. Seine Architektur, seine Zeichnungen wie auch seine Lehre erfahren vor allem in der jüngeren Generation hohe Anerkennung und international eine besondere Wertschätzung.

Während seines Architekturstudiums an der ETH Zürich entwarf er bereits erste Neubauten in Zusammenarbeit mit Gody Kühnis. Seit 1978 betreibt er sein eigenes Atelier und fertigt seitdem kleine Zeichnungen an.

Von 2002 bis 2015 war er Professor für Entwurf an der ETH Zürich. Er hielt Vorträge und präsentierte Ausstellungen – in Moskau, London, Tokio oder Neu-Delhi sowie auf der Architekturbiennale in Venedig.

Werk: 1992 baute er in Zusammenarbeit mit Stefan Bellwalder das Museum für Reliefs und Halbfiguren von Hans Josephsohn in La Congiunta in Giornico. Dank ihm wurde er weltbekannt.

Blick auf La Congiunta.

Bildlegende: La Congiunta: Mit diesem Haus wurde Peter Märkli weltberühmt. Heinrich Helfenstein

Für das breite Spektrum des eigenen Werkes zeugen unter anderem das Synthes-Gebäude in Solothurn, das Projekt für ein Versicherungsgebäude am Mythenquai, die Genossenschaftssiedlung Im Gut, das Apartmenthaus an der Hohlstrasse oder die Hotelfachschule am Belvoirpark, alle in Zürich, sowie das Visitors Center oder das Picasso-Haus in Basel.

Peter Märklis Verständnis des Architektenberufs folgt dem einer Baukunst, die immer geschichtlich wie gesellschaftlich eingebunden ist – aber auch gegenwärtig und in Teilen auch unabhängig sein muss. Eigen zu bleiben, gut und ausdrucksstark zu bauen, dabei der Architektur wie dem Leben so manche Antwort zu entlocken auf einfache wie besondere, aber nie aussergewöhnliche oder modische Fragen – das war sein Antrieb und ist er bis heute.

Autor und Kurator Philip Ursprung

Porträt von Philip Ursprung.

Bildlegende: Vermittelt eine Sensibilität für unscharfe Grenzzonen: Philip Ursprung. Katalin Déer / BAK, 2017

Werdegang: Grenzen suchen, abtasten und überschreiten: Philip Ursprung (geboren 1963 in Baltimore, lebt in Zürich) forscht sowohl innerhalb der eigenen Disziplin als auch über die Disziplinen hinweg. Mit der Übertragung von Begriffen und Konzepten und experimentelle Untersuchungsmethoden erweitert er innerhalb der Forschung den theoretischen Diskurs.

Das Studium der Kunstgeschichte, allgemeine Geschichte und Germanistik absolvierte er in Genf, Wien und Berlin. Er wurde 1993 an der Freien Universität Berlin promoviert und habilitierte sich 1999 an der ETH Zürich.

Danach unterrichtete er unter anderem an der Hochschule der Künste Berlin, der ETH Zürich, der Columbia University New York, der Universität Zürich und am Barcelona Institute of Architecture. Seit 2011 ist er Professor für Kunst- und Architekturgeschichte an der ETH Zürich.

Seit 2015 leitet er das Forschungsprojekt «Tourism and Cultural Heritage: A Case Study on the Explorer Franz Junghuhn» am Future Cities Laboratory des Singapore-ETH Centre.

Werk: Er hat in den 1990er-Jahren mit Hedy Graber Ausstellungen in der Kunsthalle Palazzo in Liestal kuratiert und war Gastkurator am Museum für Gegenwartskunst in Basel und am Canadian Center for Architecture in Montreal.

Er ist Herausgeber und Autor zahlreicher Buchpublikationen, unter anderem über die Architekturbüros Herzog & de Meuron und Caruso St John sowie über die von Grenzen der Kunst am Beispiel von Allan Kaprow und das Happening oder Robert Smithson und die Land Art.

Ausstellungsansicht Herzog & de Meuron: «Archaeology of the Mind», 2002.

Bildlegende: Ausstellungsansicht: Herzog & de Meuron: «Archaeology of the Mind», 2002. Canadian Centre for Architecture

In seinen vielfältigen Funktionen und mit den unterschiedlichen Formaten vermittelt er eine Sensibilität für jene unscharfen Grenzzonen, in denen erstarrte Definitionen versagen, vitale Kräfte in Bewegung sind und unerwartete Verbindungen entstehen – wodurch sich neue intellektuelle und gestalterische Freiheiten eröffnen.

Sendung: Radio SRF 1, Nachrichten, 02.05.2017, 12.30 Uhr.