Neuer Fälscherskandal um alte Meister

Seit Frühling 2016 ermitteln französische Behörden in einem Fälschungsskandal. Nun stellte sich heraus, dass ein Porträt, das von Sotheby’s als Frans Hals verkauft wurde, eine Fälschung ist. Mehr als ein kleiner Zwischenfall: Es handelt sich vermutlich um einen Fälschungsskandal grösseren Umfangs.

Ein Porträt von Maler Frans Hals.

Bildlegende: 2011 zahlte ein Amerikaner für dieses Frans-Hals-Porträt zehn Millionen Dollar. Jetzt wurde es als Fälschung entlarvt. Sotheby's

Kühl fokussiert ein Herr mit einem schmalen Oberlippenbart und einem üppigen weissen Kragen seine Betrachter; fast so, als überrasche ihn der ganze Wirbel um das Bild, auf dem er zu sehen ist, überhaupt nicht.

Aber von Anfang an: Für zehn Millionen Dollar verkaufte Sotheby's dieses angeblich vom Niederländer Frans Hals gemalte Porträt 2011 an einen amerikanischen Sammler. Nun gab Sotheby's bekannt, dass der Kaufpreis zurückerstattet wurde, weil sich das Bild nach einer technischen Untersuchung als eine sehr gute Fälschung herausstellte.

Das Pikante

Das Porträt wurde von prominenten Experten aus den Niederlanden und aus dem Louvre-Team begutachtet und als echter Hals beurteilt. Stellt sich also die Frage: Sind Kunsthistoriker, die zu Frans Hals publiziert haben, auch automatisch fähig, echte von falschen Bildern zu unterscheiden? Und reicht diese Art von Untersuchung?

Sie reicht offenbar nicht. Insbesondere, wenn die Herkunft des Bildes unklar ist. Der gefälschte Frans Hals gehört zu einer ganzen Gruppe verdächtiger Bilder alter Meister.

Entdeckt vom gleichen Sammler

Alle der verdächtigen Bilder waren unbekannt, bis sie plötzlich auf dem Markt auftauchten. Die «Venus» von Lucas Cranach d. Ae., die 2013 für sieben Millionen Euro in der Sammlung des Fürsten von Liechtenstein landete, wird seit diesem Frühling in Frankreich untersucht, von weiteren angeblichen Fälschungen wird gemunkelt: ein Velasquez, ein Parmigianino und ein Gentileschi werden genannt.

«Venus» von Renaissancemaler Lucas Cranach.

Bildlegende: «Venus» von Renaissancemaler Lucas Cranach. Creative Commons

Angeblich waren alle bisher falsch zugeschrieben worden. Und entdeckt hatte sie alle ein gewisser Giulano Ruffini, der sie auf den Kunstmarkt brachte.

Analyse im Labor

Nicolas Galley, der an der Universität Zürich den Studiengang Kunstmarkt leitet, spricht von deutlichen Alarmsignalen: «Man kannte nicht nur die Bilder nicht, man kannte auch Herr Ruffini nicht. Das ist kein Verkäufer mit einer altehrwürdigen Familiensammlung im Rücken.»

In solchen unklaren Fällen der Provenienz empfehle sich unbedingt eine technische Analyse der Bilder im Labor. Bloss sind solche Laboranalysen teuer und sie dauern. Nicht immer ist auf dem Kunstmarkt die nötige Geduld vorhanden.

Erst die zweite Untersuchung brachte Gewissheit

Trotzdem: Im Fall des gefälschten Porträts gab es eine Laboranalyse, bloss kam sie zum Schluss, der Hals sei echt. Erst die zweite gründlichere Untersuchung, die Sotheby's veranlasste, hat erwiesen, dass Grundierung und Farbe synthetische Materialien aufweisen, die erst seit dem 20. Jahrhundert in Gebrauch sind.

Alle hoffen auf Echtheit

Es gibt also keine hundertprozentige Sicherheit. Eine Laboruntersuchung kann ebenso falsch sein wie die Expertise eines Kunsthistorikers. Umso mehr als grundsätzlich alle Beteiligten des Prozesses hoffen, dass das Bild echt sei.

Eine der Analysen nach dem Beltracchi-Fälschungsskandal spitzte diese Einsicht zu: Es sei kein Wunder, dass alle Beteiligten an die Echtheit der Beltracchi-Bilder geglaubt hätten, schliesslich hätten alle profitiert.

Nicolas Galley hält dagegen: Es sei kurzsichtig anzunehmen, dass alle Beteiligten profitieren. «Wenn sich das angebliche Original als Fälschung herausstellt, werden Karrieren ruiniert. Der Kunstmarkt leidet; die betroffenen Händler und Experten erleiden einen immensen Reputationsverlust.»

Teure Affäre

Mit Spannung werden nun die Ergebnisse der Untersuchung von Cranachs «Venus» erwartet. Die «Daily Mail» bezifferte unterdessen bereits den Schaden der Affäre Ruffini auf 200 Millionen Pfund.

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