Peter Greenaway lässt den Totentanz auferstehen

Seit dem frühen 15. Jahrhundert gibt es den Totentanz. Die Botschaft der Kunstwerke ist stets die gleiche: Jeder muss sterben. In Basel hat der Regisseur und Künstler Peter Greenaway nun eine Neuinterpretation des heimischen Totentanzes gewagt und ihn für das zeitgenössische Medium Film adaptiert.

Peter Greenway sitzt vor einer seiner Projektionen, auf denen ein tanzendes Skelett erscheint.

Bildlegende: Peter Greenaway sieht dem Tod gelassen entgegen: «Ich habe mehr Vergangenheit als Zukunft.» Martin Töngi

Der Basler Totentanz wurde um 1440 auf die Friedhofsmauer der Predigerkirche im Zentrum der Stadt gemalt. 37 Bildsequenzen zeigten ein Skelett, das eine Person nach der anderen zum Tanz auffordert: Den Papst, den König, die Dame, den Bauer, sogar die Kinder wurden nicht verschont.

Peter Greenaway erweckt dieses Gemälde als Filminstallation wieder zum Leben. Auf 18 Projektionsflächen in Form von Grabmälern zeigt er den Film «Der Tanz mit dem Tod».

Der Tod – gierig und verführerisch

Die Art und Weise wie Peter Greenaway den Tod inszeniert ist typisch für das «enfant terrible» des britischen Films: Es ist eine drastische und bildgewaltige Darstellung. Der Tod wird als gieriges, lüsternes und brutales Skelett gezeigt, das sich auf Menschen unterschiedlicher Gruppen oder Stände stürzt.

Gleichzeitig aber wiegt er sich verführerisch und elegant zu klassischer Musik. Er schlägt seine Trommel mit Knochenstäben und spielt eine Fiedel, deren Saiten aus Därmen der Verstorbenen gefertigt sind.

Greenaway will die makabren Darstellungen von damals – das Basler Wandbild wurde 1805 abgerissen – in die Gegenwart zurückholen. «We are walking on history here», sagt der Regisseur über das Areal der Basler Predigerkirche, wo früher vor allem wohlhabende Basler Bürger begraben wurden.

Heute ist nur noch ein Stück Rasen übrig. Greenaway hat für seine Installation die Friedhofsmauer nachgebaut, sowie die 18 Grabsteine, die als Projektionsfläche dienen.

Warum so lange leben?

Die Vergegenwärtigung des drohenden Todes ist damals wie heute aktuell, findet Matthias Buschle vom Verein «Totentanz». Der Verein hat die Neuinterpretation des Basler Denkmals angestossen. «Viele Leute verdrängen, dass der Tod auch sie selbst betrifft», so der Kulturwissenschaftler Buschle.

Peter Greenaway selbst hingegen schaut dem eigenen Ende gelassen entgegen. «Ich habe mehr Vergangenheit als Zukunft», so der 71-Jährige. Er sehe sein Kunstwerk als Kampfansage und wolle damit zeigen, dass er keine Angst hat vor dem Tod. «Es gibt sieben Milliarden von uns. Warum auf Langlebigkeit bestehen? Tanzen wir doch hinter dem Tod her. Wir könnten begleitet von Trommeln und Fiedeln dahinziehen. Im Leben haben wenige so eine Begleitung.»

Der Totentanz 2013

Die Installation ist zu sehen vom 1. bis zum 30. November 2013, täglich bis 22 Uhr, im Freien am Totentanz und in der Predigerkirche Basel. Ergänzt wird die multimediale Filminstallation von Peter Greenaway durch Konzerte und Vorträge.

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