Pro Helvetia: Ruhe nach dem Sturm

Die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia präsentiert ihre Bilanz – und diese kann sich trotz der Turbulenzen im vergangenen Jahr sehen lassen: 2012 hat Pro Helvetia noch mehr Geld in die Kultur fliessen lassen und dabei die administrativen Kosten weiter gesenkt.

Drei Menschen liegen am Boden in einer Art überdimensionalen Rahmen.

Bildlegende: 2012 von Pro Helvetia gefördert: Theaterproduktion «Hans was Heiri» von Zimmermann & de Perrot. Keystone

Das Jahr 2012 war ein turbulentes Jahr für die Kulturstiftung Pro Helvetia. Mit dem Buch «Der Kulturinfarkt» löste der damalige Direktor Pius Knüsel im Frühjahr nicht nur in Kulturkreisen Herzrasen aus.

Dem nicht genug: Kurze Zeit später gab Knüsel bekannt, dass er seinen Direktoren-Posten im Herbst verlassen würde. Eine aufwändige Suche nach einem Nachfolger begann, bis im Oktober 2012 Andrew Holland als neuer Direktor feststand.

Inmitten diesem Wirbel hatte die Pro Helvetia viel zu tun: Am 1. Januar 2012 trat das neue Kulturfördergesetz in Kraft. Das bedeutete für die Stiftung viele neue Aufgaben – aber nicht genug Geld, etwa für die Nachwuchs-Förderung in der visuellen Kunst.

Administration weiter gestrafft

Trotz diesen Wirbelstürmen präsentiert Pro Helvetia nun einen Jahresbericht, der sich sehen lassen kann: Von den 34 Millionen Franken fliessen 2012 über 27 Millionen (80 Prozent) in die Kulturprojekte – das sind 8 Prozent mehr als 2011.

Ausserdem hat die Kulturstiftung die Administration nochmals gestrafft und auf 11,7 Prozent gedrückt. Damit steht die Kulturstiftung als veritables Mustermädchen da: der Bundesrat verlangt, dass die Administration höchstens 15 Prozent der Gelder verschlingen darf.

Neue Aufgaben gut angepackt

2012 hat Pro Helvetia auch mehr Gesuche erhalten. Die Stiftung aber hielt die Bewilligungsquote strikt tief – nicht einmal jedes zweite Gesuch kam in die Kränze. Damit macht Pro Helvetia deutlich: Die Giesskanne in der Kulturförderung ist zwar gut – es braucht aber eine Lenkung.

Auch sonst kann die Pro Helvetia Erfolge verbuchen. Sie packt die neuen Aufgaben, die sie mit dem Kulturfördergesetz erhalten hat, beherzt und zielorientiert an: An der Architektur-Biennale in Venedig hat sie nicht nur den Schweizer Pavillon bespielen lassen – sie hat die Biennale auch gleich genutzt, um in salonartigen Veranstaltungen intensiv über Architektur zu diskutieren. Die neuen Aufgaben, etwa die die Nachwuchsförderung in den visuellen Künsten, will man schrittweise umsetzen.

Digitale Kultur wird weiter gepflegt

Dafür werden 2013 rund 20 grössere Projekte lanciert, die talentierten Kunsthochschulabgängern beim Einstieg in nationale Netzwerke oder beim Sprung ins Ausland unterstützen sollen. Und eine Studie soll klären, wie die Schweizer Designförderung am wirksamsten ergänzt werden kann.

Nach drei Jahren wurde das Impulsprogramm «GameCulture», das sich dem Computerspiel als Kunstform widmete, abgeschlossen. Das Thema Computer verschwindet aber nicht: Die Auseinandersetzung zwischen Forschung, Wirtschaft und Kultur wird in den kommenden Jahren mit dem Schwerpunkt «Digitale Kultur» weiter vertieft, schreibt der neue Pro Helvetia-Direktor Andrew Holland im Jahresbericht.