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Historischer Bericht über Emil Bührle
Aus Rendez-vous vom 17.11.2020.
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Problematische Geschichte Studie deckt auf, wie Emil Bührle seine Kunstsammlung finanzierte

Nach Anlaufschwierigkeiten und Vorwürfen an die Verfasser ist die Studie um Kunstsammler Emil Bührle nun publiziert.

Das Zürcher Kunsthaus erhält mit den Bildern von Emil Bührle, die ab Herbst 2021 im Kunsthaus Zürich ausgestellt sein werden, eine Sammlung von Weltrang. Bedeutende Werke von Monet, Renoir und Cézanne sind darunter.

Doch wegen der Waffengeschäfte des Fabrikanten Bührle hängt ein Schatten über der Sammlung. Stadt und Kanton Zürich beschlossen, einen Forschungsbericht in Auftrag zu geben, der prüfen sollte, inwieweit Bührle seine Sammlung mit Geldern aus Nazi-Geschäften finanziert hat.

Wissenschaftliche Unabhängigkeit angezweifelt

Doch die Sache wurde kompliziert: Das Forscherteam um Matthieu Leimgruber, Geschichtsprofessor an der Universität Zürich, das den Bericht über Emil Bührle verfasste, wurde von einer Begleitgruppe betreut – was nicht gerade dem wissenschaftlichen Leitprinzip der Unabhängigkeit entspricht.

In dieser Gruppe sassen Vertreter der Stadt Zürich, der Stiftung Bührle und des Zürcher Kunsthauses, die den Forschenden wiederholt Änderungswünsche mitteilten. Konkret ging es etwa darum, wie sehr Bührle antisemitische Ansichten vertrat und wie nahe er den Deutschnationalen stand.

Mann sitzt zwischen Werken
Legende: Grosser Sammlung, grosse Skandale: Der Kunstsammler Emil Bührle. Kunsthaus Zürich

Zwei Gutachten brachten Klarheit

Wegen diverser Meinungsverschiedenheiten trat einer der Historiker aus Leimgrubers Forschungsteam aus. Nach diesem Eklat gab die Universität Zürich zwei externe Gutachten in Auftrag.

Eines Verfasste der emeritierte Geschichtsprofessor Jakob Tanner, der diese Einflussnahme für problematisch hält: «Es gibt in solchen Fällen ein Reputationsproblem, weil sich herumspricht, dass interveniert wurde. Die beiden Gutachten haben aber dafür gesorgt, dass man sich jetzt wirklich auf den Bericht in der vorliegenden Fassung verlassen kann.»

Zwangsarbeit und Waffengeschäfte

Nun zeigt der 200-seitige Bericht: Bührle profitierte von Zwangsarbeit während des Zweiten Weltkriegs. Ausserdem wird auch deutlich, wie eng verflochten Emil Bührle und das Kunsthaus sind. So hatte der Industrielle beispielsweise den ersten Erweiterungsbau in den 1950er-Jahren finanziert.

Auch die enge Verflechtung der Waffengeschäfte von Emil Bührle mit seiner Tätigkeit als Kunstsammler zeigt sich. Studienautor Matthieu Leimgruber: «Die Kunstsammlung dient als eine Art Umwandlung von Bührles Vermögen, das direkt aus den Kriegsgeschäften der 1940er-Jahre in kulturelles und auch soziales Kapital geflossen ist.»

Dank der Kunst im Kreise der High Society

Soziales und kulturelles Kapital anzuhäufen, das gelang Emil Bührle in den Nachkriegsjahren sehr gut, wie der Bericht zeigt. Bührle, erst als deutscher Neureicher gering geschätzt, fand Aufnahme in den Kreis der Zürcher High Society und wurde zur wichtigen Figur in der Stadt.

Er schaffte dies, weil er die Kunst grosszügig unterstützte und eine wichtige Kunstsammlung aufbaute. Finanziert durch seine Waffengeschäfte. Mit der Sammlung Bührle erhält das Zürcher Kunsthaus also Werke von Weltrang. Werke mit einer schwierigen Geschichte.

Deshalb soll der historische Kontext der Sammlung im Museum erklärt werden, wie die Zürcher Stadtpräsidentin Corinne Mauch heute sagte: «Die Museumsbesucher sollen spüren, dass Zürich verantwortungsvoll mit der Sammlung umgeht.»

SRF 4 News, Rendez-Vous, 17.11.2020, 12:30 Uhr;

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Lothar Drack  (spprSso)
    Ein sinn- und verantwortungsvoller Umgang wäre es gewesen, die Sammlung Bührle nach Örlikon zu platzieren, dahin, wo die Kanonen produziert wurden. Die neue Schuhschachtel am Pfauen ist eher peinlich, auch wenn von renommiertem Archtitekten aus GB. Übrigens machte Bührle aus Teilen seiner Sammlung nicht freiwillig eine Stiftung: Er hatte wegen Steuerbetrugs das Messer am Hals, die Stiftung war schlicht ein Verhandlungsresultat, darin war er natürlich besonders gut, der Kriegsgewinnler!
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    1. Antwort von Walter Beer  (Walter Beer)
      Sind wir nicht alle Kriegsgewinner?- Es ist immer einfach im nachhinein ein schlechtes Gewissen aufzuerlegen. Fazit ist doch, das Bührle und mit Ihm die Zulieferfirmen viel Menschen in den Kriegsjahren Arbeit verschafft haben ,eine Existenz gaben. Freuen wir uns doch das diese Kunst erhalten bliebt. Ps: Es gibt selten große Geschäfte die Kleen über die Bühne gehen.Irgend wo bleibt immer und überall etwas hängen. Suchen wir doch das Haar in der Suppe wo es wichtig ist jetzt und nicht erstMorgen
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  • Kommentar von Thomas Schmid  (Hand und Fuss)
    Wenn man sich die Bedingungen der Zwangsarbeit mal genau ansieht, erkennt man, dass es auch nach damaligen Moralvorstellungen verbrecherisch war. Zwar legalisiert von den Nazis, aber natürlich klar verwerflich. Länder überfallen, Zivilisten von dort verschleppen und bei Arbeit verhungern lassen.
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  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    @barrer genau da ist der Hund begraben weshalb die ganze Uebung gegen die Sammlung Buehrle
    resp den Mensch Buehrle?
    Was aendert es?
    Die Schweiz und Dir Schweizer Armee hat
    von dem vielen Buehrle Wissen viel profitiert
    Nun kommt eine Generation welche sich der Vorkommnisse schaemt.
    Es gibt leider keine
    heile Welt
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    1. Antwort von Lothar Drack  (spprSso)
      @König @Barrer, nur ein Beispiel von damals: Schon Emil Bührle war seine Reputation enorm wichtig, wollte Zugang zur High Society. Deshalb bot er viel Geld für den Ersatz der damals maroden Pfauenbühne (Schauspielhaus). Die Bühne hatte aber gewisse Wertvorstellungen: Auch wenn man das Geld gut hätte gebrauchen können, man lehnte sein Ansinnen ab mit den klaren Worten, dass man «kein Blutgeld nehme»! Das Kunsthaus war weniger wählerisch und liess sich dann gerne den Saalbau finanzieren.
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