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Ellinor Landmann: Einschätzungen Causa Bührle
Aus Kultur-Aktualität vom 16.11.2021.
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Provenienzforschung Der Streit um die Bührle-Sammlung: Das müssen Sie wissen

Lukas Gloor, Stiftungsdirektor der Bührle-Sammlung, droht, die Bilder aus dem Kunsthaus Zürich abzuziehen. Worum geht's?

Worum geht es in dem Streit? Seit Oktober hängen ca. 200 Bilder aus der Sammlung des Waffenproduzenten Emil Bührle im Neubau des Kunsthaus Zürich. Die Leihgabe steht schon länger in der Kritik. Dies, weil strittig ist, ob einzelne Bilder als erzwungene Verkäufe zu gelten haben. Daneben geht es auch um die Vermittlung des Kontexts ans Publikum.

Bührle hatte zahlreiche Werke während der NS-Zeit erworben. Damals waren jüdische Sammler teils gezwungen in Notlagen ihre Bilder zu verkaufen. Historikerinnen und Historiker der ehemaligen Bergier-Kommission hatten deshalb letzte Woche neue Untersuchungen gefordert. Kurze Zeit später hatte die Stadt Zürich angekündigt, die Forderungen unterstützen zu wollen.

Stiftungsdirektor Lukas Gloor kritisiert nun das Verhalten der Stadt im «Sonntags Blick». Zugleich äusserte er die Drohung, die Bilder aus dem Kunsthaus abzuziehen.

Was steckt hinter Gloors Drohung? Noch bis vor Kurzem hatte Zürich jede externe Überprüfung der Provenienzforschung als unnötig bezeichnet. Obwohl Gloor diese selbst geleistet hatte. Die Bührle-Stiftung und ihr Direktor scheinen über den plötzlichen Meinungsumschwung der Stadt wenig erfreut.

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Was führte bei der Stadt Zürich zu diesem Meinungswechsel? Massgeblich scheint zu sein, dass sich die Historikerinnen und Historiker der ehemaligen Bergier-Kommission eingeschaltet haben. Letzte Woche hatten diese eine externe Überprüfung der Provenienzforschung der Bührle-Stiftung gefordert. Ebenfalls extern überprüft werden müsse der Dokumentationsraums im Kunsthaus, der dem Publikum den ganzen kritischen Kontext vermitteln soll. Die Stadt Zürich folgt dieser Empfehlung.

Lukas Gloor droht mit dem Abzug der Sammlung aus dem Kunsthaus. Ist das überhaupt möglich? Der Inhalt der Leihverträge der Bührle-Bilder ist unbekannt. Bekannt ist lediglich, dass die Verträge auf 20 Jahre abgeschlossen wurden und regulär im Jahr 2034 auslaufen. Die Öffentlichkeit weiss nichts darüber, unter welchen Umständen welche Partei den Leihvertrag früher kündigen kann. Mehrere Vorstösse nach Offenlegung dieser Verträge wurden bisher abgelehnt. Obwohl die Zürcher Öffentlichkeit den Grossteil der Kosten trägt.

Wie hängt der Abgang von Stiftungsdirektor Lukas Gloor mit den neusten Entwicklungen zusammen? Der Abgang hat damit nichts zu tun, sondern ist regulär. Bereits Anfang Oktober teilte Lukas Gloor SRF in einem Interview mit, er scheide Ende Jahr als Stiftungsdirektor aus. Seine Aufgabe sei mit dem Transfer der Bührle-Bilder ins Kunsthaus erfüllt.

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Wie geht es weiter? Derzeit gibt es viele offene Fragen: Wer wird die externen Untersuchungen leisten? Wer bezahlen? Unklar ist auch, wie auf die dritte, hochbrisante Forderung der Historikerinnen und Historiker reagiert wird. Diese fordern eine Art Limbach-Kommission für die Schweiz, ein Gremium, das Empfehlungen in strittigen Restitutionsfragen ausspricht. Der Bund hält sich zu dem Thema auffallend bedeckt – nicht nur jetzt, sondern schon seit Jahren.

SRF 2 Kultur, 15.11.2021, 17:10 Uhr;

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