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Retrospektive in Basel Bruce Nauman provoziert mit Neonfarben

Er fasst grosse Fragen in visuell leicht zugängliche Werke: Eine Retrospektive beleuchtet das vielfältige Werk des US-Konzeptkünstlers.

Mit Neonröhren geformte Umrisse von Menschen an einer Wand
Legende: Ernüchternde Neon-Orgie: «Seven Figures» aus dem Jahr 1985. Keystone

Es ist eine in jeder Beziehung grosse Ausstellung: die Bruce-Nauman-Retrospektive im Schaulager in Münchenstein bei Basel. Die Auswahl der Werke ist umfangreich und vielfältig und gibt einen guten Einblick in das Schaffen des US-amerikanischen Altmeisters der konzeptuellen Kunst.

Seit 50 Jahren arbeitet Bruce Nauman an einem technisch breit gefächerten Werk, er zeichnet, arbeitet mit Videos, Objekten, mit Neonröhren und Hologrammen. Seine Formate sind oft raumfüllend, seine Themen zeitüberspannend: Was ist der Mensch? Wie verhält er sich im Raum? Was kann Kunst bewirken?

Porträt Bruce Nauman
Legende: Bruce Nauman fasst grosse Fragen in Werke, die visuell relativ leicht zugänglich sind. Keystone

Ein zentrales Motiv in Bruce Naumans Werk ist Bruce Nauman selbst. In zahlreichen Videoarbeiten sieht man den Künstler, wie er in seinem Atelier steht oder geht. Wie er den Raum um sich vermisst. Wie er sich selbst in diesem Raum verortet.

Begegnung mit dem Ich

In der «Corridor Installation» aus den 1970er-Jahren lädt Bruce Nauman das Publikum zu besonderen Raumerfahrungen ein. Die «Corridor Installation» besteht aus einem weissen Raum, der durch mehrere Zwischenwände in schmale Korridore unterteilt ist.

Einige sind so schmal, dass man sie nicht betreten kann. In andere kann man sich gerade noch hineinschieben. Folgt man dem engen Gang, begegnet man am Ende dem eigenen Bild auf einem Monitor.

Tierkadaver als Köder

Immer wieder gibt es Momente der Irritation in Naumans Werken. Er verarbeitet präparierte Tierkadaver zu Pyramiden. Aus Abgüssen von menschlichen Köpfen bastelt er Wasserspeier in Brunnen. Oder er filmt in Grossaufnahme, wie er sich die Hoden mit schwarzer Farbe beschmiert.

Irritation ist bei Nauman nicht Selbstzweck. Natürlich möchte er das Publikum ködern. Aber er will auch mehr. Er will existenzielle Fragen verhandeln. Wie nehme ich mich als Mensch wahr? Wie nehme ich Zeit wahr? Wie Raum? Und immer wieder: Was kann Kunst in dieser Welt bewirken?

Experimentierfreudiger Künstler

Bruce Nauman fasst grosse Fragen in Werke, die visuell relativ leicht zugänglich sind. 1941 in Fort Wayne in Indiana geboren, studierte er zunächst Mathematik, Musik und Physik, bevor er sich der Kunst zuwandte.

Wissensdrang und Experimentierfreude bestimmen auch sein künstlerisches Arbeiten, vor allem seinen Umgang mit ungewöhnlichen Materialien. In den späten 1960er-Jahren begann er mit farbigen Neonröhren zu arbeiten, einem Material aus der Werbung.

Ernüchternd statt erotisch

Eine seiner bekanntesten Arbeiten ist «Seven Figures» von 1985. Die Neonarbeit zeigt sieben schematische Figuren, die in grellen Farben aufleuchten und in verschiedenen Varianten miteinander kopulieren. Durch ihre Farbigkeit und die sexuelle Thematik wirkt die Arbeit grell und poppig.

Doch bei längerer Betrachtung zeigt sich, dass diese Neon-Orgie nicht erotisch, sondern eher ernüchternd ist. Die durch das Aufleuchten und Abdunkeln einzelner Neonröhren erzeugte Bewegung der Figuren wiederholt sich ständig. Die Suche nach Lust, Erfüllung, Glück endet in einem Hamsterrad.

Ausstellungshinweis

Ausstellungshinweis
Legende:Schaulager / Ruedi Walti

Die Ausstellung «Bruce Nauman: Disappearing Acts», Link öffnet in einem neuen Fenster im Schaulager in Münchenstein bei Basel ist bis am 26. August 2018 zu sehen.

Abwechslungsreicher Parcours

Kathy Halbreich und Heidi Naef inszenieren die Bruce Nauman Retrospektive im Schaulager als dichte, grob chronologisch geordnete Abfolge von offenen Sälen, kleinen Videokammern, riesigen Installationen und nüchtern gehängten Zeichnungen. Der abwechslungsreiche Parcours spiegelt die technische Vielfalt in Bruce Naumans Schaffen.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 15.03.2018, 17.10 Uhr

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Legende:Getty Images / Bildmontage

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