Valentin Carron malt Bilder zu Büchern, die Bilder zitieren

Mit dem Schweizer Pavillon sorgte Valentin Carron auf der Biennale von Venedig für Aufsehen. In Bern zeigt der Schweizer Senkrechtstarter jetzt keine Objekte, sondern Gemälde: Bilder, inspiriert von Buchumschlägen aus der Nachkriegszeit, die wiederum die Moderne zitieren.

Drei abstrakte Bilder an einer Museumswand.

Bildlegende: Buchumschläge aus der Nachkriegszeit dienten Valentin Carron als Inspiration für seine Gemälde. Kunsthalle Bern/Gunnar Meier

Valentin Carron provoziert gerne und mit Erfolg. Im vergangenen Jahr durfte der Künstler aus Martigny an der Biennale Venedig den Schweizer Pavillon bespielen. Dort zeigte er unter anderem eine elegante Eisenschlange, restaurierte Ciao-Mofas sowie Bronzeabgüsse von plattgedrückten Trompeten. Die Anregung zu den Instrumenten-Objekten stammt aus Gaststätten im Wallis. Dort sah er ähnlich unbrauchbare Trompeten als Wandschmuck. Aber auch die Werke der Nouveau Realistes wie Daniel Spörri klingen in diesen Objekten an.

In Bern präsentiert der 36-jährige Valentin Carron jetzt erstmals eine Ausstellung nur mit Malerei. Und auch hier zitiert er aus Kunstgeschichte und Alltagskultur.

Die Moderne auf dem Buchumschlag

Die grossformatigen Gemälde Carrons, sie erinnern auf diffuse Weise an moderne Klassiker von Malewitsch bis Picasso. Doch nicht bei den berühmten Kollegen aus der Kunstgeschichte hat Carron sich bedient, sondern in der Bücherkiste. Seit vielen Jahren sammelt er Bücher, die in den Nachkriegsjahren publiziert wurden. Und deren Umschläge oft mit Motiven gestaltet wurden, die deutlich an die Kunst der Moderne erinnern, ohne dabei bestimmte Künstler oder Werke zu zitieren.

Optimismus und Stillstand

Auf den Buchumschlägen der Nachkriegszeit verbreitet sich die Formensprache der Moderne weit über die Kunstwelt hinaus. Valentin Carron betrachtet dieses Phänomen mit gemischten Gefühlen. Einerseits blickt er mit einer gewissen Melancholie auf die ersten Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg, in denen das allgemeine Lebensgefühl von wirtschaftlichem Aufschwung und ungebrochenem Zukunftsoptimismus geprägt war.

Gemälde mit abstrakten, grünen und blauen Formen

Bildlegende: Seine Bilder malt Carron auf grosse Plastik-Blachen. Kunsthalle Bern/Gunnar Meier

Anderseits sieht er im kulturellen Leben jener Zeit einen grossen Stillstand: Die Buchumschläge sind für ihn Ausdruck einer ästhetischen Resignation. Die Gestalter der Umschläge griffen auf innovative Formen der Vorkriegszeit zurück, weil die Gegenwart keine echten Neuheiten zu bieten hatte.

Betont unbeholfen

Die Buchumschläge mit ihren Zitaten einer bereits vergangenen Moderne erinnern Carron an die aktuelle Situation in der Kunst. Auch in der Gegenwartskunst werde viel und ausgiebig zitiert, parodiert, paraphrasiert. Man beziehe sich auf Altes und Bekanntes, mal ironisch, mal wehmütig. So wie Valentin Carron, der die Kunstzitate auf den Buchumschlägen in seinen Gemälden zitiert und in den Kunstkosmos zurückholt.

Dabei bedient er sich betont unkünstlerischer Mittel. Er malt mit Siebdrucktinte auf PVC-Blachen. Die Farbe trocknet schnell, gestalterische Feinheiten lassen sich damit nicht erzielen. Die Bilder wirken grob. Jeder Pinselstrich ist sichtbar. Mit diesen betont unbeholfenen Bildern verweist Carron auf die Gestalter der Buchumschläge und ihre uninspirierten Kunst-Zitate.

Valentin Carron in Bern

Die Ausstellung «Valentin Carron – do ré mi fa sol la si do» ist bis 23. März in der Kunsthalle Bern zu sehen.