Warum Gurlitts Erbe schwer wiegt

Noch ist alles offen: Die Meldung der Sonntags-Zeitung, das Kunstmuseum Bern nehme Gurlitts Erbe an, dementierte das Berner Kunstmuseum umgehend. Fest steht: Zahlreiche Fragen hinsichtlich der Herkunft der Bilder sind noch ungeklärt. Und wenn Bern das Erbe ausschlägt, wird es richtig kompliziert.

Blick auf das Kunstmuseum Bern.

Bildlegende: Bis im November will sich das Kunstmuseum entscheiden. Reuters

Noch hat das Kunstmuseum Bern den Entscheid nicht gefällt, ob es die Kunstsammlung von Cornelius Gurlitt als Erbe annimmt oder nicht. Die Berner Institution will sich bis im November entscheiden. Bis dahin müssen zahlreiche Fragen geklärt werden.

Welche Werke sollen zurückgegeben werden?

So ist nach wie vor offen, bei wie vielen Werken sich der Verdacht auf Raubkunst bestätigt. Entschieden werden muss ferner, was mit Kunstwerken passiert, die im Nationalsozialismus zu untersetzten Preisen in Zwangsverkäufen auf den Markt kamen und in der Sammlung Gurlitt landeten. Sollen auch diese Kunstwerke zurückgeben werden?

Ein internationales Gremium von Provenienzforschern klärt derzeit als Task-Force «Schwabinger Kunstfund», welche Werke aus der Sammlung von Cornelius Gurlitt als Raubkunst zu gelten haben. Gurlitt sagte zu, diese Werke, die jüdischen Sammlern im Nationalsozialismus geraubt wurden, allfälligen Erben zurückgeben zu wollen.

Wer klärt die Provenienz?

Zu klären ist, ob das Kunstmuseum Bern die Task-Force weiterarbeiten lässt und ihre Entscheide übernimmt oder eine eigene Kommission von Provenienzforschern installiert. Wer die Kosten für die aufwendigen Recherchen übernehmen würde, ist ebenso unklar wie die Frage, wie das Kunstmuseum auf einen Schlag die nötige Anzahl an kompetenten Provenienzforschern rekrutieren würde.

Wenn Bern das Erbe ausschlägt, wird es richtig kompliziert. Dann wären Verwandte von Cornelius Gurlitt die Erben und die sind in der deutschen Rechtsprechung als Privatpersonen nicht verpflichtet, selbst identifizierte Raubkunst zurückzugeben. Stellt sich die Frage, ob sich Deutschland das, nach dem internationalen Aufsehen, den der Fall Gurlitt erregte, erlauben kann.

Die Gespräche sind noch nicht abgeschlossen

Aber bis jetzt handelt es sich dabei noch um eine theoretische Frage. Denn in einer Stellungnahme auf den Bericht der Sonntags-Zeitung vom 12. Oktober 2014 bestätigt das Kunstmuseum einzig «vertrauliche Gespräche», die mit der BRD und dem Freistaat Bayern in Gang und noch nicht abgeschlossen seien.

Der Stiftungsrat sei nach wie vor frei, «über Annahme bzw. Ausschlagen der Erbschaft zu entscheiden». Die Sonntags-Zeitung hatte berichtet, das Kunstmuseum Bern und die deutschen Behörden hätten sich über die Modalitäten geeinigt, wie Bern das Gurlitt-Erbe antreten könne.

Zusammengetragen hatte die grosse Kunstsammlung Cornelius Gurlitts Vater, Hilderbrand Gurlitt, ein einflussreicher Kunsthändler im nationalsozialistischen Deutschland. Ihre Wiederentdeckung im Herbst 2013 erregte wegen des Verdachts auf Raubkunst internationales Aufsehen. Als Cornelius Gurlitt im Mai verstarb, wurde bekannt, dass er die Sammlung dem Kunstmuseum Bern vermacht hat.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 13.10.2014, 06:45 Uhr.