Widerstand für alle: Thomas Hirschhorn an der Sommerakademie Bern

In Bern diskutieren wieder junge Kunstschaffende aus aller Welt mit arrivierten Berufskollegen. Bisher fand dieser Austausch unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Der Künstler Thomas Hirschhorn öffnet die «Sommerakademie im Zentrum Paul Klee» erstmals für ein breites Publikum.

Der Schweizer Künstler Thomas Hirschhorn vor einer seiner Installationen.

Bildlegende: «Kunst muss widerständig sein»: Hirschhorn und sein «Crystal of Resistance» an der Biennale Venedig 2011. Keystone

«Wo stehe ich? Was will ich?» Das sind die Fragen, die Thomas Hirschhorn als Motto über die Sommerakademie 2016 des Zentrum Paul Klee in Bern gestellt hat.

Fragen, so offen und grundsätzlich nach dem eigenen Sein und Wollen im Hier und Jetzt suchend, dass man regalmeterweise Ratgeberliteratur schreiben könnte, um darauf zu antworten.

Wenn Hirschhorn diese Fragen in den kommenden Tagen ausgewählten jungen Kunstschaffenden aus aller Welt vorlegt, so geht es ihm vor allem darum, dass man als Künstler, und als Mensch allgemein, einen Plan haben müsse.

Ein Plan sei wichtig, sagt der in Paris lebende Berner Künstler: «Ein Plan ermöglicht es mir, eine Position zu beziehen und zu einem Projekt zu sagen: Ja, das mache ich. Oder nein, das mache ich nicht.»

Englisch-Kenntnisse von Vorteil

Thomas Hirschhorn, der mit seinen Installationen aus Alltagsmaterialien weltweit bekannt wurde, erachtet es als wichtig, mit Kunst eine Haltung zu beziehen.

Eine Haltung der Gegenwart, der Gesellschaft gegenüber. Oder, wie er es selber sagt: «Kunst muss widerständig sein, sonst ist sie keine Kunst.»

In diesem Jahr wurde Thomas Hirschhorn zum Kurator der Sommerakademie des Zentrum Paul Klee in Bern berufen. Sogleich machte er sich daran, den elitären Künstleraustausch ordentlich umzukrempeln.

Kunstwerk: Ein schmaler Gang zwischen zwei braunen Wänden.

Bildlegende: Denkt in Bern über Kuba nach: Tania Burguera – im Bild ihr Beitrag zur Biennale 2005. Keystone

Unter der Ägide Hirschhorn diskutieren nicht, wie in den vergangenen Jahren, wenige handverlesene Jung-Künstler aus aller Welt mit ein paar honorigen Kunst-Profis – auch sie mit internationalem Hintergrund.

In diesem Jahr darf jede und jeder mithören, was in den Vorträgen und Diskussionen gesagt wird. Und das sogar gratis.

Eine Hürde gibt es allerdings: Alle Veranstaltungen werden in englischer Sprache abgehandelt. Solide Englischkenntnisse sind also klar von Vorteil.

Kunstprofis aus Bern und aller Welt

Wen das nicht abschreckt, der kann zum Beispiel die kubanische Künstlerin Tania Bruguera hören, die immer wieder mit mutigen Aktionen von sich reden macht. So plante sie 2014 eine grosse Performance auf der Plaza de la Revolución in Havanna.

Sie wollte ihren Landsleuten die Möglichkeit geben, öffentlich darüber zu sprechen, wie sie sich die Zukunft Kubas vorstellen. Und vor allem, was sie über den wachsenden Einfluss der USA auf Kuba denken.

Die kubanische Regierung unterzog die 48-jährige Künstlerin daraufhin strengen Verhören und zog ihren Pass ein.

Neben Tania Bruguera wurden die New Yorker Kuratorin Yasmil Raymond und der Berliner Philosoph Marcus Steinweg von Thomas Hirschhorn als Redner eingeladen.

Auch Vertreter der Berner Kunstwelt wie die Leiterin der Kunsthalle Bern, Valérie Knoll oder Michael Baumgartner, Kurator am Zentrum Paul Klee, sprechen an der 11. Sommerakademie.

Ungewisse Zukunft

So erfolgreich sich die Sommerakademie nach aussen gibt, so ungewiss ist dennoch, wie es mit dieser Einrichtung weitergehen wird.

Der Hauptsponsor hatte sich bei Gründung der Sommerakademie verpflichtet, die Veranstaltung zehn Jahre zu finanzieren. Ob sie den Künstleraustausch auch künftig unterstützen wird, ist vorerst offen.

Ausstellungshinweis

Die Sommerakademie im Zentrum Paul Klee Bern dauert vom 12. bis 20. August. Das Akademieprogramm findet in der Kunsthalle Bern statt und ist öffentlich und gratis.