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Die wahre Geschichte des Baron Münchhausen
Aus Kultur-Aktualität vom 11.05.2020.
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300 Jahre Münchhausen Die wahre Geschichte des Lügenbarons

Der Baron von Münchhausen ist einer der beliebtesten Helden der Literaturgeschichte. Wer war dieser Baron wirklich, der dieses Jahr seinen 300. Geburtstag feiert?

Er reitet auf Kanonenkugeln, um feindliche Heerlager auszuspionieren, klettert an einer Bohnenranke auf den Mond und zieht sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf, ohne dass dabei seine Perücke verrutschen würde. Die Geschichten des Barons wurden immer wieder neu erzählt und illustriert, in zahlreiche Sprachen übersetzt und unzählige Male verfilmt. Aber ist da was dran?

Fakt ist: Den Baron von Münchhausen gab es wirklich. Er wurde am 11. Mai 1720 in Bodenwerder im heutigen Niedersachsen geboren. Auf einer Kanonenkugel geritten ist er – wahrscheinlich – jedoch nicht. Aber er hatte ein aufregendes Leben, wie seine Nachfahrin Anna von Münchhausen recherchiert hat.

Der Baron fliegt auf einer Kugel.
Legende: Überflieger Münchhausen: Die Geschichten des Barons haben es um den Globus geschafft (im Bild: Hans Albers als Baron) Imago Images / Prod.DB

Mitten in einer bewegten Welt

«Schon mit 17 Jahren reiste er an den Zarenhof in St. Petersburg», erzählt von Münchhausen. Das war damals der glanzvollste Hof der westlichen Welt. Münchhausen war Page beim Fürsten von Braunschweig-Wolfenbüttel und zog mit ihm in den Russisch-Österreichischen Türkenkrieg um den Zugang zum Schwarzen Meer.

Es waren grosse Ereignisse der bewegten europäischen Geschichte – und der junge Münchhausen war mittendrin. «Mit 30 Jahren kehrte er ins Weserbergland zurück und führte das gemächliche Leben eines Gutsherrn. Abends versammelte er seine Freunde und Nachbarn um sich – in diesem Kreis war er natürlich der Weitgereiste», so von Münchhausen.

Ein fabelhafter Erzähler - aber kein Lügner

Dieser Weitgereiste erzählte gern aus seinen Jugendjahren. Frei erfunden habe er seine Abenteuergeschichten nicht, aber «er hat sie mit Witz und Erfindungsgabe erweitert».

Mücnhausen war sicher ein guter Erzähler in geselliger Runde, aber er hat nie eine Zeile seiner Erzählungen aufgeschrieben. «Wie die in die Welt gekommen sind, ist eine kuriose Reihe von Zufällen», so von Münchhausen.

Die Geschichten nehmen ihren Lauf

Einige von Münchhausens Geschichten wurden weitererzählt und landeten in einem Magazin, das 1781 in Berlin veröffentlicht wurde: «Vademecum für lustige Leute». Das Magazin fiel in London einem Gelehrten in Geldnot in die Hände. Er übersetzte einen Teil der Geschichte ins Englische, veröffentlichte sie anonym und landete einen Riesenerfolg.

Ein Band reiste mit einem englischen Studenten nach Göttingen und fiel dort dem Autor Gottfried August Bürger in die Hände, der ebenfalls in Geldnot war und es zurück ins Deutsche übersetzte.

Auch die deutsche Ausgabe wurde sofort zum Bestseller. Da erfuhr auch Herr von Münchhausen im stillen Bodenwerder von dem Buch und war empört. Er hat nicht damit gerechnet, dass sich jemand seines Namens und seiner Person bedient und in seinem Namen diese erstaunlichen Geschichten erzählt. Er fand das ehrverletzend. Anzeige erstatten konnte Münchhausen nicht. Bürgers Buch war anonym erschienen.

Der muss verlogen sein!

Münchhausen war damals ein alter, unglücklicher Mann. Mit 70 ging er eine zweite Ehe mit einer 17-jährigen Bernhardine von Brunn ein. «Diese junge Frau wollte sich amüsieren, er wollte versorgt werden und seine Ruhe haben», erzählt von Münchhausen.

Kurz nach der Hochzeit reichte der Baron die Scheidung ein. Seine Frau wandte sich an Anwälte in Hannover: «Die haben eifrig Schriftsätze verfasst, in denen sie auslegten, dass dieser Hieronymus Münchhausen ja weit und breit bekannt sei dafür, dass er Geschichten erzählte», weiss von Münchhausen. Der Baron wurde als unglaubwürdig abgestempelt, während die Mandantin als «völlig unschuldig» eingestuft wurde.

Das Etikett Lügenbaron wurde er nicht mehr los. Der echte Hieronymus von Münchhausen starb 1797 einsam und verbittert. Der poetische Münchhausen aber, der reitet heute noch auf der Kanonenkugel, strahlend, mit Dreispitz und Degen und gepuderter Perücke.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur aktuell, 11.5.2020, 8.20 Uhr;

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