Aus welchem Land kommen die meisten Literatur-Nobelpreisträger?

Heute um 13 Uhr wird das wohlgehütete Geheimnis gelüftet. Ein Blick zurück zeigt: Einige Nationen räumen deutlich mehr Literatur-Nobelpreise ab als andere. Wieso Sartre den Preis nicht wollte, Churchill zu Englands grossen Schriftsteller zählt und die Schweiz schon lange auf einen Preis wartet.

    • 1.
      Frankreich
      Albert Camus

      Bildlegende: Nahm freudig an: Albert Camus. Getty Images

      Sagenhafte 14,5 Gewinner zählt die Grande Nation und führt damit die Liste der ausgezeichneten Literaturländer eindeutig an (halbe Punkte gibt es, wenn ein Gewinner Staatsbürger zweier Nationen ist).

      Mit Albert Camus (Preisträger 1957, Bild) und Jean Paule Sartre (1964) findet sich ein illustres Existenzialisten-Duo in den Reihen der Gewinner. Während Camus freudig annahm, lehnte Sartre dankend ab. Er wolle mit keiner Institution verbunden werden, erklärte er medienwirksam im Le Figaro. Interne Quellen aus dem Nobelpreis-Komitee berichten, dass Sartre einige Jahre später etwas kleinlaut doch noch um das Preisgeld bat – allerdings ohne Erfolg.

    • 2.
      Grossbritannien
      Winston Churchill.

      Bildlegende: Vom Preis überrascht: Winston Churchill. Wikimedia/Imperial War Museum

      Mit 11 Literatur-Nobelpreisen landet Grossbritannien auf dem zweiten Platz und vereint in seinen Reihen bekannte Namen wie Rudyard Kipling (1907) oder William Golding (1983).

      Dass auch Winston Churchill (1953) einen Literaturnobelpreis erhielt (Bild), ist kaum jemandem bekannt. Man würde dem langjährigen Premier, Kriegshelden und ewigen Vorbild der Engländer wohl eher den Friedens-Nobelpreis zutrauen. Auch der Preisträger selbst war überrascht – als Churchill die Nachricht der Akademie erhielt, soll er erstaunt gefragt haben: «Auf welchem Gebiet?»

    • 3.
      USA
      Pearl S. Buck.

      Bildlegende: Ihre Auszeichnung war ein Skandal: Pearl S. Buck. Wikimedia/Pieter Kuiper

      Der dritte Platz unter den literarischen Gewinner-Nationen geht an die USA – 10,5 Gewinner kommen aus der «Neuen Welt», darunter literarische Schwergewichte wie Earnest Hemingway (1954), William Faulkner (1950) oder John Steinbeck (1962).

      Für Aufruhr sorgte hingegen die Auszeichnung von Pearl S. Buck (Bild) im Jahr 1938. Ihre Literatur galt in Kritiker-Kreisen als trivial, literarisch wertlos und eines Nobelpreises unwürdig. Der Skandal hat schliesslich in der sogenannten «Lex Buck» gemündet – einer inoffiziellen Regel, derzufolge nur jemand gewinnen darf, der schon im letzten Jahr zu den engsten Favoriten gehörte.

    • 4.
      Schweden & Deutschland
      Selma Lagerlöf und Günther Grass.

      Bildlegende: Selma Lagerlöf und Günther Grass. Wikimedia/Keystone

      Den vierten Platz teilen sich mit je 8 Gewinnern Deutschland und Schweden. Es sind erneut zwei europäische Nationen – etwas auffällig, wenn man bedenkt, dass der Preis sich an die ganze Welt richtet und gerade Schweden als Heimatland von Alfred Nobel nicht gerade ein grosses Land ist.

      Auf jeden Fall kam mit Selma Lagerlöf (Bild links) die erste weibliche Preisträgerin aus Schweden: 1909 wurde sie von einer spürbar stolzen Akademie ausgezeichnet, als erste von bisher gerade einmal 13 Frauen. Prominentester unter den deutschen Gewinnern ist wohl Günter Grass (Bild rechts), der den Preis nach langem Warten 1999 schliesslich doch noch erhielt. Grass war damals 72 Jahre alt – 16 Jahre jünger als die mit 88 Jahren bisher älteste Preisträgerin Doris Lessing und 30 Jahre älter als der mit 42 Jahren bisher jüngste Gewinner, Rekordhalter Rudyard Kipling.

    • 5.
      Schweiz (Platz 12)
      Carl Spitteler

      Bildlegende: Erster Schweizer Literatur-Nobelpreisträger: Carl Spitteler. Wikimedia

      Mit gerade einmal 2 Gewinnern landet die Schweiz zusammen mit Japan, Dänemark, Griechenland, Chile und Südafrika auf dem zwölften Platz des Literaturnobelpreis-Rankings.

      Als erster Schweizer gewann Carl Spitteler (Bild) den Preis des Jahres 1919, als zweiter und vorläufig letzter wurde Hermann Hesse (1946) ausgezeichnet. Grössen wie Max Frisch oder Friedrich Dürrenmatt galten zwar als Favoriten, blieben aber ungekrönt. Bald 70 Jahre sind also seit dem letzten Schweizer Literaturnobelpreis vergangen – bleibt zu hoffen, dass die nächsten Jahre hier eine Überraschung bringen.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 8.10.2015,7:20 Uhr