Connie Palmen – bis dass die Liebe uns versengt

In Connie Palmens Bücher wird so intensiv geliebt, dass sich die Liebenden auch mal in die Hosen machen. Und zweimal zerbricht die Liebe jäh durch den Tod. Das alles ist keine Fiktion, sondern aus ihrem Leben gegriffen. Da stellt sich die Frage: Ist die Liebe ein Glück – oder doch eine Gefahr?

Connie Palmen im Porträt.

Bildlegende: Lässt sich vom Leben nicht unterkriegen – und ihre Leser daran teilhaben: Connie Palmen. Getty Images

Connie Palmens literarische Kunstform ist der autobiografische Roman. Kein Wunder. Ihr bisheriger Lebenslauf ist geprägt von Verlusten, die kein Mensch alleine ertragen sollte. 1995 stirbt nach vier Jahren Ehe ihr Mann Ischa Meijer an einem Herzinfarkt, drei Monate darauf Palmens Vater.

2010 konfrontiert sie das Leben erneut mit voller Wucht: Sie verliert nach elf Ehejahren ihren zweiten Partner Hans van Mierlo. Im selben Jahr sterben Mierlos Schwester, seine Tochter, ein guter Freund und Palmens Verleger Daniel Keel.

Keine barmherzige Helferin

Durch ihr schriftstellerisches Werk hilft sie sich selbst und auch anderen Menschen in ähnlichen Situationen. Doch Palmen sieht sich trotzdem nicht als barmherzige Helferin mit Herz für die Menschheit.

Sie habe sehr schnell genug von Menschen. Lediglich bei ihrer Familie und Freunden spüre sie die Sehnsucht zu helfen. Ihre Bücher seien ihre Art von Heirat mit der Welt – quasi die Wiedergutmachung dafür, dass sie um diese zu schreiben, sich jeweils aus der Welt zurückziehen müsse, so Palmen.

Die Liebe leben und lieben

Was die Leserinnen – ihre Leserschaft ist hauptsächlich weiblich und mittleren Alters – bei Palmen finden, ist eine Frau, die sich vom Leben trotz seiner Schrecklichkeit und Unbarmherzigkeit nicht hat unterkriegen lassen. Und eine Frau, welche die Liebe liebt. Neun von zehn ihrer Romane handeln von dieser Urgewalt und deswegen auch von Leidenschaft, von Verlust und Schmerz.

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Bis dass der Tod sie scheidet – Sylvia Plath‘ tragische Liebe

5:53 min, aus Kulturplatz vom 31.8.2016

Liebe und Tod, das seien zwei Seiten von ein und derselben Medaille. Denn vom Moment an, in dem man zu lieben beginnt, beginne man auch an den Tod zu denken, meint die Schriftstellerin.

Die Suche nach der Liebe ist vorbei

Heute, nach dem sie sich zweimal von der Gewalt der Liebe hat mitreissen lassen, hat sie genug davon. «Eine grosse Liebe fängt damit an, sich nach einer grossen Liebe zu sehnen», zitiert sie Cees Nooteboom und fügt hinzu, dass sie dieses Sehnen nicht mehr verspüre.

Sie suche nicht mehr nach der versengenden Liebe, die die Liebenden sich ineinander auflösen und zu einem symbiotischen Knäuel aufgehen lässt. Irgendwann hat man genug Liebe und Tod erlebt.

Offensiv und entblössend

Connie Palmen seziert die Trauer in ihren Büchern literarisch bis ins unerträgliche, beschreibt alles bis ins intimste Detail. So erzählt sie in einem ihrer Bücher, wie sie und Ischa Meijer sich vor Liebe in die Hose machten, als sie sich trafen. Oder wie sie sich in ihrer Trauer auf den kalten Leichnam ihres Geliebten legt.

Palmen dringt in diesen Beschreibungen so weit vor, dass die Leserin glaubt, der Schriftstellerin in ihre absolute Einsamkeit nachfolgen zu können. Ihre offensive und scheinbar entblössende Art, über die Wiederfahrnisse ihres Lebens zu schreiben, hatte für Palmen aber auch negative Seiten.

Ein Mensch mit Mut

Sie wurde gestalkt und man erhielt Morddrohungen. Die Drohungen waren so ernst, dass sie sich in Amsterdam eine Geheimadresse zulegen musste. Aber als Schriftstellerin brauche man diesen Mut. Den Mut sich zu zeigen, Tabus zu brechen und Geheimnisse zu enthüllen.

Jetzt online

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Die Sternstunde Philosophie «Connie Palmen über die Urgewalt der Liebe» vom Sonntag, 2.10.2016, können Sie online bereits jetzt sehen.

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