Der aussichtslose Kampf gegen unser gläsernes Dasein

Im Sommer 2013 erschüttert die NSA-Affäre die Welt – und auch einen Studenten. Die Schweizer Autorin Zora del Buono erzählt in ihrem neuen Roman «Hinter Büschen an eine Hauswand gelehnt» den paradoxen Kampf eines Jungen, der nicht überwacht werden will und dadurch selbst zum Spion wird.

Ein anonymer Junge mit Kapuzenpullover.

Bildlegende: Ist empört über die Praktiken der NSA: der Protagonist in Zora del Buonos neuem Roman. Keystone

Vor rund drei Jahren sass Edward Snowden in einem Hotelzimmer in Hongkong und enthüllte den grössten Skandal des digitalen Zeitalters. Zu dieser Zeit unterrichtete die Schweizer Autorin Zora del Buono an einer Summerschool in den USA.

Die harsche Reaktion ihrer Studentinnen und Studenten, die sich weder für die Machenschaften ihres Nachrichtendienstes, noch für Snowden interessierten, irritierte sie.

Snowden war zudem in den Augen der Studierenden kein Held, sondern ein Feind. Dies beschäftigte del Buono, und inspirierte sie zugleich. Entstanden ist daraus ihr Roman «Hinter Büschen an eine Hauswand gelehnt».

Als der Skandal die Welt erschüttert

Sommer 2013, Handlungsort ist ein Campus in den USA: Eine kleine Studentenclique verbringt während der Summerschool die Abende zusammen, diskutiert, debattiert, trinkt und lässt Liebeleien entstehen.

Es herrscht ausgelassene Feriencampstimmung. Über diese geschlossene Welt lässt die Autorin Snowdens Enthüllungsgeschichte hereinbrechen.

Im Mittelpunkt steht der Student Zev Swartz. Er ist empört über die Praktiken der NSA und will einen kritischen Artikel in der Studentenzeitung veröffentlichen.

Darüber, dass neue Technologien Spionage erleichtern und Privatsphäre ersticken. Darüber, dass wir abgehört und gefilmt werden, dass wir kein Privatleben mehr haben – ausser vielleicht noch im Wald oder, wie der Romantitel andeutet, «Hinter einem Busch an eine Hauswand gelehnt».

Keine digitale Spur hinterlassen

Zev beginnt zu recherchieren. Doch seine Entdeckungen machen ihn fast paranoid. Von einem Tag auf den anderen will er nichts mehr vom Thema wissen.

Wie es zu seinem Entscheid kam – ob aus Angst oder Kalkül – weiss die Leserin, der Leser nicht. Was wir aber mitkriegen ist, dass Zev sich zu einem radikalen Schritt entscheidet: Er geht offline, keine digitale Spur soll zu ihm führen.

Gesetzbruch aus Schutz

Die 53-jährige Zora del Buono rollt in diesem Roman die erschütternde NSA-Affäre innerhalb einer Rahmengeschichte auf, die von Überwachung, Täuschung und Liebe handelt.

In einer präzisen Sprache und mit einem jungen Revoluzzer in der Hauptrolle.

Dass dabei Zev selber zum Spion in eigener Sache wird, ist der Clou der Geschichte. Um sich dem Griff der Geheimdienste zu entziehen, muss er selber täuschen und sich verbergen.

Das ist die düstere Botschaft der Autorin: Es wird eine Zeit kommen, in der wir gezwungen sind, Gesetze und Gebote zu übertreten, um unsere Privatsphäre zu schützen.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur aktuell, 06.10.2016, 17:08 Uhr.

Buchhinweis

Zora del Buono: «Hinter Büschen an eine Hauswand gelehnt», C.H. Beck Verlag, 2016.