Eine 28-Jährige gewinnt Booker Prize für «ein leuchtendes Werk»

Sie ist die bisher jüngste Booker-Preis-Gewinnerin: Die 28 Jahre alte Autorin Eleanor Catton aus Neuseeland erhält den wichtigsten Preis für englischsprachige Literatur für ihren Roman «The Luminaries». Das 800-Seiten-Werk ist sprachlich brillant und besticht durch eine aussergewöhnliche Struktur.

Eine Frau lacht und hält eine schwarze würfelförmige Trophäe in der Hand.

Bildlegende: Strahlende Preisträgerin: Eleanor Catton gewann den Man Booker Literaturpreis für ihr «leuchtendes Werk». Reuters

Das Werk ist 832 Seiten stark, Eleanor Catton, 1985 in Kanada geboren und in Neuseeland aufgewachsen, hatte es mit 25 Jahren zu schreiben begonnen. «The Luminaries» spielt im Neuseeland des 19. Jahrhunderts zu Zeiten des Goldrausches. Für diesen Roman wurde Catton jetzt in London der Man-Booker-Preis überreicht.

Der Juryvorsitzende Robert Macfarlane sagte bei der Preisverleihung: «Es ist ein überwältigendes Werk. Es ist ein leuchtendes Werk. Es ist gewaltig, ohne ausufernd zu werden.» Die Auszeichnung ist mit 50‘000 Pfund (gut 70'000 Franken) dotiert.

Es ist wirklich erstaunlich, was Eleanor Catton mit «The Luminaries» vorlegt. Umso mehr wenn man weiss, dass ihr Erstlingsroman «The Rehearsal» zuvor in der Tradition eines Creative-Writing-Prozesses entstanden ist, sozusagen als Masterarbeit des Writers‘ Workshop der Universität Iowa. Und es erstaunt noch einmal – und das lässt darauf schliessen, dass von Catton noch viel zu erwarten ist –, dass sie in ihrem prämierten, zweiten Roman bereits zu einem ganz eigenen Stil gefunden hat. «The Luminaries» überzeugt auf mehreren Ebenen: Er ist strukturell eine grosse Leistung und sprachlich brillant.

Grandios tiefsinnig

Der Aufbau dieses Romans sei aussergewöhnlich, sagt Therese Steffen, Professorin für Anglistik an der Universität Basel. Etwa dadurch, dass im ersten Teil die zwölf verschiedenen Personenperspektiven, sich der Struktur abnehmender Mondphasen entsprechend, immer kürzer darstellen. Und dem entgegengesetzt, im zweiten Teil der allgemeine Erzähler wieder mehr im Vordergrund stehe.

Die grandios tiefsinnigen Ein- und Zweizeiler sowie die erstaunlichen Ansichten und Erkenntnisse seien für eine so junge Frau wie Eleanor Catton herausragend. Auch wenn es im Vergleich mit der Nobelpreisträgerin Alice Munro den Charakteren von Catton an Abgründigkeit fehle. Das sei ein Kritikpunkt an «The Luminaries» und vielleicht auch der, dass der Roman «Plot Driven» sei.

Noch nicht auf Deutsch erhältlich

Was Therese Steffen anführt, ist zu bedenken. Gleichwohl aber wird Eleanor Catton, gerade weil sie «Plot Driven» schreibt, mit ihrem zweiten Werk durchschlagenden Erfolg haben.

Ihr Debüt «The Rehearsal» (2008) war auch auf Deutsch erschienen («Die Anatomie des Erwachens», Arche Verlag). Nach Auskunft des Verlages wird aber die deutsche Ausgabe von «The Luminaries» nicht bei Arche verlegt werden. Wir können nur hoffen, dass dies bei irgendeinem Verlag bald geschieht.

Der Booker-Preis wird jedes Jahr verliehen und gilt als eine der wichtigsten literarischen Ehrungen für englischsprachige Autoren aus Grossbritannien, dem Commonwealth sowie aus Irland. Vergangenes Jahr hatte die britische Autorin Hilary Mantel gewonnen – bereits zum zweiten Mal. Im kommenden Jahr werden auch englischsprachige Autoren aus anderen Ländern teilnehmen können.