Genf lässt künftig Geld direkt in Buchhandlungen fliessen

Seit Jahren schlittert der Schweizer Buchhandel einer unsicheren Zukunft entgegen: Das Fehlen der Buchpreisbindung setzt ihn unter Druck, ebenso die günstigere Konkurrenz im Ausland. Genf versucht nun einen ganz neuen Schritt zur Lösung des Problems: Subventionen direkt an die Buchhandlungen.

Die Auslage einer Westschweizer Buchhandlung.

Bildlegende: Stadt und Kanton Genf lassen künftig auch Geld direkt in die Buchhandlungen fliessen, allerdings nur bescheidene Summen. Keystone

Das Problem ist bekannt: Seit 2007 die Buchpreisbindung abgeschafft wurde, sinken die Umsätze der Schweizer Buchhandlungen kontinuierlich. Den Kampf gegen einen Goliath wie Amazon können auch grössere Schweizer Händler fast nur verlieren; der seit einiger Zeit starke Schweizer Franken schwächt sie noch mehr.

Die Folge ist, dass das Netz an Buchhandlungen immer mehr ausdünnt: Sogar grosse Ketten wie Orell Füssli und Ex Libris müssen Läden schliessen. Auch neue Geschäftsideen schützen nicht zwingend: Als jüngstes Opfer schliesst nun die Basler Buchhandlung Nasobem, die vor drei Jahren noch für ihr innovatives Kaffee-Bar-Konzept mit einem Preis geehrt worden war.

Ein neuer Topf für die Buchhandlungen

Eine nur bedingt innovative, aber in der Schweiz bisher noch nicht in die Tat umgesetzte Idee haben nun die Stadt und der Kanton Genf: Am Salon du Livre haben sie gestern angekündigt, künftig Subventionen direkt an die Buchhandlungen auszurichten.

Das Genfer Kulturdepartement stellt dafür einen Topf mit jährlich 80‘000 Franken bereit. Die Beiträge an die Buchhandlungen sollen jeweils zwischen 2‘000 und 10‘000 Franken hoch sein – verglichen mit anderen Literatur-Fördergeldern ein bescheidener Betrag. Begonnen wird damit bereits dieses Jahr.

Wenig klare Kriterien

Die Beiträge werden nicht in einem Giesskannenprinzip ausgerichtet, sondern an Buchhandlungen, die «unabhängig» sind, also nicht Teil einer in einem anderen Kanton ansässigen Kette sein dürfen. In einem Antrag müssen sie ein «kulturelles Projekt» präsentieren – beispielsweise Lesungen, Streitgespräche vor Ort oder andere Aktionen, die für die Kundschaft neue Anreize schaffen.

Sehr eng ist diese Definition allerdings nicht gefasst: Es ist genauso denkbar, dass das Entwickeln verkaufsfördernder Hilfsmittel oder neuer Vertriebstechnologien unterstützt wird. Etwas klarer ist definiert, dass 10% ihres Sortiments von Schweizer Autoren oder Verlegern kommen soll oder zumindest für die Schweiz relevante Themen behandelt.

Nachwirkungen der Abstimmung

Der für die Kultur zuständige Stadtrat von Genf, Sami Kanaan betont dabei, dass es nicht um den Markt gehe, sondern um das Buch: Der Buchhandel sei nicht einfach ein Geschäft, sondern er habe eine «kulturelle Dimension». Es gebe ein klares Bedürfnis nach Austausch und Verbundenheit in der Gesellschaft, Bücher könnten dies leisten.

Dass ausgerechnet Genf zu dieser – in der Schweiz erstmals eingesetzten – Massnahme greift, ist kein Zufall: Vor gut zwei Jahren, als auf Bundesebene über die Wiedereinführung der Buchpreisbindung abgestimmt wurde, waren mehr als 65 Prozent der Genfer dafür. Diese klare Annahme motivierte einige Politiker, eine Motion zu deponieren, dass den Buchhandlungen nun direkt geholfen werden solle.

Reaktionen auf die Genfer Initiative

Für Daniel Landolf, den Geschäftsführer der Schweizer Buchhandlungen und Verleger, ist der Genfer Vorstoss «grundsätzlich eine sehr gute Sache», hier würden nicht «Autoren und Autorinnen» unterstützt, sondern «die Rahmenbedingungen für eine kulturelle Vielfalt» und für genau diese Diversität seien «gute Verlage und gute  Buchhandlungen» unverzichtbar.

Den Genfer Vorstoss könnten andere Kantone jetzt «als Wink mit dem Zaunpfahl» verstehen, besonders diejenigen, in denen Verlage eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung haben. Die Bedenken, eine beliebige «Eventkultur» werde gefördert, teilt Landolf hingegen nicht.

Gegen Events sei auch erst mal nichts zu sagen: «Buchhandlungen müssen mehr bieten» als Onlinevertriebe, sie müssten ausser Beratung «Spezialitäten und Ambiente bieten», sie seien wie «ein Theater und sie verkaufen nicht nur Tickets», insofern gingen die Subventionen auch nicht an die Buchhandlungen sondern an deren «kulturelle Veranstaltungen».