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«Leben ist ein unregelmässiges Verb» von Rolf Lappert
Aus 52 beste Bücher vom 23.08.2020.
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Neuer Roman von Rolf Lappert Buchautor: «Menschen, die abgeschottet leben, faszinieren mich»

Was heisst es für Kinder, die in einer abgeschotteten Kommune aufwachsen, wenn sie plötzlich in der realen Welt funktionieren müssen?

In seinem neuen Roman «Leben ist ein unregelmässiges Verb» skizziert Rolf Lappert vier mögliche Szenarien. Der Schweizer Schriftsteller über reale Vorbilder und den Reiz der Fiktion.

Rolf Lappert

Rolf Lappert

Schriftsteller

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Rolf Lappert wurde 1958 in Zürich geboren und absolvierte nach seiner Schulzeit eine Ausbildung zum Grafiker. Nebenbei arbeitete er als freier Autor. 1982 erschien sein Debütroman «Folgende Tage».

Zwischen 1996 und 2004 war er als Drehbuchautor tätig - unter anderem für die Sitcom «Mannezimmer», die im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt wurde. Sein Roman «Nach Hause schwimmen, Link öffnet in einem neuen Fenster» wurde 2008 mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet.

SRF: Gab es einen konkreten Anlass für diese Geschichte?

Rolf Lappert: Nein. Gruppierungen, die versuchen, ein von der «normalen Gesellschaft» abgeschottetes Leben zu führen, haben mich einfach schon immer interessiert.

Seien das die Amish People in den USA oder Aussteiger, die sich – ähnlich wie die Mitglieder meiner Roman-Kommune – aufs Land zurückziehen und ihre eigene Existenzform praktizieren. Solche kleinen Welten machen mich neugierig.

Was hat der Stoff mit Ihrer eigenen Biografie zu tun?

Eigentlich nicht viel – bis auf dieses persönliche Interesse an alternativen Lebenskonzepten. Natürlich gab es in jungen Jahren auch schwärmerische Phasen, in denen ich von einem Rückzug aufs Land mit Familie, Freunden, Tieren und Pflanzen träumte. Aber offensichtlich war diese Vorstellung doch nicht verlockend genug.

Sie sind 1958 geboren – gehören also zur Generation der Blumenkinder, die sich in den 1970er-und 1980er-Jahren zu solchen Kollektiven zusammenfand.

Ja, als Kind und Jugendlicher habe ich diese Hippie-Bewegung am Rande mitbekommen. Die Flower-Power-Leute waren aber doch ein paar Jahre älter. Und in meinem Umfeld – ich bin in Olten und Zofingen aufgewachsen – war dieser Spirit etwas weniger präsent als zum Beispiel in Zürich oder Berlin.

Ich musste mich in gewisser Weise auf die Seite der Erwachsenen stellen, weil ich sie nicht als Monster darstellen wollte.

Hatten Sie für diesen Roman auch Kontakt mit ehemaligen Kommunenkindern?

Nein. Ich orientiere mich in «Leben ist ein unregelmässiges Verb» auch nicht an einem realen Vorbild, es ging mir also nicht um ein möglichst wahrheitsgetreues Abbild. Als Romancier reizte es mich, die Biografien meiner Kommunenkinder frei zu erfinden.

Ich habe im Vorfeld einige Dokumentarfilme über die Hippie-Bewegung und die Amish People angeschaut, um einen Eindruck des Lebensgefühls und der speziellen Regeln und Gesetze in solch hermetisch gehaltenen Systemen zu gewinnen.

Buchhinweis

Rolf Lappert: Leben ist ein unregelmässiges Verb. Hanser, 2020.

War die Kindheit in der Kommune für die Figuren in Ihrem Buch Fluch oder Segen?

Weder das eine noch das andere. In meiner Geschichte musste ich mich in gewisser Weise auch auf die Seite der Erwachsenen stellen, weil ich sie nicht als Monster darstellen wollte.

Obwohl sie die Kinder vor den Behörden verstecken und ihnen eine normale Schulbildung und den Kontakt zu Gleichaltrigen ausserhalb des Bauernhofs verunmöglichen, kommen sie im Roman relativ gut weg.

Aber die Jugendlichen werden weder geschlagen noch sexuell missbraucht, sie fühlen sich eigentlich in dieser begrenzten Welt gut aufgehoben. Sie kennen ja auch nichts anderes.

Im Konflikt liegt viel mehr literarisches Potenzial als im Schildern von erfolgreichen, glücklichen Menschen.

In ihrer Geschichte wirken alle Kinder verloren und wenig gefestigt in ihrem Alltag ausserhalb der Kommune. Spiegelt das Ihre Meinung, dass eine solche Kindheit zwangsläufig zu Verunsicherung führen muss?

Ich gebe zu, ich mache es meinen Figuren immer so schwer wie möglich. Im Konflikt liegt einfach viel mehr literarisches Potenzial als im Schildern von erfolgreichen, glücklichen Menschen, die frei von Hindernissen und Fehltritten durchs Leben gehen.

Dass die vier ehemaligen Kommunenkinder es nach ihrer Verbannung aus dem vertrauten Umfeld nicht leicht haben, erschien mir aber nur logisch. Schon ohne diese Voraussetzungen ist das Erwachsenwerden kein Zuckerschlecken.

Wie würden Sie auf ein ehemaliges Kommunenkind reagieren, das Ihnen vorwirft, sein Schicksal zu dramatisieren?

In dieser Hinsicht befürchte ich keine negativen Reaktionen. Denn jeder Mensch würde eine solche Kindheit wohl ganz anders verarbeiten. Das ist eine sehr individuelle Erfahrung.

Ausserdem: Mein Roman ist Fiktion, eine frei erfundene Geschichte – Ähnlichkeiten mit lebenden Personen wären Zufall, wie es in Büchern oder Filmen oft heisst.

Das Gespräch führte Luzia Stettler.

Radio SRF 2 Kultur, 52 Beste Bücher, 23.08.2020, 11:03;

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