«Paris. Eine Liebe»: Literarisches Kleinod von Urs Faes

Urs Faes ist bekannt für seine stillen, atmosphärisch dichten Romane. Seine Themen sind die Liebe und ihr Gelingen oder Scheitern und die Erinnerung und Vergegenwärtigung des Vergangenen. In «Paris. Eine Liebe» zeigt Faes auf gerade mal 60 Seiten seine poetischen Qualitäten aufs Schönste.

Auf einer Bühne steht links ein (leeres) Rednerpult. Rechts sitzt Fäh an einem Holztischchen und liest.

Bildlegende: Urs Faes 2008 bei einer Lesung an den Literaturtagen in Solothurn. keystone

An einem sonnigen Septembertag kommt der Schweizer Eric in Paris an. Zum ersten Mal nach drei Jahrzehnten ist er wieder dort, wo er im Winter 1971 eine riesen Enttäuschung erlebte. Seine Verlobte Claudine, die zum Studium in die französische Metropole gezogen war, gab ihm gleich bei seiner Ankunft kurzerhand den Laufpass. Eines anderen wegen.

Nun, beim Besuch seines alten Freundes, überfällt ihn machtvoll die Erinnerung an jenes Leid. Eric schreitet die damals begangenen Wege erneut ab und durchlebt nochmals intensiv, was ihm damals widerfahren ist. Es reift eine Art Versöhnung mit seinem Geschick. Und am Ende kommt es, fragil und ergebnisoffen, zu einer Wiederbegegnung mit der einstigen Geliebten, die gleichfalls in die Stadt zurückgekehrt ist.

Einer der schönsten Texte von Faes

Urs Faes bündelt in diesem kompakten Text alle seine seit langem erprobten Fähigkeiten. Sein subtiles, stimmungsvolles Schreiben verknüpft genaue Beschreibungen der Aussenwelt kunstvoll-beiläufig mit der Darstellung der  Innenwelt seiner Protagonisten.


Hans Ulrich Probst über Urs Faes

3:05 min, aus Kultur kompakt vom 14.02.2013

Behutsam und zart, zugleich strichsicher und ohne ein Wort zuviel, gelingt es Faes, das scheinbar banale Geschehen auf einer existentiellen Ebene zu verhandeln. So ist «Paris. Eine Liebe» trotz des klischeeverdächtigen Titels zu einem der schönsten Texte dieses Autors geworden: klug, suggestiv und unangestrengt. Erics Reflexion über Leben und Erinnerung mündet in folgende bedenkenswerte Sätze, die an Max Frisch erinnern:

« Wäre er ein anderer geworden ohne diese Februartage in Paris, mit den Rändern von Schnee, den langen Gängen durch die winterliche Stadt? Bestand einer nicht genauso aus dem, was er nicht gelebt hatte, wie er aus dem bestand, was, durch Zufall, seine Wirklichkeit geworden war? Und erfand man sich dazu eine Geschichte die man für sein Leben hielt? War er all die Jahre um diese Tage gekreist wie um ein unsichtbares Zentrum? »

Buchhinweis

Urs Faes: «Paris. Eine Liebe.» Insel-Bücherei, 2012.