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Schweizer Buchpreis 2013 «Soutines letzte Fahrt»: lebendig im Leichenwagen

Die letzten 24 Stunden im Leben des weissrussisch-jüdischen Malers Chaim Soutine. Ein Krankenhaus in Paris ist das Ziel seiner irrwitzigen Reise durch das besetzte Frankreich im Sommer 1943. Als Tarnung dient ein Transport im Leichenwagen. Ralph Dutli erzählt davon in seinem Romandebut.

Der Autor Ralph Dutli im Porträt vor einer Brücke.
Legende: Ralph Dutli erzählt von einem Künstler auf der Flucht. Olivier Dutli / Wallstein Verlag

Im Paris der Kubisten und Surrealisten wird Chaim Soutine berühmt. Der 1894 geborene Künstler gehört zur Szene und ist doch Aussenseiter. Er hält am Figürlichen fest, malt in expressiv leuchtenden Farben Türkis, Grün, Weiss - und vor allem: alle Farben Rot.

Seine Modelle sind gewöhnliche Menschen, seine Sujets, Tiere, Strassen, Bäume. Aber er malt sie so, dass der Begriff des Action Painting vorweggenommen ist: Die Oberfläche wird Relief, die Leinwand mit Farbe beworfen und mit der ganzen Hand bearbeitet.

Die letzten Stunden im Rausch

Expressiv-realistisch ist sein Stil, der längst Furore macht, als Frankreich von Hitlers Truppen besetzt wird. Soutine, der auf der Liste der «entarteten Künstler» steht, findet ein Versteck in der französischen Provinz. Aber der Maler ist krank, sehr krank, er kann nicht bleiben, seine letzte Fahrt beginnt.

Ralph Dutli erzählt Soutines Geschichte, halb fiktiv, halb dokumentarisch. Und er zeigt diese letzten Stunden des grossen Künstlers wie im Rausch, in Rückblenden und Halluzinationen.

Soutine hatte Morphium nehmen müssen, gegen die unerträglichen Schmerzen seiner Magenerkrankung. Dutli entwickelt überzeugend daraus den Stil seines Romans. Ein grosses Portrait des Künstlers auf der Flucht.