Shangri-La und Nazi-Versteck: Tibet im Comic

Tibet gilt im Westen oft als Ort der Weisheit, als Paradies oder bisweilen auch als Versteck für Verbrecher. Solche Klischees stammen aus Romanen oder esoterischen Schriften. Eine Ausstellung im Museum Rietberg in Zürich zeigt, dass auch in Comics diese Stereotypen immer wieder auftauchen.

Tibet war lange ein fremdes und unerforschtes Land. Das machte es zur idealen Projektionsfläche für westliche Wünsche und Sehnsüchte. Durch seine hohe Lage im Himalaya schien Tibet dem Himmel sogar ein Stück näher. Es entstanden Vorstellungen eines Landes, das so überhaupt nicht existierte.

Shangri-La: Ein erfundenes Paradies

Dieses ferne Paradies inspirierte viele. Die Theosophin Helena Blavatsky beispielsweise gab an, ihre mystischen Theorien durch Telepathie von tibetischen Meistern erhalten zu haben. Auch Schriftsteller bauten Tibet in ihre Werke ein. Berühmt wurde das Buch «Lost Horizon» von James Hilton, das 1933 erschien. Er verortete in Tibet ein Paradies namens Shangri-La.

Diesen Begriff hatte Hilton frei erfunden, dennoch setzte sich die Bezeichnung durch. Shangri-La ist bis heute ein Begriff für paradiesische, glückliche Zustände – mit Tibet hat er aber wenig zu tun. Viel mehr bezeichnet er eine Utopie, entstanden im Europa der Zwischenkriegszeit.

Comics recyceln Klischees

Auschnitt aus dem Comic mit zwei Bildern.

Bildlegende: Ein Ort der Magie und Spiritualität: «Der weisse Lama» von Alejandro Jodorowsky und Georges Bess (1990). Arboris Verlag

Dieses Shangri-La wurde dann auch in Comics aufgegriffen. So flieht beispielsweise der superreiche Dagobert Duck nach Shangri-La, weil ihn das viele Geld ganz krank macht. In einem Paradies ohne Geld hofft er, gesund zu werden. Aber natürlich hält auch dort der Kapitalismus Einzug und Dagobert Duck muss wieder fliehen.

An diesem Beispiel zeigt sich, wie Tibet-Klischees in Comics gerne nochmals überzeichnet wurden. Tibet galt als fremder Ort der Weisheit. Doch es gibt auch ganz andere Comic-Geschichten von Tibet: Das Land mitten im Himalaya-Gebirge wird als Trutzburg dargestellt, das Bösewichten Unterschlupf bietet.

Heiligen-Bilder sind erste Comics

Die Ausstellung im Museum Rietberg beschränkt sich aber nicht auf westliche Darstellungen Tibets. Auch in Tibet selber gab und gibt es Comics. So wird ein altes religiöses Bild gezeigt, ein sogenanntes «Thangka». Darauf zu sehen ist eine Geschichte eines Heiligen, gezeigt in mehreren Bildern.

Solche Bildergeschichten von Heiligen dienen wiederum als Inspiration für heutige Comics von Tibetern, meist entstehen sie im indischen Exil. Sie werden für Kinder gezeichnet, um ihnen die tibetische Kultur und Religion auf spielerische Weise näherzubringen. Comics dienen zur Erziehung, sie werden nicht als Kunst wahrgenommen.

Comic-Tibet vs. reales Tibet

Es gibt aber nicht nur Comics zu sehen und zu lesen im Museum Rietberg. In einem Film kommen auch junge Tibeter und Tibeterinnen aus der Schweiz zu Wort und beschreiben ihr Tibet. Auch sie sehen Tibet als Paradies, das sie aber nur aus Erzählungen kennen. Und sind dabei gar nicht so weit entfernt von den vielen Tibet-Erzählungen aus Comics.

Die Ausstellung

«Yaks, Yetis, Yogis – Tibet im Comic» bis 10. November im Museum Rietberg in Zürich.