Tipps vom Kenner: Arabische Bücher, die man gelesen haben muss

Hartmut Fähndrich ist einer der bedeutendsten Übersetzer aus dem Arabischen. Jüngst erhielt der 71-Jährige für seine Verdienste den eidgenössischen Übersetzerpreis. Drei Bücher, die man laut dem leidenschaftlichen Arabisten unbedingt lesen sollte.

Die Entdeckung und Übertragung von arabischer Literatur ins Deutsche ist für Harmut Fähndrich eine grosse Leidenschaft. Bereits in den frühen 1980er-Jahren hat er neben seiner Tätigkeit als Lehrbeauftragter an der ETH Zürich begonnen, den arabischen Autorinnen und Autoren auf Deutsch eine Stimme zu geben. Seither reist Hartmut Fähndrich mehrmals im Jahr in den arabischen Raum, nach Ägypten, Marokko oder den Libanon. Er brauche die Atmosphäre vor Ort, das Essen, seine Freunde und Bekannte, sagt er. Das sei für das Übertragen von arabischen Texten ins Deutsche unerlässlich.

Die vielen Jahre an Erfahrung auf diesem Gebiet haben Hartmut Fähndrich zum Kenner arabischer Literatur gemacht. Mehr als ein Drittel aller auf Deutsch greifbaren modernen arabischen Prosawerke hat Hartmut Fähndrich übersetzt. Seine drei Tipps für arabische Bücher, die man gelesen haben muss:

    • 1.
      Alaa al-Aswani: «Der Jakubijân-Bau»
      Alaa al-Aswani raucht. Ein verschwungener linienförmiger Schatten legt sich über ihn.

      Bildlegende: Sein Buch «Der Jakubijân-Bau» wurde auch verfilmt: Alaa al-Aswani (2006). Keystone

      Zum Buch: Der Autor zeichnet ein bitterböses und sehr eindrückliches Porträt der ägyptischen Gesellschaft unter dem Regime von Hosni Mubarak. Dreh- und Angelpunkt sind die Bewohner in einem Wohnhaus in Kairo, das im klassizistisch-europäischen Stil gebaut ist: kriminelle Neureiche, verarmte Adlige, französische Intellektuelle und potentielle Terroristen.
      Zum Autor: Alaa al-Aswani studierte Zahnmedizin in Kairo und Chicago und arbeitet als Zahnarzt in Kairo. 2002 erschien sein Roman «Der Jakubijân-Bau» und wurde zum Bestseller. Drei Jahre später wurde das Buch in Ägypten verfilmt und sorgte für noch mehr Schlagzeilen.

      Alaa al-Aswani: «Der Jakubijân-Bau». Übersetzt von Harmut Fähndrich. Lenos Verlag, 2007.

    • 2.
      Ibrahim al-Koni: «Goldstaub»
      Ibrahim al-Konis Kopf ist in ein blaues Tuch gehüllt. Er liest. Man sieht ihn von der Seite.

      Bildlegende: Lesend in Zürich: der libysche Schriftsteller Ibrahim al-Koni (1998). Keystone

      Zum Buch: Der Roman führt in die Libysche Wüste, in jene Gegend, in der sich die arabisch-islamische und die schwarzafrikanische Welt berühren. Es geht dabei um das Thema Bindung. Wie weit man sich binden darf, wie weit man sesshaft werden darf, dass es einem nicht am Leben hindert.
      Zum Autor: Ibrahim al-Koni, geboren 1948, wuchs in einem Tuaregstamm in der Libyschen Wüste auf. Nach dem Studium der Literatur am Gorki-Institut in Moskau arbeitete er als Journalist in Warschau und in Moskau, lebte in den 1990er-Jahren einige Zeit in der Schweiz und erhielt für sein Gesamtwerk den Grossen Literaturpreis des Kantons Bern. Er lebt in Spanien.

      Ibrahim al-Koni: «Goldstaub». Übersetzt von Harmut Fähndrich. Lenos Verlag, 1997.

    • 3.
      Gamal al-Ghitani: «Seini Barakat»
      Gamal al-Ghitani trägt einen roten Schal und eine randlose Brille.

      Bildlegende: Er war ein Kritiker der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung Ägypten: Gamal al-Ghitani. Imago / gezett

      Zum Buch: Im Mittelpunkt des Romans steht der von den Massen bejubelte Seini Barakat, der nach seinem Aufstieg zum «Inhaber des Amtes der Aufsicht über die Öffentliche Ordnung» im Namen der Gerechtigkeit und im Interesse des Volkes regieren will. Um sich an der Macht zu halten, baut er stattdessen ein ausgeklügeltes System der Repression auf.

      Zum Autor: Gamal al-Ghitani, geboren 1945 in Oberägypten, gestorben 2015 in Kairo, war Journalist und Verleger der Literaturzeitschrift «Achbâr al-adab» und veröffentlichte zahlreiche Kurzgeschichten und Romane. Sein Werk zeichnet sich dadurch aus, dass es die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in Ägypten kritisiert.

      Gamal al-Ghitani: «Seini Barakat – Diener des Sultans, Freund des Volkes». Übersetzt von Hartmut Fähndrich. Lenos Verlag, 1988.

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