Zum Inhalt springen

Netzwelt Alles so schön falsch hier: Festival der digitalen Kunst

Für die Biennale digitaler Kunst «The Wrong (again)» braucht es weder Flug- noch Eintrittsticket. Nur eine Internetverbindung. Dann öffnet thewrong.org seine Welt voller Animated Gifs, virtueller Landschaften und unendlich vieler blinkender Pixel.

Ein farbiges grafisches Kunstwerk.
Legende: Unpassende Kunst? An der Online-Biennale werden Werke von Stefan Saalfeld gezeigt. The Wrong

Wenn sich am Ende alles dreht im Kopf, ist klar: Das ist eine neue, vielversprechende Art, digitale Kunst zu zeigen. Die Biennale der digitalen Kunst «The Wrong» findet zum zweiten Mal statt. Gegenüber dem Vorjahr zählt sie bereits dreimal so viele Beteiligte: 90 Kuratorinnen präsentieren dieses Jahr die Werke von 1100 Künstlern – meist online, aber auch in Ausstellungen über den ganzen Globus verteilt.

Unpassende Kunst

«The Wrong» hat einen einzigen Erfinder, Gründervater und Leiter: David Quiles Guilló. Er wurde 1973 in Alicante geboren und ist heute auf der ganzen Welt als Kurator, Musiker, Autor und Designer unterwegs.

Der Spanier mit Lockenkopf und Rauschebart erklärt, warum er seine Biennale «The Wrong» nannte: «Lange funktionierten Ausstellungen so: 20 Künstler stellten ihr Bild oder ihre Skulptur aus und dann gab es noch den einen Künstler mit seiner virtuellen 3D-Installation. Damit war für den Kurator die digitale Kunst abgehakt. Die Themen aber wurden nicht verstanden oder schlicht ignoriert. Angeblich hatten die Kunstwerke das falsche Format und waren schlecht verkaufbar. Digitale Kunst wurde als etwas Unpassendes oder Falsches wahrgenommen – darum der etwas sarkastische Name der Biennale ‹The Wrong›.»

Mut zur Menge und zum Chaos

Vorbilder für sein Projekt hatte David Quiles Guilló keine. Eine virtuelle Ausstellung, die sich in dieser Grösse digitaler Gegenwartskunst widmet, hat es bisher auch nicht gegeben. So konnte Quiles auf einem neuen Terrain einen Ort schaffen, der (noch?) nicht den Chic und die Professionalität einer herkömmlichen Biennale hat. Dafür viel Mut zur Menge und zum Chaos.

Das ist erfrischend. Und etwas Ordnung in den Hunderten von Kunstwerken gibt es dennoch: Die Werke sind in 50 thematischen Pavillons untergebracht. Dabei stösst man auf poetische, Link öffnet in einem neuen Fenster und politische, Link öffnet in einem neuen Fenster Kunst, etwa im Pavillon «Call.io.pe», Link öffnet in einem neuen Fenster, kuratiert von der iranischen Künstlerin Moreshin Allahyari. Es gibt aber auch Pavillons, die mit einem Augenzwinkern gemacht sind, etwa die «Not Found Exhibition», Link öffnet in einem neuen Fenster – mit zahlreichen Links zu Online-Kunst, die nicht mehr funktionieren.

Überfordert – wie es sich gehört

Das «Homeostasis Lab», Link öffnet in einem neuen Fenster unterscheidet sich von allen anderen Pavillons: Hier können sich die Künstler präsentieren, die zu keinem anderen Pavillon eingeladen wurden – eine demokratisierende Haltung, die nicht selbstverständlich ist für eine Kunstbiennale. Wer genug lange im «Homeostasis Lab» verweilt, kann auch dort das eine , Link öffnet in einem neuen Fensteroder andere, Link öffnet in einem neuen Fenster Fundstück aufspüren.

«The Wrong» bietet keine Suchfunktion an. Zum Stöbern und Von-einem-Link-zum-anderen-Klicken braucht es darum Zeit und Geduld. Als Belohnung gibt es im Gegenzug zahlreiche Neuentdeckungen. Und diese leichte Überforderung an der schieren Masse gehört auch bei den herkömmlichen Biennalen einfach dazu.

Nicht allzu streng ist nicht falsch

Zum Glück sind sehr viele Werke aber eben nicht in «real life» zu sehen, sondern an dem Ort, wo sie am authentischsten sind: im Internet. Das Netz wird in zahlreichen Werken auch thematisiert, analysiert und kritisch betrachtet. Zum Internet passt zudem das Chaotische und nicht allzu streng Kuratierte der Biennale sehr gut.

Angesprochen auf die Zukunft, äussert David Quiles Guilló die Hoffnung, dass die digitale Kunst durch seine Biennale mehr Anerkennung bekomme und auch vom traditionellen Kunstmarkt anerkannt würde. Vielleicht könne er die Ausstellung künftig «The Right» nennen.

«The Wrong (again)»

Die Biennale für digitale Kunst findet noch bis zum 31.1.2016 auf der Website thewrong.org und an 40 Ausstellungsorten weltweit statt.

Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Teilen Sie Ihre Meinung... anwählen um einen Kommentar zu schreiben

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

Bitte beachten Sie unsere Netiquette verfügbar sind noch 500 Zeichen

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

Es wurden noch keine Kommentare erfasst. Schreiben Sie den ersten Kommentar.