Bibliothek der Weltpoesie: «Lyrikline.org» ist ein Gedicht!

Gedichte von Rose Ausländer bis Judith Zander, von anno dazumal und jetzt, zum Lesen und Hören: Das Onlineportal «Lyrikline.org» ist mit über 600 Poeten und 60 Sprachen das bedeutendste Onlineportal für Lyrik. Wohin im Netz am Tag der Poesie, wenn nicht auf diese Website?

Eingestanzte Buchstaben auf einer alten mechanischen Schreibmaschine.

Bildlegende: «Lyrikline.org»: Von Schreibmaschinen-Klassikern bis Poetry-Slam. Colourbox

Am 21. März ist Tag der Poesie. Da ertönt aus Theatern, Museen und Medien eine Ode an die Dichtkunst: Sie ist so schön - und wird trotzdem kaum gelesen. Und das, obwohl diese schlaglichtartigen Texte doch eigentlich gut in unsere schnelle und gefühlsgeladene Zeit passen. Die UNESCO will mit dem Tag der Poesie daran erinnern und der Dichtung wieder Gehör verschaffen. Und das auch mit dem Onlineportal «Lyrikline.org», das die deutsche UNESCO-Kommission 2002 unter ihre Schirmherrschaft genommen hat.

Originale und Übersetzungen

Am Anfang, 1999, war die Idee der Literaturwerkstatt Berlin: «Lyrikline.org», das ist eine Plattform im Netz, auf der deutschsprachige Dichter regelmässig ihre Werke präsentieren, als Text und Audio. Im Laufe der Jahre ist die Seite zum weltweit grössten und bedeutendsten Onlineportal für Lyrik angewachsen. Und das nicht nur, weil sie deutsche Dichtungen mit ihren fremdsprachigen Übersetzungen beinhaltet. Beachtlich ist sie vor allem, weil sich hier Dichtungen aus aller Welt im Original finden.

Wie klingen die Dichter?

Besonders an dieser Website ist auch, dass die Dichter ihre Texte selbst vortragen. Hat man hier Paul Celan sprechen, fast singen gehört, so lesen sich seine Gedichte anders als zuvor. Und auch die Worte der jungen Berliner Lyrikerin Ann Cotten dringen intensiver ein, wenn sie mit ihrer schüchternen Stimme einmal Eingang ins Gehör gefunden hat.

Fast die ganze Welt tönt aus dieser Seite, wenn auch wenig oder gar nicht verständlich. «Lyrikline.org» lädt ein zu einer poetischen Reise, stellt neue Fragen an die Poesie und bietet mögliche Antworten: Wie hören sich zum Beispiel Gedichte aus China, Litauen oder in Farsi an? Lässt sich der Inhalt des Textes nur über Melodie erahnen? - Hier ist Platz zum Lauschen und Berauschen. Die Übersetzung ins Deutsche kann mit einem Klick geöffnet werden - und hat vielleicht eine Antwort parat.

Im Gegensatz zu den vielen schönen und wohlklingenden Gedichten, mutet die Website in ihrem Design schlicht und technisch an. Dafür funktioniert sie aber tadellos und ist einfach zu bedienen: Es gibt eine Suche von A-Z, nach Sprachen von Deutsch, über Belarussisch bis Wayuunaiki und nach Stichworten. Neben den Gedichten finden sich leicht auch Fotos und Kurzbiografien der Autoren, sowie Angaben zu verschiedenen Publikationen.

Der Tagesspiegel nennt die Plattform das Museum der modernen Poesie, wie es sich Hans-Magnus Enzensberger einmal erträumt hat. Und preisgekrönt ist sie seit 2005 mit dem Grimme Online Award für Kultur und Unterhaltung.

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