Dan Browns «Inferno» – jetzt wird um die Wette kommentiert

Endlich ist er da: Der neue Thriller «Inferno» von Dan Brown. Weltweit kam er am selben Tag in die Buchhandlungen und weltweit wird nun darüber geschrieben und getwittert: Jeder will der erste sein, der das Buch gelesen und kommentiert hat. Eine Presserundschau im Internet.

Tisch mit Büchern, eine Hand hält ein Buch

Bildlegende: Jetzt wird gelesen. Je schneller, desto besser. Oder: je öffentlicher, desto besser? Keystone

Jetzt wird gelesen. Je schneller, desto besser. Oder: je öffentlicher, desto besser? Das News-Netz von Tagesanzeiger und Basler Zeitung haben dazu einen Live-Ticker aufgeschaltet, wie man ihn von Fussball-Matchs her kennt: Der Autor – notabene der Ressort-Leiter Kultur Philippe Zweifel – kommentiert seine Leseerfahrung gleich live und warnt: «Vorsicht: Hier werden hemmungslos Handlung und Twists ausgeplaudert.»

Der Live-Ticker führt den Hype um das Buch ad absurdum, indem der Kritiker ziemlich respektlos mit Dan Browns Roman umgeht. Ein Beispiel zu Kapitel 68-71: «Impressionen von Venedig, Markusplatz, Seufzerbrücke, wahrscheinlich für die US-Leserschaft sehr detailliert beschrieben. Dazu die obligatorischen kunsthistorischen Exkurse Langdons.»

Was der Live-Ticker dem Leser oder zukünftigen Leser des Buchs bringt? Das bleibt offen. «Ein Live Ticker für ein Buch? Würde allenfalls Sinn ergeben, wenn man bei der Entstehung des Buches dabei wäre», meint dazu etwa ein User in einem Kommentar.

Was sagen die anderen?

Portrait gemalt von Sandro Botticelli

Bildlegende: Dank Dan Brown wieder in aller Munde: Dante Alighieri. Wikimedia

Die Huffington Post hingegen hat sich nicht der Kritik am Buch verschrieben, sondern an einer Sammlung von Kritiken anderer Kollegen und fragt: «Wird dieses Buch den Hype überleben?» Der britische Telegraph hält «Inferno» für Dan Browns «schlechtestes Buch». Die Financial Times findet, Dan Brown schreibe eher wie ein Touristenführer. Nur der Guardian attestiert: «The Pages Fly By» – das Buch lese sich in einem Zug. «Manchmal», so schreibt der Atlantic Wire, «manchmal sind die Buchkritiken einfach besser als das Buch selbst.»

Eines ist klar: Um Dan Browns «Inferno» kommt heute (fast) kein Medium rum, wie Google News aufzeigt: Über 21'700 Resultate listet die Nachrichten-Suchmaschine zu «Dan Brown Inferno» am Nachmittag des Erscheinungstages auf. Jedes Medium, das eine Website hat, scheint darüber zu berichten. Über das Buch. Die Verschwörungstheorien. Die Hölle. Und Dante.

Lieber Dante als Brown?

«Ist es denn wirklich so schlimm, wenn auf einen Schlag einer Menge Leute Dante Alighieri ein Begriff ist?», hinterfragt Twitterer WolfgangB die aufgekommene Kritik am Hype ums Buch. In «Inferno» wandelt Brown auf Dante Alighieris Spuren.

«Dantes Inferno? Eigentlich sowieso das bessere Buch und der bessere Autor», findet Quirk Books, ein unabhängiger Verlag aus Philadelphia. Dieser hat mit einem Augenzwinkern die beiden Autoren und Werke miteinander verglichen und kommt zu einem klaren Schluss: «Sorry D.B.: Da musst du früher aufstehen, um es mit dem Meister der Höllenliteratur aufzunehmen. Das waren einfach zu grosse Stiefel…»

Buchhinweise

Dan Brown: «Inferno», Bastei Lübbe, 2013.

Dante Alighieri: «La Commedia – Die Göttliche Komödie». I: Inferno/Hölle. Italienisch/Deutsch. In Prosa übersetzt und kommentiert von Hartmut Köhler. Reclam Verlag, Stuttgart 2010.