Die Musikwirtschaft ist wieder im Umsatzplus

Nach zwölf Jahren dramatischer Umsatzeinbrüche meldet der Branchenverband der Musikwirtschaft, die «International Federation of The Phonographic Industry», für 2012 erstmals ein Plus von 0.3 Prozent. Die Zahl ist sehr klein, könnte aber für eine grosse Trendwende stehen.

Die englische Sängerin Adele und ihr Oscar für den Song zum James-Bond-Film «Skyfall».

Bildlegende: Bestverkaufende Künstlerin 2012 war mit 8.3 Mio. Alben die britische Sängerin Adele. Keystone / Invision / Vince Bucci

Jahrelang machte die Plattenfirmen illegale Downloads für den drastischen Umsatzrückgang der Musikwirtschaft verantwortlich. 1999 hatte die Branche noch 27.8 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet und von da an ging's bergab: Im Jahr 2012 belief sich der weltweite Umsatz auf 16.5 Milliarden US-Dollar. Aber: Das waren tatsächlich 0.3 Prozent mehr als im Vorjahr.

Ein Umsatzwachstum von 0.3 Prozent mag bescheiden wirken, ist aber ein Zeichen, dass die Musikwirtschaft aus ihrer globalen Umsatzkrise herausfinden könnte. Denn es ist das erste Mal seit 1999, dass die Branche nicht noch weiter einbricht. Das kleine Plus erwirtschaften die IFPI-Mitglieder im digitalen Geschäft, wie aus dem soeben veröffentlichten «Digital Music Report» des Branchenverbands IFPI hervorgeht (siehe Link).

Ist der digitale Mark die Rettung?

Während die CD langsam aber sicher stirbt – in der Schweiz: 19.6 Millionen verkaufte Exemplare im Jahr 2000, 7 Millionen im Jahr 2011 – wächst der digitale Markt schnell. Schon von der Rettung der Branche zu sprechen, wäre allerdings zu früh. Es scheint sich jedoch laut dem «Digital Music Report» unter den Konsumentinnen und Konsumenten allmählich ein Urheberrechts-Bewusstsein durchzusetzen.

Der Verkauf von urheberrechtlich abgegoltenen Musikstücken über lizenzierte Anbieter ist 2012 um 12 Prozent gewachsen. Für die Schweiz nennt der IFPI-Report fast zwei Dutzend legale digitale Angebote, von digitalen Musikshops bis zu Streaming-Angeboten, bei denen man ab Fr. 6.45 ein Abonnement kaufen und Musik legal hören und herunterladen kann.

In Ländern wie Frankreich, Schweden und Südkorea übertreffen die Einnahmen aus Abonnementen bereits die Erträge aus Downloads. Und in Staaten wie Indien, Norwegen, Schweden und den USA liegen die Einkünfte der Plattenfirmen aus Digitalverkäufen über denen aus herkömmlichen, sogenannten «physischen» Tonträgern.

Spotify, Deezer & Co.

Die legalen digitalen Bezugsmöglichkeiten haben sich weit verbreitet und sind heute wesentlich einfacher zu handhaben als früher. Auch deshalb wollen immer weniger User das Risiko eingehen, illegale Ware herunterzuladen und eine Strafe zu riskieren.

Dazu kommt: Es wird ganz einfach viel mehr Musik konsumiert, denn viele Leute nutzen ihr Smartphone heute häufiger zum Musikhören als zum Telefonieren – sagen Branchenvertreter.

Kein Silberstreif für die Schweizer Branche

In der Schweiz nahmen die Musikproduzenten im Jahr 2000 insgesamt 312 Millionen Franken ein, im Jahr 2011 waren es noch 124 Millionen. Auch in der Schweiz entwickelten sich die digitalen Verkäufe erfreulich: Von 3 Millionen Franken im Jahr 2005 sind sie in grossen Sprüngen auf 31.1 Millionen Franken gestiegen. Die CD-Umsätze verringerten sich allerdings in derselben Zeitspanne von 221 Millionen (2005) auf 93 (2011). Die digitalen Verkäufe können also die Verluste der physischen Tonträger bei weitem nicht kompensieren.

Die IFPI Schweiz wird die Zahlen für den Schweizer Markt des Jahres 2012 erst am 15. März veröffentlichen, ihr Geschäftsführer Lorenz Haas teilte aber auf unsere Anfrage schon lakonisch mit: «Die Trendwende kann für die Schweiz leider nicht bestätigt werden.»